Die neun besten Video-Chat-Apps

Heilbronn  In Corona-Zeiten kann es für Freunde und Familien ganz schön schwer sein, sich wochenlang nicht zu sehen. Um statt sozialer Distanz nur räumliche Distanz aufzubauen, hilft oft ein Videoanruf, bei dem man sich während des Gesprächs zumindest virtuell in die Augen gucken kann.

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Video-Chat mit Stimmeonline auf Instagram. Foto: privat

Wer die Fortschritte der kleinen Enkel einmal live sehen, den immer runder werdenden Bauch der schwangeren besten Freundin nicht völlig verpassen will, oder einfach auch im Homeoffice nicht auf die Kaffeepause oder das Feierabendbier mit Kollegen verzichten möchte, hat derzeit die Qual der Wahl zwischen verschiedensten Videotelefonie-Anbietern. Doch jeder hat andere Ansprüche. Hier haben wir die neun besten Apps für unterschiedliche Nutzer zusammengestellt:

Skype

Skype ist der Klassiker der Videotelefonie. Bis zu 50 Teilnehmer können am Gespräch teilnehmen und zwar von allen Geräten. Man muss das Programm oder die App herunterladen und ein Skypekonto anlegen. Das ist kostenlos und auf allen gängigen Geräten (PC, Mac, Android, iPhone) verfügbar – inzwischen sogar auf Spielkonsolen und Smart-TVs. Für den schnellen Einstieg oder das Gespräch mit Oma und Opa, die Skype nicht selbstständig einrichten können, ist es nicht zu empfehlen. Hat man einmal ein Konto und das Programm installiert, ist Skype unkompliziert zu bedienen. Es ist auch möglich, den Bildschirm zu teilen, was besonders für Projektarbeit oder gemeinsames Lernen interessant sein dürfte.

Facebook, Instagram

Im Videochat über den Facebook-Messenger können bis zu 50 Teilnehmer miteinander sprechen – Videos werden von maximal sechs Personen angezeigt. Die App ist kostenlos und für alle gängigen Smartphones verfügbar. Auch am Desktop kann man mit einer Webcam am Facebook-Videochat teilnehmen. Um mit dem Smartphone am Videochat teilnehmen zu können, benötigt man die Messenger-App.

Für den Video-Chat mit Instagram benötigt man die Smartphone-App (für Android und iOS verfügbar) und es können nur zwei Personen teilnehmen. Ansonsten unterscheidet sich die Funktion wenig von der im Facebook-Messenger. In beiden Apps gibt es lustige Filter, für alle, die sich bereits der langsamen Verwahrlosung im Homeoffice hingegeben haben und ihre nicht ganz frisch gewaschenen Haare hinter virtuellem Häschenohren verstecken wollen. Bei Facebook und Instagram ist ein Account nötig, auch diese Apps sind also nichts für den schnellen Einstieg und vor allem für Leute gedacht, die die Sozialen Netzwerke ohnehin nutzen.

WhatsApp

WhatsApp ist der beliebteste Messenger-Dienst und hat nach Angaben des Unternehmens im vergangenen Jahr 58 Millionen aktive Nutzer in Deutschland. Demnach haben die meisten diese App ohnehin auf dem Smartphone installiert und es kann damit sofort losgehen. Die Funktionen ähneln denen des Messengers vom Mutterkonzern Facebook, die Teilnehmerzahl bei WhatsApp ist allerdings auf vier begrenzt – nichts also für große Familien oder Freundeskreise. Interessant ist, dass WhatsApp zwar Nutzungsdaten speichert, die Inhalte von Chats, Videos etc. aber durch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung vor Zugriffen geschützt sind.

Facetime

Nur für Apple-Nutzer: Facetime ist ein kostenloser Dienst für Sprach- und Videoanrufe. Die App ist auf allen iPhones, iPads und Mac-Computern vorinstalliert und funktioniert auch nur mit ihnen. Weil sich Nutzer auf ihrem Gerät ohnehin schon mit ihrer Apple-ID angemeldet haben, können sie direkt starten. Die Teilnehmerzahl ist auf 32 begrenzt, das sollte selbst für größere Freundeskreise ausreichen. Wenn alle Teilnehmer Apple-Nutzer sind, ist Facetime die einfachste Lösung. Für den Rest ist die App keine Option.

Zoom

Zoom wird vor allem von Unternehmen genutzt und eignet sich gut für Teams, die derzeit im Homeoffice arbeiten. Es ist aber auch eine kostenlose Version verfügbar, die sowohl auf dem Smartphone als auch am PC funktioniert. Es gibt die Möglichkeit Zoom zu installieren, in Chrome und Firefox reicht eine Browser-Erweiterung. Hier können bis zu 100 Personen an einer Video-Konferenz teilnehmen. Die Gesprächszeit ist in der kostenlosen Version allerdings auf 40 Minuten begrenzt. Wenn ein Teilnehmer ein Abo hat, kann er aber eine Gruppe in einen unbegrenzt langen Videochat einladen. Wegen Sicherheitslücken und fehlendem Datenschutz war Zoom zuletzt heftig kritisiert worden. Nun hat das Unternehmen nach eigenen Angaben nachgebessert. Wer die App bereits vor dem 3. April 2020 installiert hat, sollte unbedingt ein Update machen.

