Übernahmekampf von R. Stahl geht weiter

Waldenburg  Während sich Martin Schomaker, der Vorstandschef der Waldenburger, im Interview zuversichtlich gibt, erhebt eine Beteiligungsgesellschaft aus Köln Vorwürfe gegen das R. Stahl-Management und die Familienaktionäre: Der Erwerb eigener Aktien verstoße gegen das Gesetz.

Von Manfred Stockburger
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Vorstandschef Martin Schomaker ist glücklich mit der aktuellen Aktionärsstruktur und hat das Thema Weidmüller offenbar bereits abgehakt: "Die Familienaktionäre wollen nicht verkaufen und auch keinen strategischen Partner."

Foto: R. Stahl

Die Börse hat auf die Erhöhung des Weidmüller-Angebots auf 50 Euro je R.Stahl-Aktie vergangene Woche bisher wenig euphorisch reagiert. Entsprechend siegessicher gibt sich R.Stahl-Vorstandschef Martin Schomaker im Interview. Derweil erhebt eine Beteiligungsgesellschaft aus Köln Vorwürfe gegen das R. Stahl-Management und die Familienaktionäre: Der Erwerb eigener Aktien verstoße gegen das Wertpapierübernahmegesetz.

Herr Schomaker, kann man denn schon gratulieren?

Martin Schomaker: Wozu?

Zur abgewehrten Übernahme durch Weidmüller...

Schomaker: Das Angebot läuft ja noch bis zum 1. Juli, und die Fairness gegenüber den Aktionären gebietet es, dass man noch abwartet. Aber aus meiner Sicht hat sich das Thema bereits jetzt erledigt.

Einige Aktionäre außerhalb der Familie haben versucht, ein Gespräch zwischen Ihnen und Weidmüller-Chef Peter Köhler zustande zu bringen. Das haben Sie abgelehnt. Wie gehen Sie jetzt auf ihre Aktionäre zu?

Schomaker: Wir sind mit den institutionellen Anlegern immer im Gespräch gewesen. Ich habe nach der Hauptversammlung mit allen telefoniert, die kritische Fragen gestellt haben. Im Grundsatz sind alle langfristig an R. Stahl interessiert.

Und das Gesprächsangebot?

Schomaker: Es gab mehrfach Gesprächsangebote von unserer Seite, eines nach der Hauptversammlung, bei der sich die Familie klar ablehnend geäußert hatte, persönlich an Dr. Köhler. Da wollte ich mit ihm klären, wie beide Seiten gesichtswahrend aus der Sache herauskommen können. Das hat er abgelehnt. Einen Termin auf Anregung institutioneller Investoren haben wir abgesagt, weil Weidmüller nur darüber reden wollte, wie sie die Mehrheit erreichen können. Wenn es bei einem Termin nur darum geht ein Ziel durchzusetzen, das für uns nicht infrage kommt, gehen wir nicht hin.

Wenn man Äußerungen der Familie hört, könnte man meinen, dass Weidmüller eine Heuschrecke wäre. Die sind aber doch eine bodenständige Firma wie R. Stahl auch.

Schomaker: Die Emotionen kommen aus dem Prozess: Die Firma Weidmüller hatte im März der Familie schon einmal den Vorschlag über 50 Euro je Aktie unterbreitet. Die Familie hat einstimmig beschlossen, dass sie nicht veräußern möchte. Weidmüller hat sich über die Vorstellung des Mehrheitsaktionärs einfach hinweggesetzt. Weidmüller wird die Familie nicht knacken.

Wäre die Antwort anders, wenn Phoenix Contact anklopfen würde?

Schomaker: Wir arbeiten gerne mit Phoenix zusammen, aber an der Ablehnung würde sich nichts ändern. Phoenix ist ein sehr gutes Unternehmen, aber die Familienaktionäre wollen nicht verkaufen und sie wollen auch keinen strategischen Partner.

Unabhängig wie die Geschichte ausgeht: Die Aktionärsstruktur hat sich schon jetzt grundlegend verändert. Die neuen Aktionäre haben ihre Anteile zu 45 Euro gekauft. Ihre Arbeit wird dadurch nicht angenehmer.

