Angeregter Austausch bei Stimme-Wahlforum mit Bundestagskandidaten in Heilbronn

Heilbronn  Die sechs Kandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien aus dem Wahlkreis Heilbronn haben am Freitagabend über viele Themen diskutiert. Im ersten Block ging es zum Beispiel um Corona und ob es eine Impfpflicht und bundesweite 2G-Regelung geben sollte.

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Etwas über 100 Besucher kommen am Freitagabend zum Wahlforum der Heilbronner Stimme ins Veranstaltungszentrum Intersport-Redblue.

Foto: Mario Berger

Es geht in die heiße Phase des Bundestagswahlkampfs - das ist auch beim Wahlforum am Freitagabend im Veranstaltungszentrum Intersport-Redblue zu spüren. Gespannt lauschen die rund 100 Besucher den sechs Kandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien aus dem Wahlkreis Heilbronn: Alexander Throm (CDU), Josip Juratovic (SPD), Franziska Gminder (AfD), Michael Link (FDP), Isabell Steidel (Grüne) und Konrad Wanner (Linke).

Die Moderatoren Tanja Ochs, stellvertretende Chefredakteurin und Regionalressort-Leiterin, und Alexander Hettich, stellvertretender Leiter des Regionalressorts, nutzen die 90 Minuten der Veranstaltung, um möglichst viele spannende und kritische Fragen zu stellen. "Wir möchten Sie gut informieren und jedem, der noch unentschlossen ist, ein paar Argumente auf dem Weg in die Wahlkabine mitgeben", sagt Tanja Ochs einleitend.

Bei 2G-Regelung und Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen gehen die Meinungen auseinander

Gleich am Anfang geht es um die Corona-Pandemie, ein nach wie vor wichtiges Thema im Alltag und im Wahlkampf. Fast alle Kandidaten sind sich einig, dass die Impfquote noch steigen muss. "Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Impfen bedeutet auch Solidarität mit den Menschen, die sich nicht impfen lassen können", sagt Isabell Steidel und meint damit etwa jüngere Kinder oder Menschen, bei denen der Impfstoff krankheitsbedingt nicht so gut wirkt. Einer Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen wie Lehrern stimmt sie zu.

Die "bürgerschaftliche Pflicht", sich impfen zu lassen, sieht auch Michael Link. Er betont aber, dass es aus rechtlichen Gründen nie eine Impfpflicht geben dürfe, "auch nicht durch die Hintertür". Somit sieht er eine 2G-Regelung in ganz Deutschland sehr kritisch, die Steidel hingegen unterstützt.

Heilbronn habe zu spät Maßnahmen vor Ort umgesetzt

Alexander Throm sieht ebenfalls die Notwendigkeit, noch mehr für Impfungen zu werben. Heilbronn habe zu spät angefangen, Maßnahmen vor Ort wie den Impfbus umzusetzen. Ansonsten ist er für "alles zu haben, was dazu führt, dass die Menschen sich impfen lassen", auch Impfprämien wie etwa Karten für Fußballspiele.

Dass alle Möglichkeiten genutzt werden müssen, "damit möglichst viele sicher sind und auch andere schützen", betont auch Josip Juratovic. Dazu zählt er nicht nur Impfungen, sondern auch regelmäßige Tests. Das Wichtigste sei, dass Kinder weiter in die Schule könnten.

Impfstatus-Abfrage findet AfD-Kandidatin untragbar

Den Vorschlag, dass Arbeitgeber das Recht haben sollten, den Impfstatus ihrer Mitarbeiter abzufragen, lehnt Franziska Gminder ab: "Das verletzt die Intimssphäre der Betroffenen." Die Idee sei untragbar, weil auch riskiert würde, dass ungeimpfte Menschen entlassen werden könnten.

Konrad Wanner findet, die Corona-Maßnahmen seien bisher "zu zaghaft" umgesetzt worden. Um die Impfquote zu erhöhen, müsste verstärkt auf Menschen zugegangen werden, die zum Beispiel eine andere Sprache sprechen. Wenn es bei der bisherigen Zahl an Geimpften bleibe, sagt der Kandidat der Linken, würde man an einem erneuten Lockdown nicht vorbeikommen - Schulen sollten offen bleiben.

Wahrscheinlichkeit eines erneuten Lockdowns stufen alle als gering ein

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Lockdown eintritt, stufen alle Kandidaten als sehr gering ein. Sowohl die Grünen-Kandidatin als auch der CDU-Abgeordnete halten diesen Schritt besonders für Geimpfte für untragbar - Ungeimpfte müssten eher mit Einschränkungen rechnen. Link betont, schon der letzte Lockdown sei falsch gewesen, die Politik müsse andere Lösungen finden. Der SPD-Abgeordnete schließt einen Lockdown nicht aus, obwohl er ihn als nicht wahrscheinlich ansieht. Die AfD-Kandidatin würde die Einschränkungen ganz abschaffen - nach dänischem Beispiel. Dort ist die Impfquote allerdings höher als in Deutschland.

Ausführliche Berichterstattung

Im weiteren Verlauf des Abends diskutierten die sechs Bundestagskandidaten aus dem Wahlkreis Heilbronn noch über viele andere Themen. Darunter waren neben Bildung und Digitalisierung zum Beispiel auch die Debatte um erhöhte Benzinpreise und mögliche Koalitionen. Einen weiteren großen Themenkomplex stellten der Wohnungsmangel und steigende Mieten dar. Außerdem ging es in einer auflockernden Zwischenrunde unter anderem um das Vervollständigen von Sätzen über die Spitzenkandidaten der Parteien.

Info: Eine detaillierte Analyse des restlichen Abends folgt im Laufe des Samstags hier auf Stimme.de

 

kom_heffter

Annika Heffter

Autorin

Annika Heffter arbeitet seit 2018 bei der Heilbronner Stimme und ist seit 2020 Redakteurin im Stadtkreisressort.

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