Neues Rezo-Video: Lost wie Laschet

Analyse  Youtuber Rezo hat es wieder getan. Am Samstag ging sein neuestes Video „Zerstörung Teil 1“ online. Hauptthema seines knapp 30-minütigen Vortrags: Inkompetenz der Regierungsparteien. Dabei kommt besonders eine Partei und ihr Kanzler-Kandidat gar nicht gut weg.

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Wenn Youtuber Rezo, der Mann mit dem schlumpfblauen Haarkamm, ein Video namens „Zerstörung“ hochlädt, werden Mitarbeiter der CDU Social-Media-Abteilung nervös. Vor zwei Jahren zerstörte der Influencer mit seinem viralen Video „die Zerstörung der CDU“ vor der Europawahl kurzerhand den Unions-Wahlkampf. Die damalige CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer fragte daraufhin sichtlich verzweifelt, ob so ein Youtuber eigentlich alles dürfe und ob man da während Wahlkampfzeiten nicht andere Regelungen finden könnte.

"Todeslost inkompetent"

Jetzt hat Rezo wieder ein Zerstörungsvideo gelauncht mit dem Titel „Zerstörung- Teil 1“. Diesmal führt der Youtuber vor allem die Inkompetenz der Regierungsparteien und diverser Kanzlerkandidaten vor. Es trifft zwar diesmal nicht nur die CDU, aber besonders an den Unionspolitikern Julia Klöckner, Andreas Scheuer und auch Armin Laschet arbeitet sich Rezo ab. Sein Urteil: „Todeslost inkompetent“.

Seine Sprache ist gewohnt jugendorientiert, aber nie respektlos. „Lost“ ist so ziemlich das meistgenutzte Wort und beschreibt im Grunde auch genau, wie eine junge Generation das aktuelle Treiben in Berlin wahrnehmen muss. Rezo erinnert an Meldungen, die man in den letzten Wochen, Monaten und Jahren irgendwo und irgendwie wahrgenommen hat, und bringt sie in einen für die Regierungskoalition oft unangenehmen Zusammenhang. Von den seit zehn Jahren verzweifelten Versprechen und Versagen des Breitbandausbaus in Deutschland über die umstrittene Urheberrechtsreform, von der Steuergeldverschwendung bei der Pkw-Maut, von angeblichen Steuerentlastungen bis zum vertagten Kohleausstieg.

Julia Klöckners zweifelhafte PR-Stunts mit Nestlé sind genauso Thema wie der jüngste Versuch der Grünen, die Frauenpower der eigenen Partei mit einem geschönten Bildausschnitt zu illustrieren, in dem einfach die männlichen Wahlkämpfer abgeschnitten wurden. Die „komischen Moves“ von Armin Laschet während des Wahlkampfes sind gefundenes Fressen. Bei einigen Aspekten wie der Urheberrechtsreform und die dabei übergangenen Uploadfilter stellt er die Frage: „Ist das nun 1.) Inkompetenz oder 2.) Unehrlichkeit? Andere Erklärungen gibt es nicht."

Fein säuberlich dokumentierte Quellen

Seine Quellen dokumentiert er fein säuberlich in einem Quellenverzeichnis, blendet die jeweilige Fußnote sogar im Bild ein. Das wünscht man sich bei vielen anderen Videos und besonders bei im Netz umherschwirrenden Politikerstatements sofort als Standard. Im Gegensatz zum auch ebenfalls am Wochenende gestarteten Krawallsender Bild.TV macht Rezo keinen Krawall. Er erklärt bereits am Anfang, warum er das tut und was er mit seinem Video bezweckt. Ihn treibt laut eigener Aussage um, dass es bei Politik um „krasse Entscheidungen“ geht. Dass Inkompetenz nicht egal sei. „Es geht um Entscheidungen, die darüber entscheiden, ob wir in Zukunft noch eine sinnvolle Lebensgrundlage haben“. 

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Sprachrohr der vergessenen Generation

Eigentlich erzählt Rezo in seinen Videos nichts Neues. Aber darum geht es nicht. Er fasst Geschehnisse logisch zusammen in einer Art und Weise, die von und für eine andere Generation gemacht ist als die meisten Zeitungs- oder Internetnachrichtenseiten. Eine Generation, die zahlenmäßig in Deutschland gnadenlos unterlegen ist. Bei der kommenden Bundestagwahl werden laut Statischem Bundesamt 21,3 Prozent der Wahlberechtigten 70 Jahre und älter sein, 36,5 Prozent zwischen 50 und 69 Jahre. Gerade mal 14 Prozent sind dann unter 30 Jahren. Deshalb ist es tatsächlich wichtig und sinnvoll, dass diese Generation erstens am politischen Geschehen dran bleibt und zweitens als politisch engagierte und intelligente Wähler auch von Politikern wahrgenommen werden. Dass Interessen und Belange der Jungen denen der Älteren in Nichts nachstehen sollten. Im Gegenteil sogar, dass die Politik für die uns nachfolgende Generationen noch mehr Verantwortung trägt und ihr nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes verbrannte Erde durch Inkompetenz hinterlässt.

Den zweiten Teil seiner "Zerstörung" hat Rezo bereits angekündigt. Unklar ist, wann er erscheint. 

 


Christine Tantschinez

Leiterin Onlineredaktion

Christine Tantschinez ist seit Oktober 2020 als Leiterin der Online-Redaktion und stellvertretende Chefredakteurin bei der Heilbronner Stimme. Zuvor war sie in gleicher Position beim Zeitungsverlag Waiblingen. Mit drei Jahren durch die erste Atari-Konsole des älteren Bruders bereits digitalisiert, hat sie auch eine ausgeprägte analoge Seite: die Liebe zu Vinyl und Plattenspielern.

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