Pfaffenhofen und seine Saurier

Genau 2368 Einwohner, verteilt auf zwei Ortsteile: So gesehen ist Pfaffenhofen einfach die kleinste Kommune im Zabergäu.

Pfaffenhofen und seine Saurier
Ein wunderschöner Ausblick aufs Zabertal und interessante Informationen über die Frühgeschichte: Im „Weißen Steinbruch“ (oben) wurden Skelettreste des ältesten europäischen Dinosauriers (links oben) gefunden. Unten: Blick auf den Kelterplatz.

Genau 2368 Einwohner, verteilt auf zwei Ortsteile: So gesehen ist Pfaffenhofen einfach die kleinste Kommune im Zabergäu. Ein Dorf also, das man getrost links liegen lassen kann? Nein. Wer genauer schaut, entdeckt Besonderheiten, die Pfaffenhofen ein ganz eigenes Profil verleihen.

Oder darf der Pfaffenhofener etwa nicht stolz sein, wenn die ältesten Saurier Europas auf heimischer Markung entdeckt wurden? Der Rennweg, ein beliebter Wanderweg im Stromberg, führt an Pfaffenhofens „Weißem Steinbruch“ vorbei. Zwischen 1902 und 1914 wurde hier der Stubensandstein abgebaut. Berühmt wurde der Steinbruch durch seine Reptilien- und Amphibienfunde aus der Trias-Zeit. Kein anderer Keuper-Steinbruch weist eine vergleichbare Vielfalt an Fossilien auf. Über 200 Millionen Jahre sollen sie alt sein, das Rumpfstück des Aetosauriers oder die Skelettreste des ältesten europäischen Dinosauriers, des Sellosaurus. Vor ein paar Jahren hat die Gemeinde im Steinbruch Schautafeln aufgestellt, die den Spaziergänger über die Frühgeschichte informieren. Die Original-Funde befinden sich in den Naturkundemuseen Stuttgart und Heilbronn, Abgüsse sind im Pfaffenhofener Rathaus ausgestellt.

Unterhalb des Weißen Steinbruchs, einen guten Kilometer außerhalb des Kernorts, liegt der Rodbachhof. Der kleine Wohnplatz mit seinem Dutzend Häusern wird 793 erstmals urkundlich erwähnt. Damit gehört er nachweislich zu den ältesten Ansiedlungen im ganzen Zabergäu. In Pfaffenhofen und seinem Ortsteil Weiler an der Zaber beginnt die offizielle Geschichtsschreibung erst rund 500 Jahre später, 1279. Da tauchen die beiden Orte in Urkunden des Adeligen Konrad von Magenheim auf.

Zu einer gewissen Berühmtheit hat es Pfaffenhofen dank des Katzenbachsees gebracht. Weniger wegen dessen idyllischer Lage und der anerkannt guten Wasserqualität, sondern weil der eigentlich dem Hochwasserschutz dienende Stausee seit den 80er Jahren die Freunde der Freikörperkultur anzieht. Zwar wurde im Gemeinderat manch’ hitzige Debatte über die Nacktbadenden geführt, eine Handhabe, sie zu vertreiben, hatten die Bürgervertreter aber letztlich nicht. Vielleicht wollten sie’s auch gar nicht wirklich. „Der Katzenbachsee ist kein Freibad, sondern freie Natur, also gibt’s auch keine Anstaltsordnung“, stellt Bürgermeister Dieter Böhringer klar. Damit ist alles gesagt.

Wenn sich die Pfaffenhofener selbst charakterisieren sollten, würden sie sich wohl zuallererst als Weinbaugemeinde bezeichnen, mittendrin im Naturpark Stromberg-Heuchelberg. Die meisten der Haupt- und Nebenerwerbslandwirte betreiben Weinbau, es gibt die prämierten Weinbaubetriebe Wachtstetter und Wütherich, und auch die Weingärtnergenossenschaft Oberes Zabergäu ist noch am Ort. Allerdings mit eingeschränktem Betrieb. Abliefern können die Wengerter ihre Lemberger-, Trollinger- oder Rieslingtrauben noch, ausgebaut wird der Wein aber seit langem in der WZG in Möglingen.

