Lieferservice in Berlin: Kaufland bringt's

Neckarsulm  Im Netz Lebensmittel bestellen, die bis nach Hause geliefert werden: Das bietet Kaufland nun an - zumindest in Berlin.

Von unserem Redakteur Manfred Stockburger
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Screenshot: HSt

Am Mittwoch ist es exakt ein Jahr her, dass Patrick Kaudewitz bei Kaufland den Vorstandsvorsitz bei Kaufland übernommen hat. Nun wird ein wichtiges Element der Zukunft sichtbar, die er dem Großflächenhändler geben möchte - jedenfalls in Berlin. Das Unternehmen hat die Bundeshauptstadt als Testmarkt für seinen Lieferservice auserkoren. Weitere Regionen sollen folgen.

Ab 6. Oktober können sich die Kunden Obst und Gemüse, Tiefkühlpizza, Getränke, Windeln, Putzmittel und Bürobedarf nach Hause liefern lassen. Nicht das komplette Sortiment steht zur Auswahl, aber immerhin 8500 Artikel.

Sortiment

Eine Banane gibt es für 25 Cent, den Liter "Mark Brandenburg"-Milch für 99 Cent. Ein 15-jähriger "Glenfarclas"-Whisky ist mit 47,99 Euro pro Flasche der hochpreisigste Artikel im Sortiment, am anderen Ende der Preisskala findet sich Vanillin-Zucker für 17 Cent. Die Preise unterscheiden sich nicht von denen, die in den Filialen verlangt werden, heißt es.

Service

Kaufland-Mitarbeiter arbeiten die online übermittelten Einkaufslisten der Kunden in einer speziellen, nicht öffentlichen Filiale ab und stellen die Ware mit Kühlfahrzeugen zu. Der Liefertermin kann montags bis samstags jeweils von 7 bis 22 Uhr in einstündigen Fenstern gewählt werden. Geliefert wird die Ware - einschließlich Getränkekisten - bis an die Wohnungstüre.

Der Mindestbestellwert beträgt 40 Euro. Ab 100 Euro Warenwert ist die Zustellung kostenlos, darunter gibt es eine Preisstaffel zwischen 2,90, und 4,90 Euro, ab der dritten Getränkekiste wird ein Zuschlag von 1,50 Euro je Kiste berechnet. Bestellungen, die vor Mitternacht eingehen, können ab 7 Uhr am Folgetag ausgeliefert werden, wer vormittags zum Hörer oder Smartphone greift, bekommt die Ware am selben Tag zugestellt. Bezahlen kann man per Kreditkarte, Paypal, Lastschrift oder auf Rechnung.

Nachdem die Großflächensparte der Schwarz-Gruppe in den vergangenen Jahren offline wie online zurückgefallen war, schalten die Neckarsulmer jetzt wieder auf Angriff. Noch, so heißt es beim Unternehmen, sei das Online-Geschäft mit Lebensmitteln in Deutschland gering. Kaufland hat bei er Entscheidung für die strategische Offensive den Blick aber auch ins europäische Ausland gerichtet. Dort liege der Marktanteil von Online-Händlern in Ballungszentren bereits bei bis zu sechs Prozent. Mehr als jeder zweite Filialkunde in deutschen Ballungszentren, so hat die hauseigene Marktforschung ergeben, möchten den Einkauf über einen Online-Shop ausprobieren. Das Angebot müsse aber so breit und frisch sein, dass die Lieferung den kompletten Wocheneinkauf ersetzen kann, hätte die Kundenbefragung ergeben.

Eigene Firma

Ein knappes Jahr lang haben die Mitarbeiter der eigens gegründeten Firma Kaufland Omnichannel International an dem neuen Dienstleistungsangebot getüftelt. Laut "Lebensmittelzeitung" haben die Neckarsulmer auch einen Manager des Onlineportals Zalando an Bord genommen, das den Bekleidungshandel das Fürchten lehrt. Wer den Stellenmarkt studiert, stellt schnell fest, dass die Omnichannel GmbH weiterhin kräftig wächst.

Die bundesweit 656 Kaufland-Filialen - etwa 30 von ihnen sind in Berlin - sollen aber nicht ersetzt werden, sondern ergänzt, wie es bei Kaufland heißt. Jede einzelne soll modernisiert werden, hat Patrick Kaudewitz im Gespräch mit der Stimme angekündigt, nicht nur das Online-Angebot ausgebaut.