Ein uralter Gutshof wie aus dem Bilderbuch

Der Breitenauer Hof zwischen Obersulm und Löwenstein wird seit Generationen von der Familie Fellmann bewirtschaftet

Von Anja Krezer

Ein uralter Gutshof wie aus dem Bilderbuch

An der Einfahrt grüßt ein riesiger Kastanienbaum. Auf 100 Jahre dürfte er es locker bringen. An den Wänden der lang gezogenen Wirtschafts- und Stallgebäude mit Sandsteinsockeln, aus Backstein oder mit wuchtigem Dachgebälk lehnen Speichenräder, die längst keinen Wagen mehr ins Rollen bringen. Die Fenstersimse des Gutshauses - ganz früher war es ein Schafstall - zieren Kürbisse, vor der Tür putzt sich eine Katze. Ringsum Weinberge und Wälder im Herbstkleid. Idylle pur.

Margit Fellmann lächelt. Sie kennt die "Ohs" und "Ahs" von Leuten, die zum ersten Mal auf die Anhöhe kommen. Wanderer oder Spaziergänger etwa. Manchmal sind's fast ein bisschen viel. Die Lage, das Drumherum, die alten Mauern - Margit und Hannes Fellmann ist wohl bewusst, dass sie ein besonderes Heim haben. "Aber es ist nicht so, dass ich jeden Morgen aufstehe und denke: Oh, wie toll", sagt die 41-jährige Mutter von fünf Kindern.

Seit 1914 bewirtschaftet die Familie Fellmann den Hof. Anfangs als Pächter des Fürsten von Löwenstein, inzwischen als Pächter des Landkreises Heilbronn. Der hatte den Hof 1979 gekauft, um Raumreserven im Naherholungsgebiet am neu angelegten Breitenauer See zu haben. 30 Hektar gehören zum Hof, etwa 90 hat die Familie noch dazu gepachtet. Sie betreibt Wein- und Ackerbau, hält 30 Angus-Mutterkühe und 30 Kälber sowie 70 Muttersauen und 200 Ferkel. Ein Schaf, vier Gänse, zehn Hühner, zehn Hasen, fünf Katzen und ein Hund machen die Tierschar komplett.

Die Geschichte des Hofes reicht freilich weiter zurück als 1914. 1428 soll der Graf Georg von Löwenstein das Anwesen gekauft haben, das vorher dem Johanniterorden gehörte. So steht's im Heimatbuch der Stadt. Von den Anfängen ist nichts mehr erhalten. Das älteste Gebäude, das so genannte Schweizerhaus sei etwa 500 Jahre alt, hat Margit Fellmann in Erfahrung gebracht. Es liegt etwas abseits. "Dort hat früher der Scharfrichter von Löwenstein gewohnt", sagt sie. Scharfrichter waren nicht angesehen, deshalb mussten sie vor den Toren der Stadt leben. "1744 - Der Scharfrichter Fuchs vom Breitenauer Hof machte an einer Kindsmörderin seine erste Probe, so dass erst auf den sechsten bis achten Hieb der Kopf vom Rumpfe fiel", ist nachzulesen.

1893 lebten 32 Menschen auf dem Hof - viel Gesinde war vonnöten, um den Betrieb am Laufen zu halten. Die Mechanisierung machte sie überflüssig. Heute reichen ein Lehrling, ein festangestellter Mitarbeiter und einige Saisonkräfte.

Was ein richtiger Gutshof war, hatte auch ein Backhaus und eine Wurstküche. Das Backhaus wird noch genutzt. Wenn Margits Fellmanns Schwiegermutter Elisabeth die Teigmaschine anwirft, reicht das für 30 Brote. Die werden dann eingefroren. Ein wunderschöner, großer Bauerngarten gehört ebenfalls zum Anwesen. Er ist das Terrain von Seniorchef Hans-Jörg Fellmann. Er blickt auf seine Dahlien und lächelt: "Das ist eine schöne, ruhige Oase." Auch wenn der Hof "nur" gepachtet ist: "Das ist Heimat, das ist wie Eigentum."

Ein uralter Gutshof wie aus dem Bilderbuch

Ein uralter Gutshof wie aus dem Bilderbuch

Ein uralter Gutshof wie aus dem Bilderbuch