Hannover Messe: Lauffener Firma Schunk ausgezeichnet

Hannover/Region  Mit dem traditionellen Rundgang von Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Montag die Hannover Messe für Besucher begonnen. Ein Unternehmen aus der Region schaute sich die Kanzlerin genauer an.

Von Manfred Stockburger

Herzklopfen inklusive

Henrik Schunk (rechts) erklärt Angela Merkel beim Eröffnungsrundgang in Hannover, was der neuartige Greifer ermöglicht: Dass Menschen und Maschinen Hand in Hand zusammenarbeiten.

Foto: Manfred Stockburger

Erst der Hermes-Award, dann schaut auch noch die Kanzlerin vorbei. "Da schlägt einem das Herz schon höher", sagt Kristina Schunk, die das Lauffener Familienunternehmen gemeinsam mit ihrem Bruder Henrik führt. So aufgeregt sei er sein ganzes Leben noch nicht gewesen, wie in den Minuten vor dem Kurzbesuch Angela Merkels am Messestand, zitiert die Chefin einen ihrer Ingenieure. Und fügt dann hinzu: "Ich auch."

Schon morgens früh um sechs mussten die Schunks am Montag vor Ort sein bei der Sicherheitsabnahme des Stands in der Automatisierungshalle 17, der Aufwand ist enorm. Gut fünf Minuten bekommt der Lauffener Spann- und Greiftechnikspezialist dafür Zeit, sich im besten Rampenlicht zu präsentieren.

Henrik Schunk erklärt Merkel den ausgezeichneten Robotergreifer, der es möglich machen soll, dass Menschen und Maschinen künftig direkt zusammenarbeiten, ohne dass es zu Unfällen kommt: Er ist mit Sensoren ausgestattet, die erkennen, wenn sie dem Kollegen aus Fleisch und Blut zu nahe kommen würde. Angela Merkel probiert"s gleich aus und reicht dem Vorzeigeroboter aus Lauffen die Hand. "Wer sind Ihre Kunden?", will die Physikerin, die mit Technik offensichtlich Spaß hat, vom Unternehmer wissen. Dass sich am Dienstag ein Automobilvorstand angesagt hat, lässt Schunk auf große Aufträge hoffen.

Suche nach der optimalen Produktivität

"Das ist ein Produkt für die Zukunft", erklärt der Chef. Die direkte Kooperation von Menschen und Robotern werde zunehmen, ist er überzeugt. "Um die optimale Produktivität herauszuholen." Und dabei Flexibilität zu erreichen.

Auch im eigenen Unternehmen ist die Digitalisierung eine große Herausforderung", sagt Kristina Schunk. "Wo geht die Reise hin? Und wo bekomme ich die brillanten Köpfe her, die ich dafür brauche? Das bereitet der fürs Kaufmännische, Personal und Organisation Zuständigen ein bisschen Kopfzerbrechen. Muss der Mittelständler seine Organisation auch verändern, wenn große Maschinenhersteller das tun?

Die Geschäfte laufen gut

Zugleich staunt sie begeistert über das, was die Produkte können. "Es ist sehr spannend, weil die Kunden gerade auch nicht schlauer sind als wir." Umso wichtiger ist es zu schauen, was die Hallennachbarn zu bieten haben − Roboterhersteller und andere Firmen, die an der komplexen Wertschöpfungskette der Automatisierung beteiligt sind. "Auch die ganz Großen kommen jetzt auf uns Mittelständler zu", sagt Henrik Schunk. "Das war vor zwei Jahren noch nicht so."

Herzklopfen inklusive

Auch bei Ziehl-Abegg schauten Merkel und ihre Amtskollegin Beata Szydlo (l.) vorbei. Die Firma zeigt ein deutsch-polnisches Gemeinschaftprojekt.

Foto: Ziehl-Abegg

Die Geschäfte laufen auf alle Fälle bestens in Lauffen und Brackenheim-Hausen, wo Schunk ebenfalls einen großen Standort hat. "Dieses Jahr werden wir erstmals mehr als 3000 Mitarbeiter beschäftigen", sagt Kristina Schunk. Und der Umsatz soll von zuletzt 400 Millionen Euro "gut zweistellig wachsen", ergänzt ihr Bruder. Aus allen Märkten kämen zurzeit Aufträge: "Es läuft sehr gut". Diese Einschätzung deckt sich auch mit dem, was andere am ersten Messetag berichten. Oft läuft der Hannover-Montag langsam an, dieses Jahr sind die Gänge schnell gut gefüllt, auch in Halle 4, wo die Heilbronner IHK ihren Gemeinschaftsstand hat.

Ein besonderer Tag für alle 

Die Freude über Award und Besuch ist bei Henrik und Kristina Schunk auch am Nachmittag noch greifbar. Wie besonders der Tag für alle Beteiligten ist, wird an Jens Lehmann deutlich. Normalerweise zieht der ehemalige Nationaltorwart und heutige Schunk-Markenbotschafter bei solchen Gelegenheiten die größte Aufmerksamkeit auf sich. Als die Kanzlerin vorbeigeht, ist er es, der sie anspricht − er kennt sie schließlich aus seinem alten Job und ihren Besuchen in der Kabine.