"Unglaubliche Aggression"

Sportjournalist Hajo Seppelt spüre in Russland eine "unglaubliche Aggression" gegen seine Person. Trotz Visumserteilung gilt der ARD-Mann als "unerwünschte Person".

Von teleschau - der mediendienst

Hajo Seppelt
Journalist und Doping-Experte Hajo Seppelt darf zwar von der Fußball-WM in Russland berichten. "Unerwünschte Person" sei er dennoch.   Foto: WDR / Herby Sachs

Nach seinem skandalträchtigen Visums-Entzug und den anschließenden diplomatischen Hintergrunddiskussionen darf der Sportjournalist Hajo Seppelt nun zwar vor Ort von der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland berichten. Eine "unerwünschte Person" ist der ARD-Mann dennoch, wie es in einer Mitteilung heißt, die aus Diplomatenkreisen nach internationalen Protesten verfasst wurde: "Die Einreise von Hajo Seppelt nach Russland erfolgt aufgrund einer einmaligen Genehmigung". In einem Interview mit dem Fachmagazin "journalist" gab der 55-Jährige, der kritisch zum russischen Doping recherchiert hatte, nun an, jene Unerwünschtheit auch persönlich zu spüren.

Seppelt erlebe in Russland eine "unglaubliche Aggression" gegen seine Person, die nicht nur von staatlichen Stellen, sondern auch von russischen Journalisten ausginge. Diese würden sich anscheinend "als Vertreter ihres Landes verstehen": "Bei internationalen Pressekonferenzen belagern sie immer wieder meinen Tisch, halten mir ständig ein Mikro vor die Nase." Man könne das Verhalten der Kollegen durchaus als "Stalking" bezeichnen, so Seppelt.

Er vermutet, dass die gegen ihn gerichtete Aggression auch darin begründet sei, dass andere "Todfeinde" Russlands, wie die Whistleblower Witaly Stepanow, Julia Stepanowa und der ehemalige Dopingzuständige Grigorij Rodtschenkow im Exil in den USA leben. Er hingegen sei greifbar. Immer würden ihn russische Journalisten auch mit falschen Anschuldigungen provozieren - etwa dass er bei einer Sitzung des Welt-Leichtathletikverbands IAAF durch das Schlüsselloch gefilmt habe.

"Immerhin weiß ich heute, wie ich mit solchen Situationen umgehen muss", so Seppelt, der sich 2016 von einer RT-Interviewerin provozieren ließ. "Da habe ich mich naiv verhalten", so der Sportjournalist, der mit seiner ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht" 2014 für Aufsehen sorgt. Das unsouveräne Verhalten Russlands hinsichtlich seines Visums sei auch ein Indiz dafür, wie relevant die Doping-Berichterstattung sei; sie besitze laut Seppelt heute eine "staatspolitische Dimension".

Moderator / Journalist Hajo Seppelt

Hajo Seppelt
In einem Interview sagte Hajo Seppelt, er spüre gegenüber seiner Person eine "unglaubliche Aggression".   Foto: Octavio Passos/Getty Images for European Athletics
Hajo Seppelt
Zunächst hatten die russischen Behörden dem Doping-Experten Hajo Seppelt die Einreise zur WM verweigert.   Foto: Catherine Ivill/Getty Images