Wahlkampf im Wahlkreis Neckar-Zaber: Ärmel hochkrempeln gegen das Umfragetief

Leingarten  Kämpferisch in kleiner Runde: Thomas Strobl, Innenminister von Baden-Württemberg, macht Wahlkampf für Fabian Gramling, CDU-Bundestagskandidat des Wahlkreises Neckar-Zaber.

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Fabian Gramling (rechts) möchte Nachfolger von Eberhard Gienger werden, der im Wahlkreis Neckar-Zaber seit 2002 stets das Direktmandat für die CDU gewonnen hat. Thomas Strobl ist prominenter Unterstützer seines Wahlkampfes.

Foto: Claudia Kostner

"Nichts ist entschieden." Mit diesem Satz schließt Thomas Strobl seine kurze Rede in der Leingartener Pizzeria Bella Linda. Der Innenminister von Baden-Württemberg macht Wahlkampf für Fabian Gramling, CDU-Bundestagskandidat des Wahlkreises Neckar-Zaber. 16 Tage vor der Wahl ist es am Freitagnachmittag seine Aufgabe, Optimismus zu verbreiten, auch wenn die Umfragewerte wenig Anlass dazu geben. "Die Stimmung am Wahlkampfstand ist besser als die Umfragen. Man muss jetzt nochmal die Ärmel hochkrempeln", findet Gramling.

Konkurrenztermin in Heilbronn

Beim Termin in der Leintalstadt sind die Christdemokraten fast unter sich: Nur sieben Gäste, einige darunter von der Leingartener CDU. Dass es so wenige sind, liegt vielleicht an der Uhrzeit. Aber auch daran, dass Friedrich Merz fast zeitgleich in Heilbronn auftritt. Eine Stunde später als angekündigt, stößt deshalb Thomas Strobl auf die kleine Runde: "Merz ist viermal in Baden-Württemberg. Ich wollte ihm wenigstens einmal Hallo sagen." Es sei schön, "dass wir ein Team mit guten Leuten haben". Spielführer Armin Laschet habe "gute Spieler: Merz, Gramling und viele andere", so der stellvertretende Ministerpräsident des Landes.

Gramling sei ein wirklich toller Kandidat. "Jemand, der innovativ denkt." Nach fünf Jahren im Landtag kenne der 34-Jährige das parlamentarische Geschäft. "Aber das wichtigste ist, dass er ein feiner Kerl ist", erklärt Strobl. Die Bundestagswahl am 26. September sei eine Richtungswahl, sind sich die beiden Wahlkämpfer einig und sparen nicht mit Seitenhieben auf die politischen Gegner. "Die Welt schaut nach Deutschland", sagt Strobl. Das sei vielen gar nicht bewusst. Zuletzt sei die Wahl des US-Präsidenten international so beachtet worden.

Olaf Scholz als "Trojanisches Pferd"

Nur mit der CDU werde es keine Steuererhöhungen geben, nur sie stehe für echte innere Sicherheit. Und die CDU habe die Schuldenbremse erfunden. "Wer einen Linksruck vermeiden will, muss CDU wählen", so Strobl kämpferisch. "Wir sind eine gute Mannschaft. Scholz kommt als trojanisches Pferd. Nach der Wahl sind alle wieder da: Esken, Borjans, Kühnert."

In der kleinen Runde in Leingarten geht es aber auch um Armin Laschet. "Mit unter 20 Prozent sind wir ein Sanierungsfall", bedauert CDU-Stadtrat Thilo Klar. Mit Söder als Kanzlerkandidat hätte man "sehr wahrscheinlich bessere Karten gehabt". Sein Fraktionskollege Matthias Hampel kennt als Schornsteinfeger "jedes Haus". Laschet sei der Hauptgrund, dass viele die CDU nicht wollen, hat Hampel einen Trend festgestellt.

Der Wähler entscheidet

Ihm wäre Friedrich Merz auch lieber gewesen, aber jetzt unterstütze er Armin Laschet, betont Strobl. Von der "Umfrageritis" hat er genug. "In einer Demokratie entscheiden nicht Demoskopen, sondern der Wähler." Fabian Gramling ist dafür, Laschet eine Chance zu geben: "Damit er sich beweisen kann."

 

Claudia Kostner

Claudia Kostner

Autorin

Claudia Kostner ist seit 1996 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Der gebürtigen Heilbronnerin liegt die Region am Herzen. Sie berichtet hauptsächlich aus Zabergäu und Leintal, aber auch über die Volkshochschule Unterland.

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