Sie wird bedroht, weil sie sich für Frauenrechte einsetzt

Nairobi  Mit sechs Jahren wurde sie vergewaltigt. Heute kämpft Editar Ochieng aus dem kenianischen Slum von Kibera für Frauenrechte - und wird deshalb bedroht.

Ein Albtraum, der bleibt

Der Slum von Kibera in Kenias Hauptstadt Nairobi gilt mit einer Million Menschen als der größte in ganz Ostafrika. Hier wuchs Editar Ochieng auf.

Foto: Friedhelm Römer

Editar Ochieng hat schlimme Erfahrungen gemacht. "Mit sechs Jahren bin ich vergewaltigt worden", sagt die 31-Jährige, die in Kibera aufgewachsen ist. Kibera gilt als der größte Slum in ganz Ostafrika. Eine Million Menschen sollen hier leben. So genau weiß das aber niemand. Weil dies sogenannte "Informelle Siedlungen" sind. Auf den wenigen Stadtplänen Nairobis existieren sie nur als schwarz-weiße Flecken und geben nur eine grobe Orientierung, ähnlich wie militarisierte Zonen in deutschen Stadtplänen.

"Ich war ein kleines Kind. Und man hat mir auch noch die Schuld dafür gegeben." In der Familie habe ihr Bruder immer im Mittelpunkt gestanden. Sie wurde nur als künftige Mutter gesehen, die für Nachwuchs zu sorgen hat, am besten männlichen. "Bei uns ist nie über Sex gesprochen worden. Es war ein Tabu, und wir hatten Schamgefühle." Vor diesem Hintergrund ist sie aufgewachsen. Und in einem Umfeld, in dem Gewalt herrscht.

Ihre Töchter sollen nicht einmal ihren besten Freundinnen trauen

Editar Ochieng hat gelernt, dass es hilft, darüber zu reden, denn sie ist damit nicht allein. "Ich habe meine Geschichte mit anderen Mädchen und jungen Frauen geteilt." Sie kennt allein 20 weitere Mädchen, denen ähnliches widerfahren ist. "Wir bilden eine Gemeinschaft." 2016 hat sie das "Zentrum der Feministinnen für Frieden, Rechte und Gerechtigkeit" gegründet. Manchmal werde sie radikal, obwohl sie weiß, dass es nicht richtig ist. Editar Ochieng ist Mutter von drei Töchtern, die sie allein erzieht. Sie habe ihnen eingehämmert, niemandem zu trauen, nicht einmal ihren besten Freundinnen - ein Resultat aus ihren eigenen Erfahrungen.

Von Männern wird Ochieng wegen ihres Engagements bedroht

Ein Albtraum, der bleibt
Editar Ochieng spricht öffentlich über ihre fürchterlichen Erfahrungen. Foto: Friedhelm Römer

Eigentlich spricht die 31-Jährige ruhig, bedächtig und leise. Aber Editar Ochieng wird gehört. Denn sie erhebt ihre Stimme in der Öffentlichkeit. Sie spricht bei einem lokalen Radiosender, der rund 18.000 Haushalte erreicht und führt viele Gespräche mit Menschen. Aber nicht alle zeigen Verständnis. "Einige Männer haben mir Geld geboten, um damit aufzuhören, von meinem Leben zu erzählen und meine Erfahrungen weiterzugeben. Andere haben mir gedroht."

Die Zeiten haben sich mittlerweile geändert in Kenia. "Die Mädchen sind heute selbstbewusster, und ich bin zufrieden mit der Situation, weil die Menschen ihre Rechte einfordern können." Außerdem hätten junge Leute heute bessere Chancen als früher.

Doch die Schrecken der Vergangenheit bleiben auch weiterhin ein Teil von Editar Ochieng. "Für mich ist das Geschehene immer noch ein Albtraum."

 

Kommentar hinzufügen