Lieferservice von Kaufland in Berlin: Unerwartet hohe Nachfrage

Berlin/Region  Um den Lieferservice von Kaufland in der Hauptstadt umzusetzen, mussten bereits zusätzliche Fahrer eingestellt werden.

Von unserem Redakteur Manfred Stockburger
Mehr Logistikzentrum als klassischer Einkaufsmarkt - der Dark Store. Foto: Kaufland

Vom Erfolg überrascht wurde Kaufland beim Start des Lieferservice in Berlin. "Die Nachfrage liegt weit über unseren kühnsten Annahmen, so dass wir jetzt bereits auf 600 Auslieferungen pro Tag laufen", sagt Geschäftsführer Jörg Ossenberg-Engels. Um der Nachfrage Herr werden zu können, hat das Unternehmen bereits 20 zusätzliche Fahrer eingestellt, die mit 45 Fahrzeugen die Kunden in der Hauptstadt beliefern - dabei haben die Neckarsulmer bislang kaum Werbung gemacht.

"Die Strahlkraft der Marke und der Bedarf in Berlin sind einfach gigantisch", sagt Ossenberg-Engels. So dass es trotz aller Vorbereitung zu Engpässen im Terminkalender kommt - lange Gesichter bei den Kunden inklusive. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, kurzfristig alle Bedarfe zu befriedigen", sagt der Geschäftsführer.

Schon davor stand das Team der Kaufland Omnichannel International GmbH, die für den Lieferservice verantwortlich zeichnet, unter Strom: Angeführt von Ossenberg-Engels und seinem nicht minder energiegeladenen Geschäftsführungskollegen Marcus Rodermann haben sie das Konzept in weniger als einem Jahr aus dem Boden gestampft. Ossenberg-Engels kam von Metro zu Kaufland. Rodermann bringt IT-Erfahrung von Payback mit und Versandhandels-Knowhow von einer Tochter der Otto-Group mit.

Waren liegen nicht in der Filiale

Kaufland drückt aufs Tempo

Kern ist ein sogenannter Dark Store: Die Online-Warenkörbe werden nicht in den normalen Filialen gefüllt, sondern in einem Lager. Das sorgt für Effizienz. Der Preis ist aber gleich wie in der Filiale, betont Ossenberg-Engels, der mit dem Angebot ganz bewusst auch Kunden erreichen möchte, die auf besondere Qualität Wert legen - etwa beim Reifegrad einer Mango.

Ein weiterer Vorteil: Juristisch gesehen ist das eine Logistikhalle und keine Einzelhandelsfläche, was die Genehmigung neuer Standorte deutlich erleichtert. Ossenberg-Engels und Rodermann erklären, dass die Neckarsulmer mit ausschließlich eigenen Fahrern und eigenen Autos unterwegs sind. Die Berliner Kunden kommen aus allen Bereichen der Stadt: Aus dem Prenzlauer Berg genauso wie aus Treptow oder Tempelhof. Eines eint die Besteller: Die meisten nutzen zwischen 22 und 23 Uhr Smartphone oder Rechner, um ihre Einkaufsliste einzugeben. "Und 60 Prozent wollen, dass wir am nächsten Tag vor der Tür stehen."

Fahrzeuge aus eigener Entwicklung

Ausgefahren wird die Ware mit speziellen Fahrzeugen, die die Neckarsulmer eigens entwickeln ließen - und dabei jedes unnötige Gramm weggespart haben. "Das ist wie im Rennsport. Wir wollten da keine Kompromisse machen." Denn nicht das Volumen, sondern das Gewicht ist der limitierende Faktor, wenn Getränke, Obst und die übrigen rund 10.000 Artikel auf den Weg zu den Kunden gebracht werden. An die 20 Großeinkäufe passen in die Spezialfahrzeuge hinein.

Viele Kunden haben bereits mehrfach bestellt, betont Rodermann: "Hungrig werde ich jede Woche." Fünf ist für ihn die magische Zahl. Nach so vielen Bestellungen werde man zum Stammkunden. Und es kommen auch neue hinzu. "Die rennen uns die Hütte ein." Mit allen Folgen, was die Lieferfähigkeit angeht.

Bis es den Kaufland-Lieferdienst auch in der Region gibt, wird es noch dauern. "Ideen und Fantasie haben wir genug", sagt Ossenberg. Zunächst ist nach Berlin aber Hamburg an der Reihe. Dass sie die Filialen einst ersetzen könnten, glauben die Geschäftsführer indes nicht. "Wenn wir einen Marktanteil von zehn Prozent haben, dann bleiben für das stationäre Geschäft immer noch 90 Prozent übrig." Beim Kaufland-Deutschland-Umsatz von gut 13 Milliarden Euro sind aber auch zehn Prozent eine nennenswerte Größe.

 

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