Jitsi und MEET

Jitsi ist eine kostenlose Anwendung, die als App für Android und iOS verfügbar ist, aber auch über einen Internet-Browser am Computer genutzt werden kann. Die App funktioniert ähnlich wie andere Messenger. Sie beschränkt selbst zwar nicht die Teilnehmerzahl, doch der Anbieter warnt vor teilweise überlasteten Servern bei zu vielen gleichzeitigen Anmeldungen. Auch in Kombination mit der Anwendung MEET von der Initiative Freifunk, die in dieser Liste wohl der Datenschutz-Sieger ist, benutzt man auf dem Smartphone Jitsi. Über den Internet-Browser oder die Jitsi-App startet ein Teilnehmer einen Videochat-Raum, die weiteren Teilnehmer klicken sich über den Link dazu, oder geben den Namen des Raums ein. Das funktioniert auf dem PC ohne extra Software, Anmeldung oder Werbetracking. Die Verbindungen sind dabei verschlüsselt und tracken auch kein Nutzerverhalten. Wenn alle den Raum verlassen haben, wird er automatisch gelöscht. Klare Empfehlung für den Videochat mit Oma und Opa, die einen Computer mit Webcam besitzen und so nur auf den Link in einer E-Mail müssen.

Houseparty

Houseparty ist derzeit eine der beliebtesten Apps. Lädt man sie aufs Smartphone herunter, kann man sich mit der Handynummer einen Account anlegen. Erlaubt man den Zugriff auf die Telefonkontakte, werden Freunde vorgeschlagen, die Houseparty ebenfalls installiert haben. Jeder aktive Nutzer kann mit einem Freund einen virtuellen Raum starten. Alle Freunde der Videochat-Teilnehmer können diesen Raum ebenfalls sehen. Betritt ein weiterer Freund von einem der Teilnehmer den Raum, sehen wiederum dessen Freunde den Raum und so weiter. So kommen früher oder später lustige und interessante Gesprächsrunden mit maximal acht Teilnehmern zustande. Gerüchten in Sozialen Netzwerken, dass die App auf private Daten und auf dem Smartphone gespeicherte Passwörter zugreift, konnten bislang nicht bestätigt werde. Das Unternehmen weist Vorwürfe von sich. Trotz Zweifeln: das Konzept macht Spaß und simuliert in Zeiten von Social Distancing wohl am besten die klassische Hausparty.

Google Hangouts

Mit der Google-Anwendung Hangouts Meet kann jeder mit einem Googlekonto über alle Geräte nutzen. Da jeder Android-Nutzer ohnehin einen Google-Account anlegen muss, ist auch hier der schnelle Einstieg möglich. An einem Videotelefonat können bis zu 100 Personen teilnehmen, angezeigt werden aber immer nur vier Teilnehmer – wer spricht erscheint automatisch im Fenster. Da man direkt aus dem Google-Kalender in den Videochat wechseln kann, ist es recht einfach sich zu verabreden. Mit einem Link kann man auch weitere Teilnehmer einladen. Im privaten Bereich ist die Google-Anwendung nur für bis zu vier Teilnehmern zu empfehlen, denn da geht es ja gerade darum, sich zu sehen. 

Zooroom

Die App ist sowohl für Apple-Geräte, als auch für Android erhältlich und man muss sich nicht registrieren. In der App erstellt man geschlossene Räume für bis zu zwölf Teilnehmer, die man über einen Link einladen kann. Hier ist es sogar möglich während des Videochats Fotos zu verschicken. Die Tonqualität ist zum Teil allerdings etwas holprig. Dafür schont Zooroom den Akku. Ist einmal die App installiert, kann man sofort loslegen. Da kein Account notwendig ist, eignet sich diese Option auch für Menschen, die sich nicht gut mit dem Smartphone auskennen. Eine nette Möglichkeit mit Eltern oder Großeltern zu chatten, ohne großen Aufwand zu betreiben.

Wie gut Ton und Bild während eines Videotelefonats sind, hängt stark von der Qualität der Internetverbindung ab. Beim Test tagsüber sind Ton und Bild stabil, bei schlechtem Internetempfang oder überlastetem Netz nach Feierabend kann es sein, dass der Videochat manchmal keinen Spaß mehr macht.

Idealerweise nutzt man die App der Wahl im W-Lan. Im mobilen Netz ist die Verbindung unter Umständen weniger stabil und es können entsprechend des eigenen Datenvertrags zusätzliche Kosten entstehen.

Wenn viele Personen an einem Videochat teilnehmen, kann das natürlich zu einem Stimmgewirr und durcheinander führen. Es hilft, Hintergrundgeräusche nach Möglichkeit abzustellen und im Zweifel das eigene Mikrofon auszuschalten, wenn man gerade nicht selbst spricht – eine Funktion, die übrigens alle Apps aus dieser Übersicht anbieten.

 

 


Sarah Utz

Sarah Utz

Onlineredakteurin

Sarah Utz arbeitet seit Juni 2019 in der Onlineredaktion. Sie kümmert sich um die Inhalte von stimme.de und die Entwicklung eines neuen digitalen Angebots. Davor hat sie als Onlineredakteurin im Rems-Murr-Kreis gearbeitet.

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