Schwarz-Gruppe pumpt Milliarden ins Wachstum

Neckarsulm  Mit Siebenmeilenstiefeln steuert die Schwarz-Gruppe auf den nächsten Umsatzmeilenstein von 100 Milliarden Euro zu. Im Geschäftsjahr 2018/19 möchten Klaus Gehrig und sein Team die Marke knacken. Eine hohe Investitionsquote soll Lidl und Kaufland dabei auf Kurs halten.

Von Manfred Stockburger
Schwarz-Gruppe pumpt Milliarden ins Wachstum
Jesper Hojer (Lidl). Foto: Lidl

Im laufenden Geschäftsjahr wird der Umsatzbeitrag der neuen Landesgesellschaft in den Vereinigten Staaten noch überschaubar sein - wie berichtet stehen die ersten Filialen Mitte Juni zur Eröffnung an, erst im Sommer 2018 soll dann die Marke von 100 Filialen erreicht werden. 95 Milliarden Euro möchte der viertgrößte Händler der Welt dieses Jahr erwirtschaften.

Im Geschäftsjahr 2016/17, das bis Ende Februar dauerte, packten Lidl und Kaufland zusammengenommen 4,5 Milliarden Euro auf den Vorjahresumsatz, was einer Steigerung von 5,3 Prozent auf 90,2 Milliarden Euro entspricht. 2015/16 hatte der Zuwachs allerdings noch acht Prozent betragen. Bei der Zahl handle es sich um den Nettoumsatz der Filialen und der Internetshops, erklärt Finanzchef Andreas Strähle. Pachterlöse und Ähnliches seien in diesem Wert nicht mitgerechnet.

Brexit kostet Wachstum und Ergebnis

Schwarz-Gruppe pumpt Milliarden ins Wachstum
Gerd Chrzanowski (Schwarz Zentrale Dienste). Foto: Lidl

Ohne den Einbruch des britischen Pfundes nach dem Brexit-Votum wäre das Wachstum um einen knappen Prozentpunkt kräftiger ausgefallen. "Das hat uns 800 Millionen Euro gekostet", beziffert Klaus Gehrig den Ausfall. "Das war schon kräftig."

Trotz der Investitionen unter anderem in die Reorganisation der Gruppe, in den US-Marktstart und trotz der Wechselkursthematik sei das Ergebnis parallel zum Umsatz gewachsen, betont Klaus Gehrig. "Die Banken sind zufrieden", beantwortet er die Frage nach der Höhe des Gewinns. Kredite brauche man lediglich zur Finanzierung des Immobilienbestands - die Schwarz-Gruppe hält ihre 11.463 Filialen (plus 213) vorzugsweise im eigenen Bestand.

Kaufland wächst im Inland kaum

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Patrick Kaudewitz (Kaufland). Foto: Kaufland

Wachstumsmotor in der Gruppe war einmal mehr Lidl. Der seit Februar von Jesper Hojer geleitete Unternehmensteil steigerte den Wert der verkauften Waren um 6,2 Prozent auf 68,6 Milliarden Euro. Lidl Deutschland als größte Einzelgesellschaft der Schwarz-Gruppe landete mit einem Umsatzplus von 5,7 Prozent 400 Millionen über der 20-Milliarden-Euro Marke.

Bei Kaufland waren die osteuropäischen Auslandsgesellschaften die Wachstumsmotoren, während Kaufland Deutschland mit einem Plus von 0,7 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro mehr oder weniger auf der Stelle trat.

Gehrig und Kaufland-Chef Patrick Kaudewitz erklären dies mit der Umgestaltung des Sortiments, die im vergangenen Jahr Umsatz gekostet habe. "Die Entwicklung entsprach unseren Erwartungen." Dank der Auslandsgesellschaften erreichte das Kaufland-Wachstum einen Wert von 2,4 Prozent auf 21,6 Milliarden Euro.

Mitarbeiterzuwachs kommt aus dem Ausland

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Andreas Strähle (Schwarz Dienstleistungen). Foto: Schwarz-Gruppe

Mit Rekordinvestitionen von sieben Milliarden Euro treibt die Unternehmensgruppe die Expansion im laufenden Geschäftsjahr weiter voran. Ein Schwerpunkt ist unverändert der kostenintensive Ausbau des US-Geschäfts von Lidl, mit Serbien steht aber zugleich noch der Marktstart in einem weiteren Land vor der Tür.

Bis Kaufland die ersten Türen in Australien eröffnen wird, wird noch etwas mehr Zeit vergehen. Auch dort ist das Unternehmen derzeit damit beschäftigt, Immobilien zu sichern und ein lokales Team aufzubauen. In der Region werde die Gruppe in den nächsten Jahren eine halbe Milliarden Euro in neue Bürogebäude investieren, kündigt Gerd Chrzanowski an, der als Vorstandschef die Schwarz Zentralen Dienste verantwortet.

Die Zahl der Beschäftigten ist durch 15.000 neue Stellen im Ausland auf 390.000 gestiegen. Zumindest in der Region soll es kein weiteres Plus geben: Die verstärkte Zusammenarbeit soll die Gruppe effizienter machen.

 

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