Besorgnis in Heilbronner Reisebüros wegen gefährlicher Wetterlagen

Palma/Heilbronn  Tragödie und Chaos auf Mallorca: Die Urlaubsinsel wird von sintflutartigen Regenfällen heimgesucht. Mindestens neun Menschen kommen ums Leben, nach vielen Vermissten wird gesucht. Das beunruhigt auch hierzulande viele Menschen.

Von Alexander Klug und Emilio Rappold, dpa
Nach dem Starkregen
Trümmer und Autos auf einer von Starkregen verwüsteten Straße in Sant Llorenç des Cardassar.

Heftige Unwetter haben auf Mallorca mindestens neun Menschen getötet und schwere Sachschäden verursacht. Unter den Todesopfern seien zwei britische Urlauber, berichtete der Fernsehsender RTVE am Mittwoch unter Berufung auf die Behörden der spanischen Urlaubsinsel. Sechs Menschen würden offiziell vermisst.

Mehrere Landstraßen waren am Mittwochmorgen unbefahrbar, einige Ortschaften nach Medienberichten ohne Strom- und Wasserversorgung und von der Außenwelt weitgehend abgeschnitten. Besonders betroffen ist der Osten der Insel. Innerhalb von nur zwei Stunden stürzten dort am Dienstagabend nach offiziellen Angaben rund 220 Liter Wasser vom Himmel. Zum Vergleich: Das ist mehr als ein Viertel des gesamten im vergangenen Jahr in Deutschland registrierten Regens (ca. 850 Liter).

Dramatische Szenen in Sant Llorenç

„Es war eine harte Nacht, aber ich denke, dass der Tag noch heftiger wird“, zitierte die Zeitung „El Mundo“ eine Lokalpolitikerin. Ministerpräsident Pedro Sánchez wolle am Mittwoch auf die Insel fliegen, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen, teilte die Regierung in Madrid mit.

Dramatische Szenen gab es in der 8000-Einwohner-Gemeinde Sant Llorenç des Cardassar rund 60 Kilometer östlich der Hauptstadt Palma, wo es mehrere Tote gab. Dort trat ein Sturzbach über die Ufer. Die Wassermassen verwandelten Straßen in reißende Flüsse. Zahlreiche Autos wurden mitgerissen und Häuser unter Wasser gesetzt, wie auf Bildern und Videoaufnahmen von Medien und des Wetterdienstes der Balearen zu sehen ist.

Briten ertrinken in einem Taxi

Helfer im Einsatz
Heftige Unwetter haben auf Mallorca mindestens fünf Menschen getötet und schwere Sachschäden verursacht. Isaac Buj/Europa Press

Die zwei verstorbenen Briten, nach Medienberichten Urlauber, seien in S'Illot in der Gemeinde Son Servera an der Ostküste ums Leben gekommen, als sie im Taxi von den Fluten überrascht wurden. Der Taxifahrer werde vermisst, hieß es. Das fünfte Todesopfer wurde aus Arta gemeldet. Die Rettungskräfte suchen am Mittwoch nach weiteren Opfern. Die Gegend ist auch bei deutschen Urlaubern und Auswanderern sehr beliebt.

Ein Tourist, der seinen Urlaub in einem Hotel im Küstenort Cala Mandia verbringt, wurde in der Onlineausgabe der „Mallorca Zeitung“ am Dienstagabend mit den Worten zitiert: „Hier waren heute zwei Wirbelstürme zu sehen, zum Glück nur auf dem Meer.“ Zwischendurch gehe im Hotel der Strom aus.

Die Rettungsteams waren am Mittwoch mit 320 Hilfskräften im Einsatz, darunter 120 Angehörige der Notfall-Einheit des spanischen Militärs, die extra zur Unterstützung von Zivilschutz und Feuerwehr auf die Insel geschickt wurden. Oberste Priorität hatte zunächst die fieberhafte Suche nach Vermissten.

Auf Mallorca hatte es schon seit Montag sehr heftig geregnet, ortsweise auch gehagelt. Durch das Unwetter kam es nach Medienberichten auf dem Flughafen von Palma am Montag und Dienstag zu Verzögerungen. Aus Sicherheitsgründen sei der zeitliche Abstand zwischen den Landungen vergrößert worden, hieß es. In der Hauptstadt und auch am „Ballermann“ östlich von Palma war die Lage aber weitgehend normal.

Heilbronner Reisecenter holte gerade erst Urlauber nach Erdbeben von Lombok zurück

Inwieweit Deutsche von dem Unwetter betroffen sind, war zunächst unklar. Die Inhaberin der Reisebüros Michigan Tours in Heilbronn und Neckarsulm, Pauline Spies, sieht die zunehmende Zahl der problematischen Wetterlagen mit Sorge. „Die werden immer mehr. Wir haben natürlich gleich nachgeschaut, haben in der betroffenen Region aber zurzeit keine Urlauber“, sagt Pauline Spies. „Das hätte im August zur Hauptferiensaison ganz anders ausgesehen.“

Grundsätzlich warnen die Mitarbeiter Interessenten vor gefährlichen Gegenden – dabei gehe es nicht nur um Unwetter wie derzeit auf Mallorca, sondern zum Beispiel auch um Krankheiten.

Keine Touristen in den Nordosten der Ferieninsel geschickt hat zurzeit auch das TUI-Reisecenter in Heilbronn. „Ich bin geschockt über das, was dort im Moment passiert“, sagt Mitarbeiterin Dorit Block. Auch sie beobachtet eine zunehmende Häufigkeit gefährlicher Ereignisse. „Gerade haben wir wegen des Erdbebens Urlauber von der indonesischen Insel Lombok zurückgeholt, dann die Überflutungen in Griechenland und jetzt das.“

Im Fall von Mallorca habe niemand mit solchen Unwettern gerechnet.

 


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