Case Scaglione wird neuer WKO-Chefdirigent

Heilbronn  Der Nachfolger von Ruben Gazarian ist gefunden: Neuer Chefdirigent des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn (WKO) wird der Amerikaner Case Scaglione.

Von Uwe Grosser

 

Er heißt Case Scaglione, ist Amerikaner und gilt als eines der großen Talente unter den jungen Dirigenten. Jetzt hat das Württembergische Kammerorchester Heilbronn (WKO) zugegriffen und den 34-Jährigen unter Vertrag genommen. Ab der Saison 2018/19 ist er neuer Chefdirigent des renommierten Klangkörpers und damit Nachfolger von Ruben Gazarian. Sein Vertrag läuft bis 2022.

"Heureka, wir haben ihn gefunden", zeigte sich Intendantin Madeleine Landlinger heute auf der Inselspitze bei der Vorstellung des Neuen nicht nur erleichtert, sondern höchst erfreut, dass man sich die Dienst des gebürtigen Texaners hat sichern können.

Große Wertschätzung 

Der hat das WKO bereits zweimal dirigiert und war gleich ein Fan: "Schon bei der ersten Probe fühlte ich mich sofort zu Hause." Dass er das WKO als "Weltklasseorchester mit dem Herz eines Löwen" über den grünen Klee lobt, versteht sich von selbst. Doch diese Wertschätzung beruht auf Gegenseitigkeit.

Case Scaglione wird WKO-Chefdirigent
Der neue Chefdirigent des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn mit seiner Intendantin auf dem Weg zur Inselspitze: Case Scaglione und Madeleine Landlinger. Foto: Andreas Veigel

Konstanze Felber-Faur, Stimmführerin der Zweiten Violinen und frisch gewählte Vorsitzende des Orchestervorstands, bringt es wohl am besten auf den Punkt: "Wir hingen an seinem Dirigentenstab", erzählt sie vom Konzert diesen Mai in der Stuttgarter Liederhalle: "Es war eine wahnsinnig anregende und sympathische Probenarbeit, und dann kam dieser Konzert-Klick. Er hat losgelegt, war spontan - und hat plötzlich Dinge geändert, die wir ganz anders geprobt hatten." Genau das schätzen die Musiker: dass sie gefordert werden, dass man ihnen etwas zutraut.

Knapp ein Jahr zuvor haben WKO und Scaglione schon einmal zusammengearbeitet beim Abschlusskonzert der Saison 2015/16 in der Harmonie, als Scaglione kurzfristig für den erkrankten Ruben Gazarian eingesprungen war. Ein Konzert, das mit Jubelstürmen des begeisterten Heilbronner Publikums endete.

Einstimmige Entscheidung

Vielleicht hat auch diese Reaktion dazu beigetragen, dass die Findungskommission unter der Leitung von Madeleine Landlinger sich für Case Scaglione entschieden hat. Dass am Ende die Entscheidung für den Stiftungsrat ein Leichtes war, versichert dessen Vorsitzender Ralf Peter Beitner: "Die Musiker haben einstimmig entschieden, die Findungskommission hat einstimmig entschieden und der Stiftungsrat auch."

Uneingeschränkt begeistert äußert sich auch Agnes Christner, Heilbronner Kulturbürgermeisterin: "Mit ihm haben wir einen ganz hervorragenden künstlerischen Botschafter unserer Stadt, der sicher neue Impulse setzen wird." Wohin die künstlerische Reise mit Scaglione geht, kann und will er noch nicht sagen. Nur so viel: "Das deutsche Repertoire ist am wichtigsten." Und im Zentrum sollen die originären Qualitäten als Kammerorchester stehen.

Bis 2015 war er Associated Conductor von Alan Gilbert beim New York Philharmonic, also Assistent des Chefdirigenten: "Fast jeden Tag habe ich mit ihm gearbeitet." Danach zog es ihn nach Deutschland, denn "Deutschland ist die Hauptstadt der Musik", wie er in sehr gutem Deutsch sagt, das er in nur zwei Jahren gelernt hat.

Aufgewachsen ist der Mann mit italienischen Wurzeln ("Meine Großmutter wurde aber schon in den USA geboren") in einer Familie von Geschäftsleuten. Im Alter von sieben Jahre nehmen Vater und Mutter ihn mit in die Oper "Tristan und Isolde" von Richard Wagner. Als er den Dirigenten sieht, offenbart er den Eltern: "Das ist mein Job, der Mann mit dem Zauberstab." Jetzt hat er ihn.

 

Zur Person

Geboren am 31. Juli 1982 in Houston im US-Staat Texas, lernt Case Scaglione als Jugendlicher Posaune. Später studiert er bei David Zinman an der American Academy of Conducting in Aspen/Colorado, wo er den James Colon Prize gewinnt. 2011 folgt der Dirigentenpreis der Solti Foundation US. 2011 wird er zum Associate Conductor beim New Philharmonic berufen, eine Stelle, die speziell für ihn von Chefdirigent Alan Gilbert wieder eingeführt wurde.

Seit 2015 lebt er mit seiner Frau in Berlin und gibt weltweit Gastdirigate bei Orchestern wie dem Orchestre National d’Île de France, Hong Kong Philharmonic Orchestra, New York Philharmonic, Baltimore Symphony Orchestra oder Kammerorchester Lausanne. gro