Weltlachtag: So wird im Netz gelacht

Deutschland/Region  Am heutigen Sonntag ist Weltlachtag. Um Freude im Internet auszudrücken, gibt es ganz eigene Ausdrücke und Symbole. Wir haben uns einmal genauer angeschaut, wie am liebsten im Netz gelacht wird.

Email

Die Familie schickt ein lustiges Video, der Kollege einen Witz. Manches ringt dem Betrachter ein Schmunzeln ab, anderes gar ein herzliches Lachen. Am heutigen Sonntag ist Weltlachtag, das Kichern steht im Vordergrund. Um Punkt 14 Uhr soll eine Minute lang gelacht werden, um ein Zeichen für den Frieden zu setzen. Die Idee stammt aus der Lachyoga-Bewegung. Wegen der Corona-Pandemie soll die kollektive Lacherei im Internet stattfinden.

Allerdings ist das Netz ein Ort, an dem das eigene Amüsement höchst unterschiedlich ausgedrückt wird. Das zeigt eine Datenauswertung des US-amerikanischen Digitalmagazins "The Pudding". Seit elf Jahren werten die Autoren Kommentare auf der Plattform "Reddit" aus. Diese funktioniert wie ein Forum, jeder kann einen Beitrag zu einem beliebigen Thema starten, andere Nutzer können die Diskussion weiterführen.

"lol" erfreut sich anhaltender Beliebtheit

Die Daten zeigen: Am häufigsten wird zum Lachen der Begriff "lol" verwendet. Die Abkürzung bedeutet "laughing out loud", also "laut loslachen". Fast zwei Drittel der Lacher werden so in Textform gefasst (siehe Grafik). Rund ein Viertel der Kommentare bedient sich "haha" oder Abwandlungen davon.

Danach folgen obszöne Begriffe wie "lmao" ("laughing my ass off", "den Arsch ablachen"). Rund 23,3 Millionen Kommentare, die einen solchen Lachausdruck verwenden, hat das Autorenteam allein im vergangenen Jahr ausgewertet.

Jedes Gerät kennt das "lachende Gesicht mit Freudentränen"

Was das Magazin jedoch ausblendet, ist eine ebenfalls äußerst beliebte Art, Lachen auszudrücken: Die kleinen Gesichter, die unterschiedliche Emotionen ausdrücken, sogenannte Emojis. Seit Oktober 2010 sind Emojis weltweit einheitlich codiert. Das berühmte "lachende Gesicht mit Freudentränen" wird seitdem auf jedem Endgerät und System als solches erkannt.

Das gemeinnützige Unicode-Konsortium entscheidet anhand bestimmter Kriterien regelmäßig, welche neuen Emojis aufgenommen werden. Und sie sind sehr beliebt: Das soziale Netzwerk Facebook hatte in einer Analyse gezeigt, dass Emojis ein Drittel der Lacher ausmachen. An der Spitze lag bei Facebook "haha" mit 51 Prozent - allerdings wertete der Konzern nur die Beiträge einer Woche und nur aus den USA aus.

Emotionen funktionieren nicht nur von Angesicht zu Angesicht

Doch welche Verbindung haben das lachende Gesicht auf dem Bildschirm und Lachen im echten Leben? "Wir Menschen können Emotionen nicht nur von Angesicht zu Angesicht empfinden", sagt Tobias Dienlin, Medienpsychologe und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Medienpsychologie der Universität Hohenheim. Er beschäftigt sich mit Kommunikation im Netz und sozialen Medien und hat den Forschungsstand zu Emojis im Blick.

Das Unicode-Konsortium listet alle Emojis, die es gibt. Hier geht's zu Übersicht.

"Emojis helfen uns dabei, nonverbale Kommunikation in Textform zu vermitteln." Dadurch sei es für den Gesprächspartner einfacher, die Reaktion seines Gegenübers zu erkennen. Interessant findet Dienlin, dass Begriffe wie "lol" auch im analogen Leben Einzug halten. "Das ist hochspannend, weil eine Kultur, die sich im Netz entwickelt hat, auf das echte Leben übertragen wird."

Emojis werden zunehmend auch auf der Arbeit akzeptiert

Dass dabei auch etwas schiefgehen kann, ist normal. "Gewisse Ausdrücke sind eindeutiger als andere. Außerdem können sie ironisch verwendet werden, sodass sich die Bedeutung nur aus dem Kontext erschließt", erklärt Dienlin. Sein Tipp, wenn man sich unsicher ist: "Authentisch sein. Gerade bei potenziell doppeldeutigen Inhalten könnte es sich lohnen, Emojis rauszunehmen."

Außerdem spiele der Anlass eine große Rolle, etwa bei dienstlichen E-Mails. "Mein Eindruck ist allerdings, dass die Verwendung zunehmend auch im professionellen Kontext akzeptiert wird." Er selbst nutze Emojis gerne. "Es ist eine Möglichkeit, Kommunikation in Textform auf eine positive und freudvolle Weise anzureichern."


Christoph Donauer

Christoph Donauer

Autor

Christoph Donauer kümmert sich bei der Stimme um alles, was in Heilbronn, Deutschland und der Welt los ist. Seit 2019 ist er Redakteur für Politik und Wirtschaft. Davor war er als Journalist in Berlin, Brüssel, Dänemark und Stuttgart unterwegs.

Kommentar hinzufügen