Volksfest für Motorsportfans

Goodwood  Unterwegs auf dem Festival of Speed im südenglischen Goodwood.

Von Alexander Rülke
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Volksfest für Motorsportfans

Nicht nur wegen des Riesenrads kommt beim Festival Kirmes-Atmosphäre auf. Fotos: Alexander Rülke

Vergangenes Wochenende, Ausnahmezustand im beschaulichen Süden Englands: Wenn der Duke of Richmond zum Festival of Speed auf seinem Anwesen in Goodwood ruft, kommen Hersteller, Sammler, Gentleman-Driver, Freaks und Fans in Scharen. Denn das Event erfreut sich − im Gegensatz zu normalen Motorsportveranstaltungen − einer wachsenden Beliebtheit und zählt an vier Tagen rund 200.000 Besucher. "Eine Veranstaltung mit Event-Charakter wie diese beweist, dass das Thema Motorsport die Massen immer noch begeistern kann", betont Porsche-Sprecher Oliver Hilger im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. Und ein Event ist dieses seit 1993 stattfindende Festival ohne Zweifel.

Ein Motorsport-Treffen wie eine Kirmes

Auf dem weitläufigen Gelände von Goodwood House bei Chichester kommt man sich als Besucher eher wie auf einer Kirmes denn auf einem Motorsport-Treffen vor. Riesenrad und Feuerwerk, Rennsimulator und 80er-Jahre-Spieleautomat (Space Invaders!) sind ebenso zu finden wie die komplette Klaviatur dessen, was schmeckt und dick macht. Sprich: Ein Essensstand reiht sich an den nächsten. Der Geselligkeit tut das keinen Abbruch − ganz im Gegenteil. Viele Menschen nutzen das Festival, um sich auf urige Holzgarnituren zu setzen, dort zu essen, zu plaudern oder ein Bier zu trinken. Wieder andere liegen im Gras und entspannen. Wer möchte, kann sich auch mit Merchandise jeglicher Art eindecken − Shirts, Mützen, Modellautos und vieles mehr warten an den (ebenfalls zahlreichen) Verkaufsständen auf Fans.

Volksfest für Motorsportfans
Rund um Goodwood House findet einmal im Jahr das Festival of Speed statt, die wahrscheinlich größte Veranstaltung ihrer Art weltweit.

Natürlich steht jede Menge Action auf dem Programm. Wer schon immer mal ein Rad eines Formel 1-Boliden in Akkordtempo wechseln wollte, kann sich mit anderen darin messen. Mutige Besucher können in offenen Jaguar F-Types mitfahren, die von Profis im Drift über eine abgesperrte Strecke geprügelt werden. So mancher Mitfahrer sieht nach den fünf Minuten mit extremer Querbeschleunigung dann etwas mitgenommen aus. Land Rover hat einen Offroad-Parcours mitgebracht und lässt seine Geländewagen in luftigen Höhen Runden drehen − auch hier ist Mitfahren erwünscht. Alternativ kann man Profis bei ihren waghalsigen Stunts auf BMX-Rädern und Motocross-Bikes zuschauen oder man verfolgt gebannt die wendigen Maschinen der Kunstflugstaffel, die am Himmel irrwitzige Pirouetten drehen.

Unendlich viele Autos

Und dann gibt es selbstverständlich noch eines: unendlich viele tolle Autos. Man kommt aus dem Staunen wirklich nicht mehr heraus. Gut betuchte Privatleute stellen ihre Boliden auf einer großen Wiese ab, dem sogenannten Performance Parking − hier reihen sich Lamborghini, Ferrari, Porsche, Aston Martin, AMG, McLaren, Bentley und Konsorten im Abstand von wenigen Metern aneinander. Man ist ganz nah dran − immer und überall. Daneben sind Fahrzeuge aller Altersklassen auch live in Aktion auf der rund 1,8 Kilometer langen Strecke zu sehen. Mit meist ohrenbetäubendem Lärm rasen Renn- und Sportwagen sowie Motorräder und Rallyefahrzeuge an den zahlreichen Bühnen vorbei − dank Lautsprecherdurchsagen und Einblendungen auf großen Videoleinwänden weiß man als Zuschauer (meistens), was da gerade vorbeigerauscht ist. Und die Spanne ist immens − sie reicht vom knatterigen Vorkriegsmodell bis zum High-End-Renner neuester Gattung. Privatleute, Museen und Hersteller tragen zu dieser einzigartigen Zusammenkunft bei, indem sie ihre Schätze nach Goodwood bringen und sie dort in Boxengassen dem Publikum praktisch barrierefrei vorführen.

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Rund 1,8 Kilometer lang ist der Hill Climb, die Vorführstrecke in Goodwood. Porsche hat die Bühne genutzt, um den neu entwickelten 911 RSR zu präsentieren.

Übrigens spielt auch das Thema Elektromobilität eine Rolle. Nicht nur, dass Modelle wie Mercedes EQC, Polestar 2, Honda-e, Porsche Taycan oder Jaguar iPace zu sehen sind − VW hat mit dem 680 PS starken ID.R sogar einen Streckenrekord in Goodwood aufgestellt.

Die Neuauflage des 911 RSR wurde im Beisein des australischen Ex-Formel 1-Fahrers und Markenbotschafters Mark Webber enthüllt. Der Rennwagen wiegt nur 1245 Kilogramm −- seine 515 PS haben somit leichtes Spiel. Porsche setzt bei seinem einsitzigen WEC-Renner weiterhin auf einen Saugmotor mit sechs Zylindern, der über 4,2 Liter Hubraum verfügt. Laut Hersteller ist er nicht nur schneller als sein Vorgänger, sondern auch besser fahrbar, sicherer und servicefreundlicher. Zum Einsatz kommt der Porsche 911 RSR bereits im September beim WEC-Saisonstart in Silverstone. Und seinen orkanartigen, brachialen Sound werden Goodwood-Besucher sicher noch lange in Erinnerung behalten.


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