Zentraler Friedhof für alle Ortsteile

Obersulm - Das langfristige Ziel einer neuen Friedhofskonzeption in Obersulm ist ein Zentralfriedhof für alle Ortsteile. Wie dies in mehreren Stufen erreicht werden soll, darüber debattierten Gemeinderat und Bürgermeister teilweise hitzig.

Von Gustav Döttling

Zentraler Friedhof für alle Ortsteile

"Wir müssen uns schnell für neue Formen der Bestattung öffnen."

Monika Steg

Obersulm - Das langfristige Ziel einer neuen Friedhofskonzeption in Obersulm ist ein Zentralfriedhof für alle Ortsteile. Wie dies in mehreren Stufen erreicht werden soll, darüber debattierten Gemeinderat und Bürgermeister teilweise hitzig. Strittig war insbesondere die Frage, ob es kostengünstiger ist, sofort einen kompetenten Fachplaner (Antrag der Verwaltung) oder Studenten der Fachhochschule Nürtingen, wie von SPD-Gemeinderätin Monika Steg eingebracht, eine langfristige Konzeption zur Friedhofsentwicklung erarbeiten zu lassen.

Wandel

"Wir haben in den letzten fünf Jahren einen gravierenden Wandel der Bestattungskultur auf unseren Friedhöfen bemerkt", stellte Rainer Gruber vom Bauamt die Ergebnisse seiner Bestandsaufnahme vor. Waren es 2005 noch 20 Prozent Urnenbestattungen in der Gemeinde, so liege die Zahl der Einäscherungen aktuell bei 60 Prozent. "Diesem Trend müssen wir mit einer entsprechenden Überplanung unserer Freiflächen und eventuellen neuen Angeboten Rechnung tragen", brachte Gruber für die Zukunft Baumbestattungen als neue Bestattungsform ins Gespräch. Neben sechs kommunalen Friedhöfen gibt es in Obersulm den alten jüdischen Friedhof, zwei private Begräbnisstätten − eine auf dem Friedhof Weiler und eine beim Gut am Kriegshölzle − sowie ein Waldstück beim Friedrichshof, das bis Mitte der 70er Jahre dem ehemaligen Altenheim als Friedhof diente. "Dort könnten wir uns gut eine Art Friedwald für Baumbestattungen vorstellen", so Gruber.

Mit dem Eigentümer, der Evangelischen Stiftung Lichtenstern hätten bereits erste Gespräche stattgefunden. Der Friedhof in Eschenau habe einige schöne alte Bäume, die sich für Baumbestattungen anbieten würden.

Die Erweiterungskapazität der Friedhöfe sei begrenzt, reiche aber noch für einige Jahre aus. Aufgrund der demografischen und gesellschaftlichen Entwicklung sei es jedoch dringend erforderlich, mehr kostengünstige und "pflegeleichte" Alternativen zu konventionellen Erdbestattungen anzubieten. Denkbar seien auch anonyme Urnengrabfelder. "Es ist möglich, dass wir mittelfristig auf einigen Friedhöfen nicht mehr alle Bestattungsarten anbieten können", brachte Bürgermeister Harry Murso eine Auflösung der bestehenden Bestattungsbezirke ins Gespräch. "Wir müssen uns schnell für neue Formen der Bestattung öffnen, um unsere Friedhöfe und ihre kulturelle Tradition zu erhalten", sagte Monika Steg. Sie schlug vor, Studenten der Fachhochschule Nürtingen ein Konzept erarbeiten zu lassen. Dies sei kostengünstiger als ein Fachplaner.

Experte

"Wir brauchen einen guten Fachplaner mit Erfahrung", widersprach Bürgermeister Harry Murso. "Wir sollten schnell reagieren, frühzeitig die Kirchen ins Boot holen, um Konflikten vorzubeugen. Manche Nachbargemeinden bieten bereits mehr als wir", meinte Armin Waldbüßer (Grüne). Den Vorschlag der SPD finde er gut. "Für die Friedhöfe ist die Gemeinde zuständig", betonte der Bürgermeister.

Thomas Lüdecke und Hermann Hohl (CDU) plädierten für Expertenrat. "Wir haben schon viel ohne Fachplaner entschieden", glaubte Georg Stather (FWV), die Verwaltung wolle Verantwortung "abwälzen". Mit 14 zu sieben Stimmen folgte der Gemeinderat dem Kompromissvorschlag von Peter Dossow (SPD), sowohl mit Friedhofsplanern als auch mit der Fachhochschule zu sprechen.