Dunkle Wolken über der Freiluft-Gastronomie

Wirte, Kiosk-Besitzer und Minigolf-Betreiber im Weinsberger Tal beklagen schlechtes Sommerwetter - Hoffen auf schönere Tage

Von Sabine Friedrich

Dunkle Wolken über der Freiluft-Gastronomie

Ein leeres Bierglas, die Tische und Stühle sind nass vom Regen - keine Gäste. So sah es allzuoft in diesem Sommer in Biergärten und auf Sonnenterrassen aus, sehr zum Leidwesen der Wirte. (Foto: dpa)

"Man muss damit leben", klingt Armin Rüdel fast schon resigniert. Diejenigen, die im Freien ihre Ernte hätten, seien halt auf das Wetter angewiesen, ergänzt der Inhaber des Gasthauses "Guter Trunk" in Eberstadt-Lennach.

Unbeständig, so charakterisiert er den Sommer 2005, der im Juni und Juli, nicht aber im August, vereinzelt Tage beschert habe, an denen Gäste auf den 100 Plätzen unter Nuss-, Kirsch- oder Zwetschgenbäumen Sonnenschein oder milde Abendluft genießen konnten.

Gartenwetter über eine Saison hinweg würde laut Rüdel rund 30 Prozent mehr Umsatz bringen. Nicht nur auf den Sommer ist in diesem Jahr kein Verlass, auch auf die Wettervorhersagen nicht. Nach denen richtet Rüdel seinen Einkauf und die Planung für den Biergarten - und dann kommt das angekündigte Hoch nicht. Jetzt macht er erst mal selbst Urlaub und ist gespannt, ob im September Außenbewirtung noch möglich ist.

Darauf hofft natürlich auch Holger Liebendorfer. Denn das Café Waldeck in Neulautern sei als Ausflugsziel wetterabhängig. Bei schönem Wetter sei voll, bei schlechtem halt nicht, sagt der Besitzer. "Mir fehlen jeden Tag 50 Essen", sonst das "Bonbonle" der Sonnenterrasse. Einen Vorteil hat Liebendorfer: Draußen sitzen können Ausflügler nicht nur im Sommer, sondern dank der Sonnenseite auch an herrlichen Wintertagen - allerdings warm eingepackt.

Den Trend zum Urlaub im eigenen Land habe der Sommer 2005 kaputt gemacht, meint Hartmut Trefz. Der Hotelier des "Raitelberg" in Wüstenrot hat dieses Jahr neue Gartenmöbel für die Terrasse angeschafft. "Maximal fünf Mal haben Leute drauf gesessen", schätzt er. Allerdings habe er wenig Einbußen zu verzeichnen, denn das Hotel lebe nicht von der Laufkundschaft, sondern von Urlaubern, die fest buchten. Trefz ist Optimist: Wenn der Sommer schon schlecht sei, dann werde hoffentlich der Herbst schön.

"Ein ganz schlechter Sommer", seufzt Nikolaus Kissas, Wirt vom Sportheim in Willsbach, dessen Frau den Kiosk im Obersulmer Freibad betreibt. Nur an 20 Tagen, so schätzt er, hätten Sonnenanbeter und Schwimmer bedient werden können. Damit ist er natürlich "gar nicht zufrieden".

"Katastrophe", lautet der Kommentar von Anthinogenis Ignatiadis vom Eiscafé "Panorama" in Löwenstein, das nur bei schönem Wetter geöffnet hat. In diesem Jahr konnte der Wirt, der auch Inhaber der "Linde" ist, etwa 20 Mal Gäste auf dem Platz vor dem Freihaus mit herrlicher Aussicht ins Tal bewirten. "Mindestens 100 Tage, das wäre ok", sagt Ignatiadis.

Dass ihre erste Saison so verregnet sein würde, damit hat Elke Mahle nicht gerechnet, die mit ihrem Mann hinter dem Gasthaus "Linde" in Hößlinsülz Ende Mai den Minigolfplatz eröffnet hat. Dennoch: "Wir sind zufrieden", sagt sie. Denn wenn's nicht regnet, kann gespielt werden. Und bei heißen Temperaturen gingen die Leute eher ins Freibad als zum Spiel mit dem kleinen weißen Ball.