Warum Angst den Schauspieler Peter Lohmeyer nur aufhalten würde

Salzburg  Seit 2013 gibt er den Tod im Salzburger "Jedermann". Jetzt hatte Peter Lohmeyer seine 100. Vorstellung als geschlechtsloser Sensenmann. Ein furchtloser Schauspieler, der Respekt vor Corona hat, und findet, dass Kultur nicht schlechter gestellt werden darf als Fußball.

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Komm" süßer Tod: Seit 2013 spielt Peter Lohmeyer im "Jedermann" in Salzburg: Jetzt hatte er seine 100. Vorstellung als geschlechtsloser Tod.

Foto: dpa

Wenn wir fünf Tage nach der letzten Vorstellung am 26. August gesund sind, können wir glücklich sein", sagt Peter Lohmeyer. Seit 2013 gibt Lohmeyer bei den Salzburger Festspielen den Tod im "Jedermann". Dass sich jemand im Ensemble an Covid-19 anstecken und er seine 100. Vorstellung in der Rolle nicht spielen könnte, hatte er vor wenigen Wochen in einem Interview auf die Frage geantwortet, wovor er Angst habe, wenn nicht vor dem Tod.

Am Donnerstag hatte er nun seinen 100. Auftritt als Sensenmann, auf dem Domplatz bei bestem Sommerwetter. Doch Angst ist das falsche Wort für Peter Lohmeyer, der einmal in der Woche getestet wird. "Ich habe Respekt vor dem Virus. Das gilt für die ganze Spielzeit."

"Nur, weil ich getestet bin, bin ich nicht unverwundbar"

"Es gibt keinen Freischein für niemanden. Nur, weil ich getestet bin, bin ich nicht unverwundbar", schiebt Lohmeyer im Gespräch mit unserer Zeitung nach. Und: "Wir haben verlernt, bewusst mit unserer Umwelt umzugehen." Peter Lohmeyers Haltung zu Nachhaltigkeitsthemen ist bekannt, sein gesellschaftspolitisches Engagement, seine Kritik an einer hemmungslos verantwortungslosen Politik und Wirtschaft.

Was wenige wissen, Lohmeyer malt seit einigen Jahren. Im Clubraum der Kollegienkirche in Salzburg in der Wiener-Philharmoniker-Gasse 2 zeigt er seine jüngsten Bilder in der Gruppenausstellung "Art for a better World". Keine Ökokunst, sondern Kunst für Klimaschutz, der Gewinn aus dem Verkauf geht in ein Projekt zur Erhaltung von Regenwald und Artenvielfalt Kolumbiens.

Der Schauspieler als Maler und Geschichtenerzähler

In den Wochen nach dem Lockdown sind neue Arbeiten entstanden, figurative Bilder mit lockerem, fast informellem Pinselstrich. "Mich interessieren Menschen, als Maler wie als Schauspieler, der Geschichten erzählt. Ich suche in meinen Bildern nach Wahrheit wie in meinen Rollen." Ein Pathos, das man von Peter Lohmeyer so nicht erwarten würde.

Sein Verhältnis zum Tod? "Ich habe keine Angst. Angst würde mich aufhalten. Angst ist mir fern, sonst könnte ich nicht spielen." "Ich habe vier gesunde Kinder, was will man mehr", sagt Lohmeyer. Und erklärt dann, warum er seine Rolle als Tod in jeder Vorstellung variiert. "Tobias Moretti als Jedermann weiß ja gar nicht, wo ich gerade bin auf der Bühne."

Der Tod ist als Möglichkeit stets präsent

Als Tod ist Peter Lohmeyer während der eindreiviertel Stunden des Spiels vom Sterben des reichen Mannes stets präsent. So wie der Tod in unser aller Leben als Möglichkeit stets präsent ist. Nur wollten wir das nicht wahrhaben, sagt Lohmeyer schnoddrig abgeklärt. Was das sein kann, der Tod, darüber denkt der Sohn eines evangelischen Pfarrers natürlich nach.

"Die Katholiken zelebrieren ihren Tod anders als die Protestanten, da ist richtig was los." Interessanter findet Lohmeyer die Offenheit, mit der andere Kulturen damit umgehen. Sein Salzburger Tod ist ein tänzelnder, ein geschlechtsloser, der mal als tätowierter Gothic-Rocker auftritt, mal als Drag-Queen auf Highheels. Und dabei will Peter Lohmeyer zeigen, dass man "mit dem Tod zärtlich umgehen kann und nicht alleine ist".

"Am Ende habe ich die Hand oben." Genießt er dieses Gefühl der Macht? "Ich genieße es nicht, ich spiele damit." Dass er mit 18 Jahren aus der Kirche ausgetreten ist, hat er dem Vater nie gesagt. "Die Diskussion wollte ich mir ersparen."

Tests bei Schauspielern wie bei Fußballern sollten die Regel werden

"Es wäre schade, wenn die Kultur schlechter wegkäme als der Fußball", kommt er auf das Experiment Salzburger Festspiele zurück. Für den passionierten Fußballfan, der in der VfB-Jugend spielte, als die Familie in Gerlingen lebte und der Vater beim diakonischen Werk arbeitete, steht die Gleichbehandlung von Kultur und Sport außer Frage. Engmaschige Tests bei Schauspielern sollten die Regel werden. Die Kostenfrage lässt Lohmeyer nicht gelten.

Seine Kickschuhe hat er immer dabei

"Das darf kein Argument sein. Unser Gesundheitssystem wird sich umstellen müssen." Peter Lohmeyer hat seine Fußballschuhe immer und überall dabei. Ob beim Dreh in Kuba oder Albanien oder jetzt in Salzburg: Zum Kicken findet er Partner. Das ist sein ganz spezielles Training. "Sonst hätte ich mir bei all den Stürzen in meinen Pumps auf dem glatten Parkett während der Proben längst die Knochen gebrochen."

Zur Person

Geboren 1962 in Niedermarsberg, besuchte Peter Lohmeyer, der jüngste Sohn von drei Kindern eines evangelischen Pfarrers, die Gymnasien in Hagen, Stuttgart und Dortmund. Wegen des Berufs des Vaters zog die Familie oft um. Die Schauspielschule Bochum verließ er ohne Abschluss. Lohmeyer spielte an Theatern in Bochum, Düsseldorf, Stuttgart, Hamburg und am Schillertheater Berlin.

Sein Filmdebüt gab er 1988 in "Tiger, Löwe und Panther". Bekannt wurde er mit "Die Straßen von Berlin" und dem Kinoerfolg "Das Wunder von Bern". Er erhielt den Filmpreis in Gold, den Bayerischen Fernsehpreis und den Filmpreis der Stadt Hof. Der Vater von vier Kindern war mit Sarah Wiener verheiratet und ist seit 2017 mit der Journalistin Leonie Seifert liiert. Peter Lohmeyer lebt in Hamburg.


Claudia Ihlefeld

Claudia Ihlefeld

Autorin

Seit ihrem Volontariat bei der Heilbronner Stimme 1991 schreibt Claudia Ihlefeld überwiegend über regionale Kultur und Kulturpolitik, aber auch über nationale und internationale Kulturereignisse.

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