Wenn es beim Grillen hitzig wird: Fünf Fragen und Antworten

Wohnen  Für die einen ist es Geruchsbelästigung, für die anderen fester Bestandteil des Sommers: das Grillen in Wohnanlagen. Klar ist zumindest so viel: In Mehrfamilienhäusern darf nicht ständig gegrillt werden. Stimme.de gibt einen Überblick:

Von Isabell Voigt
Ist nichts anderes geregelt, darf auf dem Balkon gegrillt werden − aber nicht täglich. Foto. karepa/Fotolia

Sommer, Sonne, Feiertage: Dazu gehört für viele auch das Grillvergnügen. Doch in Mehrfamilienhäusern sorgt dieser Spaß nicht selten für Streit. Was ist hier erlaubt? Das Problem dabei ist, dass es kein Gesetz gibt, dass das Thema Grillen regelt. Allerdings existieren zahlreiche Urteile zu Einzelfällen. 

 

Wann darf auf dem Balkon der Grill angeworfen werden?

Enthalten Mietvertrag und Hausordnung kein Verbot, dann darf der Mieter auf seinem Freisitz brutzeln. Das Grillen auf dem Balkon eines Mehrfamilienhauses kann aber durch eine Regelung im Mietvertrag oder in der Hausordnung verboten werden, darauf weist das Versicherungsunternehmen Arag hin. Halten sich Mieter trotz Abmahnung nicht an das Verbot, so darf ihnen fristlos gekündigt werden, wie das Landgericht Essen in einem Urteil festgestellt hat.

Eine andere gültige juristische Entscheidung besagt, dass im Rahmen einer Eigentumswohnanlage durch schlichten Mehrheitsbeschluss der Eigentümerversammlung ein Grillverbot für Balkone und Terrassen ausgesprochen werden kann. Denn das Grillen sei kein fester Bestandteil unserer Wohnkultur, urteilte das Landgericht München.
 

Was ist, wenn es keine Hausordnung gibt?

"Den Beschluss einer Hausordnung kann jeder Wohnungseigentümer verlangen, der sich gestört fühlt", sagt Gabriele Heinrich, Geschäftsführerin des Verbraucherschutzverbands Wohnen im Eigentum e.V. (WiE). Nach § 21 WEG (Wohneigentumsgesetz) gehört die Aufstellung einer Hausordnung zur ordnungsmäßigen Verwaltung. Über die Inhalte können die Eigentümer eine Vereinbarung treffen, die alle unterschreiben.

Alternative: Sie entscheiden darüber in der Eigentümerversammlung per Mehrheitsbeschluss. In diesem Fall kann die Hausordnung wenn nötig auch wieder durch Mehrheitsbeschluss geändert oder angepasst werden.

Grills auf Balkone zu benutzen kann aus Brandschutzgründen oder wegen Geruchsbelästigung durch die Hausordnung der Eigentümergemeinschaft verboten werden. "Festgelegt werden sollten vernünftige, ausgewogene Regelungen, die zwar Grenzen setzen, aber auch nicht täglich alles verbieten", rät Heinrich. "Ist die Hausordnung wesentlich strenger als das Gesetz, indem sie Lärm auf Balkonen generell zu jeder Zeit untersagt, kann das nichtig sein."


Wie oft ist Grillen im Mehrfamilienhaus erlaubt, wenn es kein Verbot gibt?

"Auf die Frage, wie oft ein Mieter grillen darf, gibt es keine eindeutige Antwort", erklärt Michaela Rassat, Juristin der DAS-Versicherung. Hierzu gibt es sehr unterschiedliche Gerichtsurteile. Das Landgericht Stuttgart beispielsweise begrenzt die Grilldauer auf Balkon oder Terrasse pro Jahr auf dreimal zwei Stunden.

Richter in Bonn sind großzügiger: Sie erlauben das Grillvergnügen immerhin einmal monatlich mit vorheriger Ankündigung. Nach Auffassung des OLG Oldenburg (Az.: 13 U 53/02) darf grundsätzlich nur bis 22 Uhr gegrillt werden. Bis zu viermal im Jahr kann es allerdings "sozialadäquat" sein, bis 24 Uhr zu grillen.

Und das Landgericht München entschied, dass das sommerliche Grillen im Garten erlaubt ist, wenn die Nachbarn dadurch nicht oder nur unwesentlich beeinträchtigt werden. In Berlin zeigten sich Richter besonders großzügig: bis zu 25-mal jährlich, für jeweils zwei Stunden und bis maximal 21 Uhr darf gegrillt werden, entschied das Amtsgericht Schöneberg.
 

Was, wenn im Haus jeder macht, was er will?

Verstoßen Eigentümer oder Mieter gegen Gesetze oder die Hausordnung der Eigentümergemeinschaft, muss der Verwalter eingreifen, auf die Regeln hinweisen und Abmahnungen aussprechen. Uneinsichtige haben schlimmstenfalls Klagen auf Unterlassung zu befürchten. Gegenüber Mietern gilt: Sie haben einerseits ein Recht auf Mietminderung, wenn ihr Vermieter auf Beschwerden hin nicht tätig wird und für die Einhaltung von Nachtruhe und ähnlichem sorgt. Stören sie selbst, kann das andererseits den Vermieter zur Kündigung berechtigen.


Wie lässt sich Streit mit den Nachbarn entschärfen?

Grundsätzlich gilt beim Grillen das Prinzip der gegenseitigen Rücksichtnahme: Nachbarn dürfen nicht durch Gerüche oder Rauch belästigt werden, erläutert der Eigentümerverband Haus & Grund. Statt einem Holzkohlegrill empfiehlt sich deshalb ein Gas- oder Elektrogrill. Grillfreunde sollten darauf achten, dass Wärme- und Rauchentwicklung nicht überhand nehmen und dass die entstehenden Gerüche nicht in die Nachbarwohnungen ziehen können. Was Lärm betrifft, herrscht in Wohngebieten die gesetzlich geregelte Nachtruhe ab 22 Uhr. Danach sind Musik und laute Gespräche draußen tabu. Lärm ist auf Zimmerlautstärke zu begrenzen.

 


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