Übergangswohnheim schließt Pforten

Stadt hat Baugenehmigung nicht mehr verlängert - Areal gehört dem Land

Von Joachim Kinzinger

Übergangswohnheim schließt Pforten
Die meisten Baracken in den Grabenäckern stehen schon lange leer. Bis zum Jahresende müssen die letzten drei Bewohner ausziehen. Foto: Joachim Kinzinger

Weinsberg - Die weißen Hinweisschilder stehen noch: Übergangswohnheim Grabenäcker. Sie werden in wenigen Tagen abmontiert. Zum Jahresende erlischt die Baugenehmigung für die Baracken für Spätaussiedler mit 261 Plätzen. Kurz vor Weihnachten leben noch drei Personen im dritten Haus, erklärt Hausmeister Viktor Rib. "Die haben dann alle eine Bleibe", weiß Landratsamts-Pressesprecher Hubert Waldenberger. "Vor fünf Jahren haben wir die befristete Baugenehmigung nochmals verlängert. Jetzt ist Schluss", sagt Weinsbergs Bürgermeister Stefan Thoma. Die Stadt ließ sich nicht mehr "erweichen", die Nutzung zu verlängern, zumal in jüngster Zeit allenfalls noch 15 Aussiedler in den Unterkünften lebten.

Drei Unterkünfte "Wenn es gegangen wäre, hätten wir es behalten", meint Hubert Waldenberger. Doch Weinsberg habe den auslaufenden Vertrag nicht mehr verlängert. Dann gibt es noch Unterkünfte für diesen Personenkreis in Eppingen, Obersulm und Ellhofen.

In den Grabenäckern gilt das Dreiecksverhältnis Land, Landkreis und Kernerstadt. Das Land ließ die Anlage 1990 auf dem landeseigenen Grundstück erstellen, für den Betrieb war das Landratsamt zuständig, die Stadt durfte den Personenkreis festlegen.

In den Anfangsjahren waren die 261 Plätze meist belegt. Im Jahr 2005 nennt der Sprecher der Kreisbehörde nach der durchschnittlichen Belegstatistik noch 200 Personen. Kontinuierlich ging es bergab. Drei Jahre später registrierte Waldenberger im Schnitt nur noch 20 Bewohner in der großen Siedlung gegenüber dem Klinikum am Weissenhof.

Schon im Sommer 2008 sahen Stadtchef Thoma und der Gemeinderat nach dem Rückgang den Endpunkt erreicht. Der Bedarf sei nicht mehr vorhanden. Die Stadt wollte vermeiden, dass die Grabenäcker-Baracken zur einzigen Einrichtung im Landkreis werden. Mit dem Lebenshaus der Aufbaugilde Heilbronn oder mit dem Maßregelvollzug-Neubau im Klinikum am Weissenhof komme die Stadt ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nach.

Das Gelände gleicht schon jetzt einem Geisterdorf. Stauden und Gestrüpp wuchern, Fenster sind nicht mehr beleuchtet, der frühere Spielplatz ist zugewachsen. "Wir haben alles geräumt,", sagt Hausmeister Rib. Bis auf das Verwaltergebäude und Haus drei, in dem bis spätestens 29. Dezember noch drei Leute leben, sind in den anderen Baracken bereits Strom, Wasser und Gas abgestellt. Wohnheimleiter und Hausmeister arbeiten dann im Wohnheim in Eppingen, informiert Pressesprecher Waldenberger.

Vorstellungen "Die Bauten sind marode, sie müssen abgerissen werden", fordert Bürgermeister Thoma. Denn: "Sonst sind es Schwarzbauten", da die Genehmigung zum Jahresende erlischt. Was geschieht dann mit der geräumten Fläche? Über das weitere Vorgehen will der Verwaltungschef noch mit dem Land sprechen: "Wir sind gespannt, mit welchen Vorstellungen das Land auf uns zukommt." Die Stadt habe kein eigenes Eisen im Feuer.

Für Thoma geht mit dem Ende des Übergangswohnheims auch ein Teilabschnitt der deutschen Geschichte in Weinsberg zu Ende. Viele der Spätaussiedler seien in der Region geblieben. Das erlebt der Bürgermeister oft bei runden Geburtstagen von Senioren.