Ungewöhnliche Lektionen

Kinder bekommen Einblick, wie es auf einem Bauernhof zugeht

Von Margit Stöhr-Michalsky

Ungewöhnliche Lektionen
"Ich habe eine Kartoffel", ruft Runa. Kinder harken und säen, reparieren und füttern beim Erlebnistag auf dem Breitenauer Hof in Löwenstein.Foto: Stöhr-Michalsky

Löwenstein - Der Stiel der Harke ist größer als die Benutzer. Vier- bis Zehnjährige hantieren eifrig mit dem Gartengerät, um die Feldscholle zu kleinen Hügeln aufzuhäufen. Sie erleben einen Tag auf dem Breitenauer Hof in Löwenstein.

Das VHS-Angebot ist im Rahmen der Naturerlebniswochen der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg ausgeschrieben. Vor drei Wochen wurden Kartoffeln in das schmale Versuchsfeld eingebuddelt. Jetzt heißt es für die beiden Kindergruppen mit 18 Teilnehmern aus Löwenstein und Weinsberg, dort Unkraut zu jäten und die Furchen neu zu ziehen.

Ovale Entdeckung "Ich habe eine Kartoffel", ruft Runa und hält sie als Schatz in die Höhe. Die Knolle muss jedoch wieder in die Erde, um zu keimen. Runa ist schon zum zweiten Mal beim Erlebnistag auf dem Bauernhof dabei. "Einpflanzen, das macht mir am meisten Spaß", erzählt sie, das mache sie auch im Garten zu Hause. Darius erzählt, dass die Gruppe auch Kleesamen, die "roten Bobbel", gesät und in die Erde eingearbeitet habe. Die Kinder lernen, welche Arbeiten der Bauer verrichtet, welche Maschinen er dazu braucht, was im Frühjahr gesät wird und im Herbst geerntet werden kann und welches Futter die Kühe bekommen.

Margit Fellmann, Diplom-Agrar-Ingenieurin vom Breitenauer Hof, ist die Fachfrau dafür. Die Kinder sollen selbst Hand anlegen, um die Praxis kennen zu lernen. "Manche haben schon Bauernhof-Erlebnisse", berichtet sie. Interessiert seien die jungen Teilnehmer natürlich an den Tieren. Im dritten Semester findet bereits der Tag auf dem Bauernhof für Kinder in Löwenstein statt. Ins Leben gerufen hat ihn VHS-Außenstellenleiterin Doris Hörger. "Wir mussten Zusatztermine anbieten, so gut wurde das Angebot angenommen", sagt sie. Für sie ist der pädagogische Hintergrund wichtig. "Die Kinder können eine Aufgabe ausführen, in der Praxis lernen und erkennen, ich habe etwas mit geschaffen und gestaltet". Das fördere das Selbstbewusstsein. Nach einer Getränkepause unter dem großen Nussbaum zeigt Margit Fellmann die Maschinen, die auf einem Bauernhof gebraucht werden, dazu die Werkstatt. Die Werkstatt gleicht einer Schatztruhe mit Schweißtisch, Hammer und Bohrmaschine, vielen Schraubenschlüsseln und einer Säge. Tomi und Darius sammeln Nägel für ihr Hosentaschensammelsurium auf. Dass ein Heuwender im Hof steht, das bemerkt der sechsjährige Felix sofort, so eine Maschine hat er schon auf einem Bauernhof in Bayern gesehen.

Kleinere Aufgaben Die Kinder dürfen verrostete Zinken am Wenderat reparieren. Joachim Fellmann und der neunjährige Bruder Ruben helfen den jungen Monteuren beim Abschrauben der Muttern und beim Auswechseln der Teile. Einen verrosteten Zinken möchte Felix als Schatz mit nach Hause nehmen. Hannah und Angelina entdecken einen Schatz mit schwarzem Fell − die Hofkatze wird gleich ausgiebig gestreichelt. Als das Stichwort Schlepperfahren fällt, sind alle schnell zur Stelle. Eine Ausfahrt zu den Schafen auf der Weide steht an, bis es zur Fütterung in den Stall geht. 40 Mutterkühe, Kälber und Jungtiere warten darauf. "Wir wechseln gerade zwischen Winter- und Sommerfütterung", sagt Margit Fellmann. "In diesen Tagen kommen die Tiere auf die Weide, dort bleiben sie bis Oktober, so lange das Futter reicht". Schrot und Heu schütten die Kinder in die Futtertröge. Ein erlebnisreicher Tag geht für sie zu Ende.