Im Jahr 1972 haben sich Pfaffenhofen und der Nachbarort Weiler zu einer Gemeinde zusammengeschlossen. Dass der damalige Bürgermeister Wilhelm Widmaier in Personalunion Schultes beider Orte war, hat die Fusion sicherlich erleichtert. Denn die „Weilermer“ orientierten sich eigentlich nach Zaberfeld. Aber „Frösche“ (Pfaffenhofener) und „Schnecken“ (Weilerer) haben sich in den vergangenen Jahren ganz gut arrangiert. Dass sie ihre Spitznamen kultivieren und gemeinsam alle zwei Jahre ein Frosch- und Schneckenfest feiern, mag dafür ein Beleg sein.

Die Schienen liegen noch. Insofern könnte die alte Trasse der Zabergäubahn leicht für die Stadtbahn ins Zabergäu reaktiviert werden. Doch ob sie jemals kommt? Für Pfaffenhofen wäre sie eine Entwicklungschance, und deshalb wären die Ortsoberen wohl auch bereit, einiges Geld in die Hand zu nehmen. Andererseits: Das enge Zabertal setzt dem Wachstum natürliche Grenzen. Das Baugebiet „Gehrn“ könnte noch in Richtung Weiler erweitert werden, aber momentan reicht es der Gemeinde, wenn die „Kreuzwiesen“ nach und nach bebaut werden - und wenn es gelingt, die Baulücken in Weiler mit Hilfe eines Dorfentwicklungsprogramms zu schließen. Moderates Wachstum heißt das Stichwort. Nur die Infrastruktur nicht überfordern.

Die ist einigermaßen intakt. Es gibt noch Einkaufsmöglichkeiten am Ort: eine Bäckerei mit Lebensmittelabteilung, einen Metzger, einen Schlecker, ein Bekleidungsgeschäft - und drei Banken. Auch die einzige Tankstelle im Oberen Zabergäu steht in Pfaffenhofen. Diese Betriebe sehen die Pläne für eine Ortsumgehung eher skeptisch. Ob da nicht Kunden verloren gehen? Wiederum wurden in der Ortsdurchfahrt schon 1993 rund 10 000 Fahrzeuge gezählt. Heute dürften es noch ein paar mehr sein.

Innerorts hat sich seit Mitte der 80er Jahren viel getan. Nicht nur im Gemeindezentrum, das mit Schule, Halle, Feuerwehr und dem modernen Rathaus wichtige Einrichtungen versammelt. Mit Hilfe von Sanierungsgeldern wurden auch Wohn- und Geschäftshäuser erstellt und Pfaffenhofens vielleicht schönste Ecke, der Kelterplatz, völlig neu gestaltet. Neben dem Dorfbrunnen von Gunther Stilling ist hier die Lambertuskirche ein Blickfang, deren Erweiterung im 17. Jahrhundert immerhin der berühmte Baumeister Heinrich Schickhardt geplant hat. Übrigens gilt auch in Weiler die evangelische Kirche als Sehenswürdigkeit - vor allem wegen der biblischen Sinnbilder des wandernden Malers Johannes Stiegler aus dem Jahr 1767.

Pfaffenhofen - eine reine Wohngemeinde? Das täuscht. Fast 350 Einpendler geben einen Hinweis auf Gewerbe am Ort. Die Maschinenbauer Durst und Vollmer, der Verpackungsbetrieb Lang in Weiler, die A&S-Gruppe und das Betonwerk Volland bieten viele Arbeitsplätze.

Pfaffenhofen und seine Saurier
Pfaffenhofen und seine Saurier
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