Diese App lässt Nutzer alt aussehen

Datenschutz  Die russische Face App lässt Nutzer künstlich altern. Im Gegenzug sichert sie sich weitreichende Rechte, die Bilder für Werbezwecke zu verkaufen. Der baden-württembergische Datenschützer will die App deshalb in die Schranken weisen.

Von Christoph Donauer
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Diese App lässt Nutzer alt aussehen

Mit einem Klick Jahrzehnte altern: Diesen Spaß ermöglicht eine russische App. Wie diese mit den Nutzerfotos umgeht, sorgt derzeit für Kritik.

Foto: dpa

Wie ist das eigentlich, in jungen Jahren Falten wie Oma oder Opa zu haben? Diese Frage beantwortet gerade eine App. Die "Face App" nimmt ein Foto des Nutzers und lässt ihn künstlich altern, inklusive grauer Haare und jeder Menge Falten. Zahlreiche Promis verbreiten die Rentner-Bilder von sich im Netz, viele Jugendliche machen es nach. Derweil laufen Datenschützer Sturm und wollen die App aus Russland in die Schranken weisen. Wir haben Fragen und Antworten gesammelt.

 

Was genau macht die Face App?

Die App gibt es schon seit 2017 für Apple- und Android-Geräte. Nutzer können ein Foto aufnehmen und dieses dann bearbeiten. Alternativ können sie ein Porträt aus ihrem Fotoalbum auf dem Handy auswählen. Die App verpasst dem Gesicht des Nutzers Falten, graue Haare und lässt ihn damit deutlich gealtert aussehen. Genauso kann man sich auch jünger machen. Das funktioniert mithilfe von Künstlicher Intelligenz. Dazu werden die Bilder auf Server hochgeladen und dort bearbeitet.

 

Wie funktioniert das?

Nutzer müssen folgendem Text zustimmen: "Fotos werden für die Bildbearbeitung und Gesichtsveränderung auf unsere Server hochgeladen." Wer das ablehnt, kann die App nicht nutzen. Weil das Unternehmen hinter der App in Sankt Petersburg sitzt, warnte der US-Politiker Chuck Schumer, die App sammele Daten für die russische Regierung. Laut dem Magazin "Forbes" werden die Daten jedoch auf Server von Amazon und Google geladen, die sich in den USA, in Irland und in Singapur befinden. Laut Nutzungsbedingungen können Daten aber auch in "jedem anderen Land" gespeichert werden.

 

Was ist daran problematisch?

Problematisch ist vor allem, dass sich das Unternehmen hinter der App, Wireless Lab, weitreichende Rechte an den hochgeladenen Bildern sichert. Bilder dürfen etwa verändert, vervielfältigt und weltweit veröffentlicht werden, auch zu Werbezwecken. Das dürfte nicht allen Nutzern klar sein, die nur ein lustiges Bild von sich erstellen möchten. Problematisch ist auch, dass die europäischen Datenschutzstandards am Firmensitz in Russland nur indirekt gelten. Sie gelten dadurch, dass die Face App in der EU angeboten wird. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine russische Firma alle Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) von sich aus erfüllt. Für Datenschützer ist es damit schwierig, auf die Einhaltung der Standards zu pochen, etwa weil kein Ansprechpartner vorhanden ist. Ähnliche Probleme gab es in der Vergangenheit mit US-Konzernen wie Facebook und Google.

 

Was sagt die App-Firma dazu?

In einem Interview mit "Forbes" weist Face-App-Chef Jaroslaw Gontscharow die Vorwürfe zurück. Wenn Nutzer eine E-Mail schicken, würden Fotos gelöscht. Ohnehin würden die meisten Fotos nach 48 Stunden gelöscht und Nutzerdaten nicht verkauft werden. Überprüfen lassen sich diese Aussagen nicht.

 

Was sagen Datenschützer dazu?

Stefan Leibfarth vom Chaos Computer Club in Stuttgart findet die Hysterie übertrieben: "Der einzige Unterschied zu Firmen wie Google, Facebook oder Amazon ist, dass die Firma in Russland sitzt." Stefan Brink, Landesdatenschutzbeauftragter für Baden-Württemberg, warnt dennoch davor, die Gefahr zu unterschätzen: "Ich gebe sensible Daten an einen Anbieter weiter, der außerhalb der EU sitzt. Und ich weiß nicht, in welchem Umfang diese Daten an Dritte weitergegeben werden." Außerdem kritisiert Brink, dass die App-Macher Bilder für Werbung nutzen können: "Sie dürfen sie weitergeben und gewerblich nutzen, was sehr überraschend ist, weil das, was man mit der App machen kann, ja eher im Bereich der Unterhaltung liegt." Das sei bei Facebook zwar ähnlich, jedoch müsse man bei "einer Werbeplattform wie Facebook damit rechnen". Derzeit berät er mit seinen 16 Amtskollegen, wie die DSGVO im Falle der Face App durchgesetzt werden kann. "Die DSGVO gilt auch für russische Anbieter", stellt Brink klar.

 

Was können Eltern tun, wenn Kinder die App nutzen?

Brink rät: "Sie sollten sich intensiv mit ihren Kindern unterhalten, was sie dort machen und welche Bilder sie hochladen." Letztlich könnten Eltern die Nutzung auch verbieten. Leibfarth rät Eltern, Geräte so einzustellen, dass Apps freigegeben werden müssen.

 

 

 


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