Angriffe auf Einsatzkräfte an Silvester

Berlin  Für die allermeisten in Deutschland startet 2019 fröhlich und friedlich. Doch wieder einmal sorgen teils selbstgebaute Böller für schwerste Verletzungen. Und es gibt wieder Angriffe auf Polizisten und Feuerwehrleute

Von dpa
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Friedliche Riesenparty am Brandenburger Tor
Deutschlands größte Silvesterparty am Brandenburger Tor bleib friedlich. Foto: dpa

Millionen Menschen in Deutschland haben friedlich ins Jahr 2019 gefeiert. Hunderttausende kamen in Berlin zur Party am Brandenburger Tor, wo ab Mitternacht der Himmel minutenlang von Feuerwerk strahlend erleuchtet war. Die Silvesterfeier in der Hauptstadt gilt als größte in Deutschland. Vielerorts waren Feuerwehr und Polizei im Dauereinsatz - allerdings gab es in etlichen Städten und Regionen deutlich weniger Einsätze als im Vorjahr. Unfälle mit teils selbstgebastelten Böllern sorgten in mehreren Fällen für lebensbedrohliche Verletzungen.

„Im Vergleich zum Vorjahr war das ein relativ ruhiges Silvester“, sagte ein Polizeisprecher in Hamburg. Hier zählte die Polizei in der Neujahrsnacht 1200 Einsätze, 400 weniger als im Vorjahr. Die Berliner Feuerwehr musste in der Silvesternacht 1385 Einsätze bewältigen, das waren rund 12 Prozent weniger, wie ein Sprecher mitteilte. Unverändert sei aber die Aggressivität gegenüber Helfern.

Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen

In Nordrhein-Westfalen sank die Zahl der Einsätze von rund 4300 im Vorjahr auf 3500. Das Konzept der Polizei mit sichtbarer Präsenz sei aufgegangen, erklärte die Polizei. Besonders in Düsseldorf und Köln waren die Sicherheitsmaßnahmen hochgefahren worden.

In der zentralen Innenstadt von Hannover wurde das erstmals eingeführte Feuerwerksverbot laut Polizei gut angenommen. Besucher, die das Verbot nicht kannten, hätten freiwillig 500 Raketen und ebensoviele Böller in mit Wasser gefüllte Tonnen geworfen. Der Rettungsdienst der Feuerwehr registrierte einen Rückgang der Einsätze - es müsse noch ausgewertet werden, ob dies eine Auswirkung des Böllerverbots gewesen sei.

In der Neujahrsnacht kam es wieder zu Angriffen auf Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr. In Berlin gab es laut Feuerwehr 49 Übergriffe, 33 davon mit Pyrotechnik. Ein Feuerwehrmann erlitt dabei ein Knalltrauma und kam in eine Spezialklinik.

Mannheim: Angriff auf Polizei und Feuerwehr

In Mannheim wurden Polizisten aus einer Gruppe von Menschen heraus angegriffen. Mehrere Beamte wurden laut Polizei mit Faustschlägen traktiert und leicht verletzt. Zuvor hatte ein Autofahrer eine Schreckschusspistole gezogen und einen anderen Mann bedroht. Dieser entriss dem Fahrer die Waffe und feuerte mehrfach auf dessen Auto. Als Beamte kontrollieren wollten, eskalierte die Lage. Die Gruppe von 50 bis 60 Menschen „solidarisierte sich gegen die Uniformierten“ und widersetzen sich den Platzverweisen, wie es im Polizeibericht heißt.

Mehrere Beamte wurden angegriffen, mehrere Angreifer festgenommen. Die Polizei ermittelt unter anderem wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz, gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen Polizeibeamte. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hatte vorab Respekt gegenüber den Einsatzkräften gefordert.

Polizisten in Dortmund wurden mit einer Silvesterrakete beschossen und mit Flaschen beworfen. Zu den Angriffen kam es nahe der Innenstadt aus einer Personengruppe heraus, wie die Polizei am frühen Morgen über Twitter mitteilte. Verletzt wurde hier niemand. Der Mann, der die Rakete geschossen hatte, wurde in Gewahrsam genommen.

Lebensgefährliche Verletzungen 

Bei Löscharbeiten wurde in Frankfurt (Oder) ein Feuerwehrmann attackiert: Als ihm ein Mann gegen den Kopf schlug, erlitt er eine Platzwunde, wie die Polizei mitteilte. Eine Gruppe von Jugendlichen hatte Feuerwerk gezündet, dabei war eine Wiese in Brand geraten. Der Tatverdächtige behinderte die Löschkräfte bei ihrer Arbeit.

Mit dem Zünden von selbstgebauten Feuerwerkskörpern fügten sich zwei Männer in Essen lebensgefährliche Verletzungen zu. Rettungskräfte brachten die 31 und 33 Jahre alten Männer ins Krankenhaus. Laut Polizei hatten sie die Feuerwerkskörper in mehreren Koffern auf einen Schulhof transportiert. Die Polizei forderte Entschärfer des Landeskriminalamtes an.

Ebenfalls bei einem Unfall mit einem Böller wurden in Niedersachsen zwei Menschen verletzt. Ein 38-Jähriger habe sich nach ersten Erkenntnissen eine Hand weggesprengt, sagte ein Sprecher der Polizei. Ein weiterer Mann erlitt bei dem Unfall in Winsen an der Aller Verletzungen im Gesicht.

Silvesterparty endet im Krankenhaus

Ein übles Ende nahm eine Silvesterfeier in einer Disco in Saarbrücken: Kurz nach fünf Uhr früh versprühte ein Unbekannter auf der Tanzfläche Reizgas. Daraufhin liefen die Gäste fluchtartig ins Freie. Mehrere Menschen, unter ihnen eine Schwangere, wurden leicht verletzt. Ein Besucher musste stationär im Krankenhaus aufgenommen werden. Der Pfefferspray-Behälter wurde von der Polizei sichergestellt, nach dem Täter wurde gefahndet.

Unvorsichtigerweise zündete ein Mann im hessischen Lautertal kurz vor dem Jahreswechsel in seiner Küche einen Silvesterknaller und löste damit ein Feuer aus. Den Brand habe der Mann noch löschen können, sei aber wegen des starken Rauchs kurz bewusstlos geworden. Der Mieter kam ins Krankenhaus.

Bei einem Silvesterunfall im Stile einer Kettenreaktion wurde bei Bamberg ein 23-Jähriger schwer verletzt. Ein Mann hatte laut Polizei einen kleinen Kracher geworfen, der unglücklicherweise in der Tasche des Mannes landete. Darin sei Leuchtspurmunition gebunkert gewesen, die wegen der Hitze explodiert sei. Der 23-Jährige wurde mit schweren Verletzungen am Bein und an einer Hand in eine Spezialklinik gebracht.

 


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