Ein Schlüssel ist der Schlüssel zur Einigung

Maienfelser Burgherr und Evangelische Kirchengemeinde beenden 70 Jahre alten Turm-Streit - Durchgangsrecht geregelt

Von Sabine Friedrich

Ein Schlüssel ist der Schlüssel zur Einigung

Wären noch weitere Jahre ins Land gezogen, hätte es vielleicht einer Einigung nicht mehr bedurft. Weil der alte Wehrturm in der Burgmauer schon über den Häusern zusammengebrochen wäre. Die Einsturzgefahr belegt ein Gutachten von 1998. Eile ist angesagt. Jetzt ist das achteckige Fachwerkgebäude mit dem Sockel aus der Stauferzeit eingerüstet, es kann - wie weitere Teile des einstigen ritterschaftlichen Territoriums - saniert werden.

Es ist schon kurios, dass der Turm aus dem Besitzverhältnis herausgebrochen ist. Wie kommt's dazu? Die Burgherrschaft baut 1433 eine Kapelle. Platz für die Glocke gibt es nicht, weshalb sie in den Burgturm kommt. Von 1613 bis 1855 hängt sie da, ist im landeskirchlichen Archiv nachzulesen. Dann erhält das Gotteshaus einen Glockenturm. Zwischen 1818 und 1855 muss der Eigentumseintrag des Burgturms mit der Stiftungspflege, später der Kirchengemeinde, zustande gekommen sein. Die Nachforschungen in den Archivakten ergeben, dass die Grundherrschaft damals wohl kein Interesse am Turm hat.

Das ändert sich ein Jahrhundert später. Udo Freiherr von Gemmingen hat einen Ordner mit Schriftverkehr mit der Kirchengemeinde seit 1939. 1954 renoviert von Gemmingens Vater Weiprecht sogar den Turm. "Damals hat er eine gigantische Summe von 500 Mark reingesteckt", sagt der Sohn - in der Hoffnung auf die Rückgabe. "Die Kirchengemeinde hat nie Interesse am Turm gehabt", erklärt Pfarrer Günter Lutsch. Ihr ging's um etwas anderes: das Durchgangsrecht durch den Burghof zur Kapelle zu verbriefen. Das ist seit 1968 der Knackpunkt. Eine solche Dienstbarkeit für alle Zeiten ist für die von Gemmingens undenkbar. Die mündliche Zusage, die Kirchgänger weiter durchzulassen, muss genügen.

30 Jahre später geht Udo Freiherr von Gemmingen in die Offensive mit einem offenen Brief, indem er auf den "erbärmlichen Zustand" des Turms hinweist. Der Kirchengemeinderat soll den Weg für eine Sanierung ebnen. Das Vorgehen hat die Räte "leicht verärgert", erinnert sich Pfarrer Lutsch, dem eine mündliche Durchgangs-Zusage genügt hätte. Die Funkstille durchbricht ein "ehrlicher Makler", wie sich Wüstenrots Schultes Roland Awe 1999 als Beiratsvorsitzender der Burg-Stiftung anbietet.

Der Burgherr ist bei der Sanierung auf Zuschüsse angewiesen: Die wollen Landesdenkmalamt und Denkmal-Stiftungen nur gewähren, wenn ihm der Turm gehört, immerhin geht's um 80 Prozent der 170 000 Euro. Im April wird der Tauschvertrag beurkundet - Turm gegen Schlüssel zum oberen und unteren Burgtor und eine kleine Fläche mit dem "Narrenhäusle" bei der Kirche. Im Juni schließlich stimmt auch der Oberkirchenrat zu.

"Ich bin glücklich über die Lösung", atmet Pfarrer Lutsch nach dieser "Geschichte mit einem ganz, ganz langen Zopf" auf. Udo Freiherr von Gemmingen hat geregelt, was "die Vorfahren verschlafen haben". Jetzt ist er froh, "dass wir es hinter uns haben".

Ein Schlüssel ist der Schlüssel zur Einigung