Stimme-Wahlforum mit den Bundestagskandidaten aus dem Wahlkreis Neckar-Zaber

Brackenheim  Die Bundestagskandidaten aus dem Wahlkreis Neckar-Zaber haben im Stimme-Wahlforum am Montagabend über die Klimakrise, Wohnen und Digitalisierung diskutiert.

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Rund 80 Personen waren ins Brackenheimer Bürgerzentrum gekommen, um sich beim Wahlforum der Heilbronner Stimme über die Kandidaten zu informieren.

Foto: Andreas Veigel

Endspurt im Wahlkampf. In nicht einmal sechs Tagen wissen wir, welche Partei die meisten Stimmen erhalten haben wird. Doch nicht nur Scholz, Laschet und Baerbock diskutieren auf der großen Fernsehbühne, auch die Kandidaten der einzelnen Wahlkreise machen Werbung für sich und die Programme ihrer Parteien. Rund 80 Besucher verfolgten am Montagabend das Wahlforum der Heilbronner Stimme im Brackenheimer Bürgenzentrum. Für den Wahlkreis Neckar-Zaber treten Fabian Gramling (CDU), Thomas Utz (SPD), Marc Jongen (AfD), Lars Maximilian Schweizer (Grüne), Marcel Distl (FDP) sowie Emma Weber (Linke) an.

Die Moderatoren Tanja Ochs, stellvertretende Chefredakteurin, und Alexander Hettich, stellvertretender Leiter des Regionalressorts, nahmen direkt zu Beginn das neben Corona aktuellste Thema auf: die Klimakrise. "Die Bürger wissen, dass man handeln muss", sagt Thomas Utz. Die Bilder aus dem Ahrtal hätten das Problem erneut ins Bewusstsein gerufen. 2045, bis dahin soll Deutschland laut SPD klimaneutral sein, am besten durch den Ausbau von erneuerbaren Energien wie Windrädern. Der verständlichen Skepsis müsse man offen begegnen. Besonders wichtig für Utz: Der Ausbau von Stromleitungen, um Offshore-Windenergie besser nutzen zu können.

Für Maximilian Schweizer muss es noch schneller gehen, bis 2030 wollen die Grünen Klimaneutralität verwirklichen. "Wir brauchen mehr Speichermöglichkeiten. Die Kapazitäten sind noch nicht ausgeschöpft", sagt der 28-Jährige. Den Ausstieg aus der Kernenergie hat er mit Erleichterung aufgenommen. Genauso wie den Entschluss, sich auch von Kohle als Energieerzeuger zu verabschieden. An dieser Stelle ist sich Schweizer mit seinem Kontrahenten Fabian Gramling einig, der betont, dass am beschlossenen Ausstieg festgehalten werden müsse: "Aus meiner Sicht wäre der Kohleausstieg besser gestern als heute passiert."

Der FDP-Politiker Marcel Distl möchte hingegen Anreize schaffen, indem für Unternehmen der CO2-Ausstoß teurer wird. "Wenn es unwirtschaftlich wird, mit alten Technologien zu arbeiten, gibt es genug Anreiz", so Distl. Klimaziele sollen durch marktwirtschaftliche Instrumente erreicht werden, nicht durch Verbote. Einen "Überbietungswettbewerb beim Klimawandel" sieht Marc Jongen. "Wir in Deutschland wollen das weltweite Klima beeinflussen. Nüchtern betrachtet: Das kann so nicht funktionieren", erklärt der AfD-Abgeordnete. Nur mit dem Bau von Windrädern könne man keine Klimakatastrophen verhindern. Erneuerbare Energien sollten zwar ausgebaut werden, aber in sinnvollem Rahmen. Die angestrebte Wende bezeichnet Jongen als "radikal".

Die Bürger mitnehmen auf dem Weg und Strom für alle bezahlbar machen, will hingegen Emma Weber. "Sonst haben wir die Menschen nicht auf unserer Seite", sagt sie. Lange sei man zu bequem gewesen, jetzt laufe die Zeit davon.

Eng mit dem Klima hängt auch das Thema Mobilität zusammen. Man müsse "Anreize für E-Autos schaffen", meint Maximilian Schweizer. Bezahlbar sollten sie sein, seien aber nur ein Puzzleteil. Auch der ÖPNV müsse ausgebaut werden, genauso wie Radwege. "Das Klima wird nur mit E-Autos nicht besser", ist sich Schweizer sicher. Sie seien aber eine tragende Säule für die Zukunft, sagt Marcel Distl. In die Ladeinfrastruktur müsse weiterhin investiert werden. Bis die ausreichend ausgebaut ist, müsse man weiter an Übergangstechnologien forschen. So sieht es auch Fabian Gramling, der in diesem Bereich besonders synthetische Kraftstoffe für förderungsfähig hält. "Global gesehen sind E-Autos aber noch nicht sinnvoll, wie man zum Beispiel am Kobaltabbau sieht."

"Wenn wir die gesteckten Ziele ehrlich erreichen wollen, müssen wir den Anspruch haben, dass das nächste Auto klimaneutral ist", erklärt Thomas Utz. Dafür müsse man auch die Hersteller unterstützen. Die sieht Marc Jongen in Scharen nach China abwandern, wenn der "Vernichtungsfeldzug" von CDU und SPD weiter beschritten werde.

Auf Autos komplett verzichten will Emma Weber nicht. "Gerade im ländlichen Raum braucht man sie", spricht sie aus eigener Erfahrung. Trotzdem müsse der ÖPNV bezahlbarer gemacht werden und überhaupt erst vorhanden sein. "Da muss man als erstes eingreifen."

Im weiteren Verlauf diskutierten die sechs Bundestagskandidaten aus dem Wahlkreis Neckar-Zaber auch über andere Themen. Darunter waren neben Wohnen und Digitalisierung auch die Debatte um die Coronamaßnahmen und mögliche Koalitionen nach der Bundestagswahl. Auch die Wiederbelebung von Bahnstrecken wie der Zabergäu- sowie Bottwartalbahn stand auf der Agenda. Eine detaillierte Analyse des restlichen Abends wird in der Mittwochs-Ausgabe erscheinen.


Elfi Hofmann

Elfi Hofmann

Autorin

Elfi Hofmann ist seit April 2019 bei der Heilbronner Stimme und dort vor allem im Kraichgau unterwegs. Sie ist für Bad Rappenau, Siegelsbach und Hüffenhardt zuständig und gehört dem Thementeam Umwelt an.

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