Feuer von Notre-Dame löst Entsetzen aus

Paris  Über Notre-Dame steht eine riesige Rauchsäule. Am Abend brach der kleine Spitzturm der Kathedrale in Paris zusammen. Der Brand könnte mit den Renovierungsarbeiten zusammenhängen.

Von dpa

Pariser Kathedrale Notre-Dame steht in Flammen
Eine riesige Rauchsäule steht über einem der berühmtesten Wahrzeichen der Welt - der Pariser Kathedrale Notre-Dame. Foto: Lori Hinant/AP

Eine riesige Rauchsäule steht über einem der berühmtesten Wahrzeichen der Welt – der Pariser Kathedrale Notre-Dame. Flammen schlagen lichterloh aus dem Dachstuhl. Nicht nur Paris ist entsetzt.

Der kleine Spitzturm der Kathedrale brach am Abend zusammen. Dabei handelte sich um einen kleineren Turm in der Mitte des Daches. Aus den beiden großen Türmen der Kathedrale drang schwarzer Rauch, wie ein dpa-Reporter berichtete. Das Feuer löste auch außerhalb Frankreichs Entsetzen aus.

Der Brand kurz vor Ostern könne mit Renovierungsarbeiten zusammenhängen, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Feuerwehr. Er sei auf dem Dachboden ausgebrochen und gegen 18.50 Uhr entdeckt worden. Die Polizei gab auf Anfrage zunächst aber keine näheren Informationen bekannt. 

Feuerwehr zeigte sich skeptisch

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo sprach auf Twitter von einem „fürchterlichen Brand“. Die Feuerwehr versuche, das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Die Feuerwehr zeigte sich skeptisch. Man sei sich „nicht sicher“, ob die Ausbreitung des Feuers aufgehalten werden könne. Das sagte ein Sprecher der Feuerwehr dem TV-Sender BFM und anderen Medien am Montagabend auf die Frage, ob die weltberühmte Kathedrale noch zu retten sei. Es seien rund 400 Feuerwehrleute im Einsatz. Über dem historischen Bauwerk loderten am späten Abend immer noch hohe Flammen.

Ansprache abgesagt

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zeigte sich betroffen und sagte eine für den Abend geplante wichtige Fernsehansprache ab. „Notre-Dame von Paris den Flammen ausgeliefert. Emotion einer ganzen Nation“, teilte der Präsident auf Twitter mit. Er sei in Gedanken bei allen Katholiken und allen Franzosen. Wie alle französischen Mitbürger sei er an diesem Abend traurig, „diesen Teil von uns brennen zu sehen“.

Macron hatte am Abend eigentlich eine Ansprache zu den Ergebnissen einer monatelangen Bürgerdebatte halten wollen – einen neuen Termin dafür teilte der Élyséepalast zunächst nicht mit. Macron hatte die „Nationale Debatte“ im Januar als Reaktion auf die Proteste der „Gelbwesten“ gestartet – nun wollte er Zugeständnisse präsentieren. Nach Medienberichten traf der Präsident am Abend an der Kathedrale ein.

„Notre-Dame von Paris ist Notre-Dame von ganz Europa“, schrieb EU-Ratspräsident Donald Tusk auf Twitter. „Wir sind heute alle bei Paris.“ Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert schrieb auf Twitter: „Es tut weh, diese schrecklichen Bilder der brennenden Notre-Dame zu sehen.“

Symbol Frankreichs

Er fügte hinzu: „Notre-Dame ist ein Symbol Frankreichs und der europäischen Kultur. Mit unseren Gedanken sind wir bei den französischen Freunden.“ Notre-Dame ist eine der Pariser Top-Touristenattraktionen und wird jährlich von Millionen von Menschen besucht. Die Kathedrale steht im Herzen der Stadt auf der Île de la Cité. 


Geschichte der Kirche

Die Geschichte der Kathedrale reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Fast 200 Jahre vergingen bis zur Fertigstellung. Die Dimensionen der im gotischen Stil konstruierten und der Jungfrau Maria geweihten Kirche mit ihren beiden majestätischen Türmen sind gewaltig: Die Kathedrale ist 127 Meter lang, 40 Meter breit und bis zu 33 Meter hoch. Mit seinem 1831 erschienenen historischen Roman „Der Glöckner von Notre-Dame“ verewigte Victor Hugo die Kathedrale in der Literatur.

Witterung und Luftverschmutzung haben dem Baudenkmal zuletzt schwer zugesetzt. An vielen Stellen bröckelt die Bausubstanz – und das vom Staat bereitgestellte Unterhaltsbudget reicht nicht für eine umfassende Sanierung. Für die Sanierung des weltberühmten Bauwerks war vor einiger Zeit eine kirchliche Spendenaktion auf den Weg gebracht worden.

Seit den islamistischen Terroranschlägen, die Frankreich in den vergangenen Jahren heimgesucht hatten, wird die Kathedrale ständig von Soldaten bewacht.

Korrektur: Eine frühere Version dieses Artikels enthielt die Angabe, dass das Gerüst um die Kathedrale von der Firma Layher aus Güglingen stamme. Eine Unternehmenssprecherin teilte am Dienstag, 16. April, mit, dass dies nicht zutrifft. Dennach habe der Gerüsthersteller Layher in den vergangenen Jahren zwar häufig Gerüste für Arbeiten an der Kirche geliefert. Das Gerüst der aktuellen Baustelle, das vergangenes Jahr montiert wurde, stamme allerdings nicht von Layher.

 


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