Sofas und dynamische Hierarchien im Betrieb

Region  Die Beraterin Lena Schiller Clausen berichtet über die Folgen des Einstiegs der Generation Y ins Berufsleben.

Von unserem Redakteur Manfred Stockburger

Sofas und dynamische Hierarchien im Betrieb

Lena Schiller Clausen (links am Tisch) im Betahaus in Hamburg, das sie mitgegründet hat. Dort werden neue Formen der Zusammenarbeit gelebt.

Foto: dpa

Sie war einmal eine artige Studentin der Politikwissenschaft und auf gutem Weg, eine ganz normale Konzernkarriere zu machen - Unternehmenskommunikation. Dann ist alles anders gekommen, als Lena Schiller Clausen in Hamburg über ein Projekt stolperte, in dem junge Menschen einfach so zusammen arbeiteten.

Außer Sofas, Kaffee und einem Internetzugang gab es dort keine Infrastruktur, erzählt die Unternehmerin, die beim Deutschen Arbeitsmarktforum am 30. Oktober in Neckarsulm sprechen wird. "Aber das war cool." So cool, dass sie sich ebenfalls auf den Weg machte, neue Arbeitsformen zu ergründen. Und selbst eine eigene Firma gründete: das Betahaus in Hamburg, das im Prinzip ein Coworking-Treff mit ein bisschen mehr Struktur und Professionalität ist.

1980 geboren zählt Lena Schiller Clausen zur sogenannten Generation Y, die Personalverantwortlichen in klassischen Unternehmen oft Schrecken einflößen. Sie ist Teil der Gründerszene in Hamburg, aber sieht sich als Unternehmensberaterin auch in einer Brückenfunktion zwischen den jungen Wilden und der etablierten Wirtschaft. "Startups sind nicht alle toll", sagt sie, "und Konzerne sind nicht alle doof." Und doch habe die Generation Y mit ihrem urbanen Lifestyle und den unkonventionellen Vorstellungen vom Arbeitsleben normalen Unternehmen etwas zu bieten.

Begriffserklärung

Als Generation Y werden die Jahrgänge von 1977 bis 1998 bezeichnet. Sie gilt als gut ausgebildet, technologieaffin. Wichtiger als Status ist ihr Freude an der Arbeit und Suche nach dem Sinn.

Persönlichkeit

Ihre Generation habe gelernt, nachdem die Elterngeneration mit Effizienz alles erreicht habe, dass sie sich ganz intensiv auf ihre Persönlichkeit und die Begabungen konzentrieren müsse. Auf das, was nicht computerisierbar ist oder nach Taiwan outgesourced werden könne. "Wir wollen so sein wie das Internet: offen, vernetzt, demokratisch, ohne Hierarchien." Wobei sie nachschiebt, dass Strukturen und Hierarchien natürlich nötig seien, wenn die Zusammenarbeit nicht im Chaos enden soll. Aber eben "dynamische Hierarchien", die sich nicht an Berufsjahren oder Visitenkarten festmachen, sondern an Kompetenz.

In ihrem Buch "New Business Order" hat sie eigene Geschichte zu Papier gebracht - und spürt der Frage nach, welche neue Weltordnung der Wirtschaft sich durch neue Geschäftsmodelle wie Share Economy verändern wird. Also durch Geschäftsmodelle wie Carsharing oder die Internetplattform Airbnb, auf der Privatleute Zimmer oder Wohnungen vermieten können, wenn sie diese selbst gerade nicht benötigen.

Steter Wandel

Als Beispiel für die radikale Veränderung eines Marktes durch neue Ideen nennt sie den Wandel der Musikbranche von der CD über die illegale Tauschplattform Napster, den legalen Download-Service iTunes von Apple, bei dem Musik digital verkauft wird, zum Streaming-Dienstleister Spotify, bei dem man Musik hören kann ohne sie zu besitzen, und den Service per Flatrate bezahlt. "Dadurch ist wieder eine ganz neue Musikkultur entstanden", freut sie sich.

Beim Arbeitsmarktforum widmet sie sich unter der Überschrift "Transformation wider Willen?" den Folgen der Ankunft der Generation Y im Mittelstand. Und den Chancen, die sich aus der Reibung zwischen den Generationen ergeben - mit durchaus offenen Ausgang: "Meine Eltern haben sich an der Studentenrevolte beteiligt, sind aber doch selber Professor geworden", sagt sie. "Mal sehen, ob aus uns nicht auch irgendwann langweilige Manager werden." Oder eben doch nicht, denn die ökonomischen Rahmenbedingungen verändern sich durch das Internet grundlegend. In dieser Welt ist Generation Y zuhause.

Arbeitsmarktforum

Zum vierten Mal findet am Freitag, 30. Oktober, im Audi-Forum Neckarsulm das Deutsche Arbeitsmarktforum statt. Der Fachkongress richtet sich an Geschäftsführer und Personalchefs und widmet sich wichtigen Fragestellungen rund um die Zukunft der Arbeitswelt. Die Heilbronner Stimme ist Medienpartner.

Ausgerichtet wird das Forum vom Schwäbisch Haller Personaldienstleister Bera und der German Graduate School of Management and Law (GGS). Weitere Informationen und Anmeldung zum Frühbucherpreis von 390 Euro unter www.arbeitsmarktforum.com. red