Schomaker: In einer solchen Situation treten immer Fonds als Aktionäre ein, die daraus spekulativen Gewinn ziehen wollen. Wir hatten aber relativ wenig Bewegung, weil der Kapitalmarkt realisiert hat, dass mit dem Angebot etwas nicht stimmt, wenn der Mehrheitsaktionär sich so klar dagegen formuliert. Auch auf die Erhöhung des Angebots hat die Börse nicht reagiert.

Ihre neuen Aktionäre möchten aber Geld verdienen mit Aktien, die sie zu 45 Euro gekauft haben.

Schomaker: Das ist richtig. Aber wenn die kurzfristige Spekulation nicht gelingt, dann werden sie eben mittelfristig ihre Erwartung umsetzen. Analysten sehen den Wert der Aktie ja bei 52 oder 54 Euro.

Vergleicht man die die Entwicklung der Stahl-Aktie mit regionalen Werten wie Bechtle oder die Kolbenschmidt-Mutter Rheinmetall, dann haben diese Werte sich ohne feindliches Angebot besser entwickelt.

Schomaker: Im Vergleich zum S-Dax war R. Stahl im letzten Jahr deutlich besser. Die Aktie hat eine starke Volatilität und auch schwächere Phasen. Aber unsere Leistung wird von der Kursentwicklung honoriert.

Wenn die Familie auf der Mehrheit besteht, dann beschneidet das Ihre strategischen Möglichkeiten. Wünschen Sie sich manchmal, dass die Familie nur 40 Prozent hätte oder 35?

Schomaker: Ich bin froh, dass die Familie über 50 Prozent hält. Denken Sie etwa an 2009: Noch bevor die Krise bei uns ankam, haben wir gesagt, dass wir keine Leute entlassen. Ohne die Familie hätten wir das nicht durchstehen können. Dafür brauchen sie eine Mehrheit, die nicht angreifbar ist.

Sind Ihre Wachstumsmöglichkeiten nicht beschränkt, weil Sie etwa keine Kapitalerhöhung machen können?

Schomaker: Wir haben unseren Umsatz in den letzten acht Jahren verdoppelt. Da sieht man, dass unser Wachstum nicht behindert wird. Dennoch werden wir sicherlich mit der Familie in die Diskussion kommen, wie wir die Stabilität der Familie und die Nutzung des Kapitalmarktes miteinander verbinden können.

Das nötige Wachstum aus eigner Kraft zu schaffen, ist dennoch eine Herausforderung...

Schomaker: Unsere operative Marge liegt bei acht Prozent. Wir haben unser Investitionsprogramm im Wesentlichen aus dem Free Cashflow finanziert. Ab 2015 werden wir pro Jahr mehr als 20 Millionen Euro zur Verfügung haben. Dieses Geld können wir etwa für Akquisitionen einsetzen. Auch für größere Zukäufe gibt es Möglichkeiten. Die Familie ist ja nicht inflexibel, sie legt nur Wert auf ihren Mehrheitsanteil.
 

Was bisher geschah 

Die Detmolder Weidmüller-Gruppe möchte die R. Stahl AG übernehmen und hat am 20. Mai ein formelles Angebot an alle Aktionäre veröffentlicht und die Offerte vergangene Woche auf 50 Euro pro Aktie erhöht, was einem Gesamtvolumen von 320 Millionen Euro entspricht. Vergangenes Jahr erwirtschaftete R. Stahl einen Umsatz von gut 300 Millionen Euro. Alleine in Waldenburg beschäftigt die Firma, die Schalter und Systeme herstellt, die in explosionsgefährdeten Bereichen wie Chemiefabriken oder Bohrinseln eingesetzt werden können, 1000 Mitarbeiter. Weidmüller setzte zuletzt 640 Millionen Euro um.

Die Nachkommen des Firmengründers Rafael Stahl, die 51 Prozent der Aktien halten, lehnen das Übernahmeangebot ab. Weidmüller hat wiederum zur Bedingung gemacht, dass mehr als 50 Prozent der Aktien angeboten werden. Die Annahmefrist läuft am 1. Juli ab, bislang hat Weidmüller Zusagen über 1,52 Prozent eingesammelt.

R. Stahl-Vorstandschef Martin Schomaker ist Jahrgang 1956 und kam 1991 zum Unternehmen. 1995 wurde er in den Vorstand berufen, seit 2002 ist er Vorstandschef. 


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