Treue Begleiterin im Gottesdienst

Seit 50 Jahren erfreut die Orgel Besucher in der Stadtkirche mit ihren Tönen

Von Gustav Döttling

Treue Begleiterin im Gottesdienst
Pfarrer Erich Munz (Mitte) zeigt Kirchengemeinderätin Brigitte Zipf und Werner Sommer vom Posaunenchor das Orgelbrevier der Löwensteiner Weigle-Orgel. Foto: Gustav Döttling

Löwenstein - Sie hat in 50 Jahren mit ihrem wohltönenden Klang ungezählte Gottesdienste, Trauungen, Taufen, Konfirmationen begleitet, so manches Konzert gespielt, und im Lauf der Zeit sechs Pfarrer erlebt. "Ihr Ton passt wunderbar zum Gesang der Löwensteiner", urteilt Pfarrer Erich Munz über die Weigle-Orgel in seiner Löwensteiner Stadtkirche.

Mitgeholfen Ein Löwensteiner, der die Orgel von Kind an kennt, ist Werner Sommer. Der Weingärtner von der Löwensteiner Seemühle war zehn Jahre alt, als ihm der damalige Schulleiter und Organist Walter Simpfendörfer im Jahr 1959 schulfrei gab. Er sollte dem Orgelbauer Friedrich Weigle aus Echterdingen beim Instrumentenbau zur Hand zu gehen. "Die Pfeifen waren alle nummeriert, und ich musste sie dem Meister reichen", erzählt Werner Sommer. Wie lange der Einbau der 1086 Pfeifen aus Holz und Zinn in die 16 Register der Orgel gedauert hat, weiß Sommer nicht mehr.

Grundstock Werner Sommer war nicht der einzige Löwensteiner, der am Orgelbau beteiligt war. "Zimmermann Karl Grauf vom Teusserbad hat den Grundstock für die Orgel gefertigt", weiß Kirchengemeinderätin Brigitte Zipf noch. Beim Luftangriff auf Löwenstein am 14. April 1945 wurde mit der Stadtkirche auch die 1922 von Friedrich Weigle eingebaute Vorgängerorgel mit ihren zwölf Registern und zwei Manualen zerstört. Zwischen 1949 und 1956 bauten die Löwensteiner ihre Kirche wieder auf. Bis zum Einbau der neuen, 25 000 Mark teuren Orgel behalf sich die Kirchengemeinde bei der musikalischen Begleitung der Gottesdienste mit einem alten Pedalharmonium. "25 000 Mark waren damals viel Geld", sagt Pfarrer Munz. Es habe zwar einen Zuschuss des Oberkirchenrats und des Kirchenbezirks gegeben, den Löwenanteil hätte aber die Kirchengemeinde aufbringen müssen.

Die Weigle-Orgel hat die Opus-Nummer 1035. "Der Spieltisch verfügt über zwei Manuale mit je 56 Tasten, die Obertasten aus Elfenit, die Untertasten aus Ebenholz. Das Pedal hat 30 Tasten parallel aus Eichenholz", ist im Gutachten des Orgelsachverständigen Burkhart Goethe zu lesen, der die Orgel 2002 untersuchte. "Sie wird auch als die kleine Schwester der Weinsberger Orgel bezeichnet, die 1954 entstanden ist", sagt Bezirkskantor Gerhard Frisch. Nach der Ausreinigung 2006 durch die Orgelbaufirma Mühleisen sei die Orgel klanglich sehr schön zu spielen. Die ursprünglich "spitze" Intonierung sei nun weg. 1985 übernahm der Orgelbauer Mühleisen nach der Auflösung der Firma Weigle die Orgelpflege. 21 600 Euro kostete die Reinigung, bei der auch 60 Pfeifen getauscht wurden. "Die Orgel hat jetzt einen wunderbar harmonischen Klangaufbau", sagt Organistin Andrea Köcher.

Auf den Tag genau 50 Jahre nach ihrer Einweihung am 20. Dezember 1959 feierte die evangelische Kirchengemeinde Löwenstein mit einem Gottesdienst das 50-jährige Jubiläum der Weigle-Orgel. "Bei der Einweihung saß Bezirkskantor Willy Schwarz am Spieltisch der Orgel", hat Brigitte Zipf den Aufzeichnungen von Walter Simpfendörfer entnommen. "Mit dem Bus hat man Kirchgänger aus Reisach, Lichtenstern und Hößlinsülz geholt", steht in den Kirchenakten.

Gedicht "Ein überschwänglich Tönen ist´s, so variierend viel, wir Kirchgänger begeistern uns, sind dankbar für das Spiel", trug Pfarrer Helmut Steinestel, von 1954 bis 1963 Löwensteiner Stadtpfarrer, beim Jubiläum ein selbstverfasstes Gedicht auf die Bergstadt und ihre Orgel vor. Der Liederkranz Löwenstein und die Orgel im Doppelchor mit dem Posaunenchor umrahmten den Gottesdienst.