Kommentar auf Throms Facebook-Seite löst Empörung aus

Region  Der CDU-Abgeordnete Alexander Throm hat mit einem "Like" für einen mutmaßlich gegen seinen Kontrahenten Josip Juratovic (SPD) gerichteten Kommentar für einige Aufregung gesorgt. Laut Throm sei dies ein Missverständnis in der Deutung gewesen.

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Wer als Abgeordneter im Bundestag das Volk vertritt, sollte des Deutschen mächtig sein. So zumindest die Meinung eines Facebook-Kommentators, der am Donnerstagabend eine kleine Empörungswelle ausgelöst hat. Alles begann mit einem Facebook-Post des Heilbronner Abgeordneten Alexander Throm (CDU), der in einem Video Ausschnitte seiner Redebeiträge im Bundestag zeigte.

Ein Nutzer kommentierte den Beitrag wie folgt: "Und gut ist, dass wenigstens ein Heilbronner Bundestagsabgeordneter (und zwar der hier) sich in vernünftigem Deutsch mitteilen kann und keinen Ghostwriter braucht, um einen Satz mit fünf Worten fehlerfrei zu schreiben / formulieren." Dieses vermeintliche Lob versah Throm mit einem Daumen nach oben ("Like").

 

Heilbronner SPD-Politiker werten Kommentar als Angriff gegen Juratovic

In der Heilbronner SPD-Blase formierte sich daraufhin eine breite Front der Kritik. Sie meinten in dem Kommentar einen Angriff auf den Heilbronner SPD-Abgeordneten Josip Juratovic zu erkennen, der aus dem kroatischen Koprivnica stammt. Niklas Anner, bis vor Kurzem Vorsitzender der Heilbronner Jusos, kritisierte erst den Kommentator und dann Throm: "Wie respektlos! Ziehen Sie erst mal in ein anderes Land, lernen Sie eine fremde Sprache und schaffen Sie es in den Bundestag! Und Sie liken sowas auch noch, Alexander Throm?"

Anner: Rassistische Kommentare gehören gelöscht, mindestens kritisiert

Anschließend verbreitete er ein Bildschirmfoto von Throms "Daumen hoch" unter dem beanstandeten Kommentar. Wahlkampf sei hart, manchmal auch schmutzig, schreibt Anner. "Aber auch in so einer Situation sollte ein Mindestmaß an Anstand bewahrt werden - auch von CDU-Kandidaten. Rassistische Kommentare gehören gelöscht, mindestens kritisiert."

 

Mehrere SPD-Politiker stimmten ein: "Josip ist ein Vorbild für Viele und spricht die Sprache der Menschen", kommentierte der SPD-Kandidat im Wahlkreis Neckar-Zaber, Thomas Utz. "Wie tief muss die Angst vor dem Mandatsverlust sitzen, dass vor dem Liken offensichtlich das Lesen vergessen wird?", antwortete Guido Rebstock, früherer Ministerialdirektor und SPD-Mitglied. Es sei ein Unding, dass Juratovic "beleidigt und verunglimpft" werde, kommentierte Ex-SPD-Innenminister Reinhold Gall.

Throm verteidigt sich und nimmt Like zurück

Und Alexander Throm? Der nahm das "Gefällt mir" für den Kommentar zurück und reagierte am Abend auf seiner Facebook-Seite: "Ich habe den Kommentar nur als Lob für meine üblicherweise frei vorgetragenen Reden gehalten", schreibt der CDU-Politiker. "Der Gedanke, dass damit ein ganz bestimmter Kollege, gar mein geschätzter Kollege Josip, gemeint sein könnte, ist mir nicht in den Sinn gekommen."

Erst durch den Hinweis von Niklas Anner sei ihm aufgefallen, "dass es auch in Ihrem Sinne aufgefasst werden kann - aber nicht muss". Um diesen Anschein zu vermeiden, habe er das "Like" zurückgenommen. Ihm sei an einem "fairen Wahlkampf, ohne persönliche Angriffe auf den politischen Gegner" gelegen. Diese Entschuldigung nahm Reinhold Gall an und bezeichnete Throm als harten, aber fairen politischen Kontrahenten. Der Kommentar, der die Kritik auslöste wie auch die weitere Diskussion darunter, wurde gelöscht. Josip Juratovic äußerte sich zu den Geschehnissen nicht. 

 

Reaktion von Reinhold Gall (SPD) auf seiner Facebook-Seite

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Christoph Donauer

Christoph Donauer

Autor

Christoph Donauer kümmert sich bei der Stimme um alles, was in Heilbronn, Deutschland und der Welt los ist. Seit 2019 ist er Redakteur für Politik und Wirtschaft. Davor war er als Journalist in Berlin, Brüssel, Dänemark und Stuttgart unterwegs.

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