Erfolgreicher Unternehmer dank Bogenschießen

Jagsthausen  Jochem Vogt hat vor neun Jahren ein Outdoor-Start-Up gegründet. Mit seiner Firma Ox-Bow bietet er Kurse und Seminare rund um intuitives Bogenschießen an. Das boomt. Zum Beispiel bei Managern oder bei Menschen, die einfach mal abschalten wollen.

Von Heiko Fritze

Aus dem Bauch heraus
Jochem Vogt beim Bogenschießen. Foto: privat

Der Firmensitz: hoch über dem Jagsttal, 500 Meter von der nächsten Kreisstraße entfernt. Getreidefelder wiegen sich im Wind, Streuobstbäume säumen die Wege. Auf dem Stolzenhof kommt einem auch schon mal ein großer, weißer Hund entgegen.

Hier, auf dem Besitz des Barons von Berlichingen, hat sich vor zehn Jahren Jochem Vogt mit seiner Familie niedergelassen. Damals war der gebürtige Aschaffenburger noch im Tourismusmanagement in Stuttgart tätig. "Meine Frau und ich sind keine Stadtmenschen", erzählt der 56-Jährige. Lieber fuhren sie lange zur Arbeit − und hatten nach Feierabend die schöne Landschaft um sich herum.

Bogenschießen wie seit 25.000 Jahren

Jochem Vogt hat aber noch ein Hobby: Schon seit gut 25 Jahren ist er begeisterter intuitiver Bogenschütze. "Es gibt zwei Arten von Bogenschießen", erläutert er: Das olympische setze auf Technik und messe millimetergenau die Treffer. Und das intuitive ist die uralte Form, die auf durch vielfaches Training verinnerlichten Bewegungsabläufen beruhe − wie Radfahren, Schwimmen oder Autofahren. "So wie es die Menschheit seit 25.000 Jahren ausübt."

Freilich, Jochem Vogt geht nicht auf die Jagd. Sein 3D-Parcours, fünf Kilometer lang oberhalb von Jagsthausen angelegt, lockt aber dennoch mittlerweile 3500 Besucher im Jahr an. Mehr als drei Stunden brauchen Besucher für die Strecke, auf der sie immer wieder auf Figuren schießen können. Intuitiv, ohne langes Zielen. Und dieses urtümliche Bogenschießen boomt: als Ausgleich zum hektischen Alltag, zum Abschalten und In-sich-gehen, aber auch zur Teambildung.

Kurse sind immer wieder ausgebucht

Aus dem Bauch heraus
Dieser Steinbock aus Holz und Kork ist eines der Ziele auf dem Parcours. Foto: privat

"Der Großteil unserer Kunden sind heute Firmen", erzählt der Familienvater. Vor neun Jahren hat er seine Firma Ox-Bow gegründet, vor fünf Jahren gab er seine Festanstellung auf und widmete sich ganz dem eigenen Betrieb. Denn die Nachfrage wuchs. "Anfangs hatten wir nur Kurse bei den Volkshochschulen angeboten", erzählt er. "Die waren immer wieder ausgebucht, und diese Nachfrage zeigte uns, dass einfach großes Interesse da ist."

Zupass kam dem jungen Unternehmen, dass kurz nach dessen Gründung die große Scheune auf dem Gehöft frei wurde. Jochem Vogt mietete sie an − seitdem dient sie als Trainingshalle. "Damit sind wir wetterunabhängig. Das ist ein großer Vorteil", erklärt er.

Heute ist das große Gebäude weitgehend leergeräumt. Am einen Ende stehen ein halbes Dutzend Zielscheiben, am anderen Ende die Theke, an der sich die Teilnehmer ihre Bögen ausleihen können. Keine überzüchteten Hightech-Waffen aus Spezialwerkstoffen − Verbundholz reicht hier völlig aus.

Management-Coaching für die Intuition

Nach den Volkshochschülern entdeckten Unternehmen die Kursangebote. Gerade das Intuitive in Vogts Ansatz reizte sie. "In der heutigen, schnelllebigen Zeit müssen Manager derart schnell Entscheidungen treffen, dass sie gar keine Zeit haben, sich ausführlich zu beraten und alle Informationen einzuholen", erläutert Jochem Vogt. "Sie müssen quasi aus dem Bauch heraus entscheiden, auf ihre Intuition vertrauen − und genau das wird bei uns auch trainiert."

So waren kleine Handwerksbetriebe im Rahmen eines Betriebsausflugs ebenso schon da wie große Konzerne, die Seminare für ihre Führungskräfte buchten. Und Stück für Stück ist das Spektrum von Ox-Bow mitgewachsen.

Zwei festangestellte Mitarbeiter

Neu in diesem Jahr ist ein spezielles Management-Coaching, das Vogt zusammen mit einem regionalen Segway-Veranstalter und einem Unternehmensberater ins Leben gerufen hat. "Das ist auch ein bisschen mein persönliches Interesse", gesteht der Unternehmer. "Man merkt schnell, dass so viel mehr Potenzial in dem Thema steckt − und das Feedback zeigt, dass das der Weg ist."

Mittlerweile zählt Ox-Bow zwei Festangestellte und mehrere Honorarkräfte. Und immer mal wieder kehrt der hochgewachsene Unternehmer zu den Wurzeln des Bogenschießens zurück. Etwa, wenn er auf die Burg Stettenfels einlädt: Zur diesjährigen Bogensport-, Messermacher und Outdoor-Messe oberhalb von Untergruppenbach kamen etwa 2000 Besucher sowie Anbieter aus Deutschland und den angrenzenden Ländern. "Das überschneidet sich dann schon ein wenig mit der Mittelalter-Szene", sagt der 56-Jährige.

Mit seinen dicken Silberringen, seinen nach hinten gekämmten, dunkelblonden Haaren, seinem Ohrloch und den stahlblauen Augen würde er auch gut in diese Zeit passen. Jochem Vogt hat aber die Tradition in die heutige Zeit übertragen, neue Angebote entwickelt. Und heute kann er von sich sagen: "Ich bin im Prinzip hauptberuflicher Bogenschütze."

 

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