Hilfe, Arbeitsunfall! Was tun?

Region  Verletzt man sich während der Arbeitszeit, gelten besondere Regeln. Warum man dann spezielle Ärzte aufsuchen muss, wie man diese findet und zu welchen Konditionen man behandelt wird.

Von Christine Faget

Hilfe, Arbeitsunfall! Was tun?
Wer sich während der Arbeitszeit verletzt, muss einen sogenannten Durchgangsarzt aufsuchen. Das gilt auch, wenn der Unfall zum Beispiel auf dem Weg ins Büro passiert. Foto: mokee81/stock.adobe.com

Die Kettensäge rutscht in den Finger, ein Dachziegel fällt auf den Kopf. Arbeitsunfälle passieren schnell - und für sie gibt es besondere Regelungen. Was man dabei beachten muss.

 

Wann gilt ein Unfall als Arbeitsunfall?

Von einem Arbeitsunfall spricht man dann, wenn der Unfall während der Arbeitszeit oder auf dem Weg zum oder vom Arbeitsplatz passiert.

 

Wie bin ich bei einem Arbeitsunfall versichert?

Wer arbeitet, ist automatisch in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert. Träger dafür sind die Berufsgenossenschaften. Der Bereich, in dem ein Betrieb tätig ist, bestimmt, bei welcher Berufsgenossenschaft (BG) jemand versichert ist. Im Gesundheitsbereich ist das beispielsweise die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW), bei Landwirten die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft (LGB).

 

Wieso kann man sich bei einem Arbeitsunfall nur an sogenannte Durchgangsärzte wenden?

Durchgangsärzte (kurz: D-Ärzte) haben spezielle Fähigkeiten für Arbeitsunfälle bewiesen, erklärt Christian Sprotte, Pressesprecher bei der Berufsgenossenschaft Etem. Sie kennen sich insbesondere mit dem BG-lichen Heilverfahren aus. Durchgangsärzte sind in der Regel als Unfallchirurgen ausgebildet. Sie steuern das Heilverfahren, machen die Erstuntersuchung und verweisen an Fachärzte weiter.

 

Was ist das Besondere am BG-lichen Heilverfahren?

"Unser Ziel ist es, die Leute so herzustellen, als sei nichts passiert", erläutert Sprotte. Die Versorgung sei deshalb sogar besser als bei Privatpatienten. "Wenn der Unfall bei uns gemeldet ist, brauchen Sie sich um nichts zu kümmern", sagt der Pressesprecher der BG Etem. Etwa muss man bei Medikamenten nichts zuzahlen.

 

Wer meldet Unfälle bei der zuständigen Berufsgenossenschaft?

Die Unfälle meldet normalerweise der Arbeitgeber bei der entsprechenden Berufsgenossenschaft. Man kann Unfälle jedoch auch selbst melden, sagt Sprotte.

 

Woher kommt der Name "D-Arzt"?

Der Begriff habe sich historisch gebildet, erklärt Sprotte. Der D-Arzt sei sozusagen der erste Durchgang zum BG-lichen Heilverfahren. Sprotte glaubt außerdem, dass der Begriff in den 50er Jahren in Anlehnung an den D-Zug entstanden ist, der für Schnelligkeit stand.

 

Wie finde ich einen Durchgangsarzt?

Christian Sprotte empfiehlt, entweder beim Arbeitgeber oder bei der Infoline der gesetzlichen Unfallversicherung anzurufen. Unter der 0800 6050404 wird man informiert, welche Berufsgenossenschaft für einen zuständig ist. Diese wiederum informieren über Durchgangsärzte in Wohnortnähe und organisieren sogar Arzttermine, so Sprotte. Durchgangsärzte findet man auch online unter www.lviweb.dguv.de.

 

Was sollten Auszubildende beachten?

Christian Sprotte rät Auszubildenden, Hinweise zum Arbeitsschutz ernst zu nehmen. "Jüngere Leute haben ja oft ein anderes Risikobewusstsein", sagt er. Wer sich nicht an die Richtlinien zum Arbeitsschutz hält, müsse sich jedoch nicht davor fürchten, weniger Leistungen zu bekommen.

 

Wie steht es um meinen Lohn?

In den ersten sechs Wochen nach dem Unfall übernimmt der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung. Ist jemand länger krankgeschrieben, zahlt die Krankenkasse ein Verletztengeld, das in der Regel 80 Prozent des Brutto-Gehalts beträgt. Es kann höchstens 78 Wochen lang ausgezahlt werden, also etwas länger als anderthalb Jahre.

 

Gibt es besondere Leistungen der Berufsgenossenschaften?

Die Berufsgenossenschaft erstattet bei Arbeitsunfällen auch die Fahrtkosten, etwa zum Arzt. Dafür gibt es 20 Cent pro Kilometer, höchstens jedoch 130 Euro für Hin- und Rückfahrt. Außerdem übernimmt sie Bus- und Bahntickets in der zweiten Klasse. "Bei schweren Unfällen kümmern wir uns auch um Dinge wie einen Rollstuhl oder den behindertengerechten Umbau der Wohnung", sagt Christian Sprotte.


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