Tandemunterricht nach Maß

Inklusiver Unterricht an der Grundschule bekommt gute Noten

Tandemunterricht nach Maß
"Und was hat euch am besten gefallen?", fragt Christiane Michler (rechts) nach der Stunde. Ganz oft bekommt sie ein fröhliches "alles" zu hören.Foto: Thomas Braun

Obersulm - Duo Es ist so manches Ungewöhnliche in diesem Schulhaus. Behinderte und nichtbehinderte Kinder lernen gemeinsam, unterrichtet werden sie von einem Lehrerinnen-Tandem, das die beiden Schulen verbindet. Die seit 1978 anerkannte Ersatzschule für Kinder und Jugendliche mit einer geistigen und körperlichen Behinderung der Stiftung Lichtenstern mit der kommunalen Eschenauer Grundschule − eine freiwillige Partnerschaft. In Klasse zwei sitzen derzeit 25 Schüler, drei davon sind gehandicapt.

Wenn das behinderte Mädchen Laura eine Auszeit braucht, bekommt sie diese Momente, um sich zu bewegen. Oder ein paar Streicheleinheiten am Rücken, die sie beruhigen. Dann geht es zurück zum Tisch, wo sie mit ihrer Lehrerin Rosi Bender einen Frosch aus einem Arbeitsblatt ausschneidet. So wie sie kann, arbeitet sie ebenfalls am Thema mit, derzeit geht es im Fach Mensch, Natur, Technik um Wassertiere. Die Zweitklässler Nele, Sonja, Tom, Luca und Julian brüten über ihren Arbeitsblättern und überlegen gerade, wie die Eier der Frösche heißen. In Forschergruppen aufgeteilt, dürfen sich die Schüler an der Lerntheke ihre Arbeitsblätter abholen. In unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.

Hier in der Bahnhofstraße 30 machen die Schüler einen zufriedenen Eindruck, die Lehrer ebenso, und auch die Eltern sind einverstanden. Das Modellprojekt zwischen der Grundschule Eschenau und der Stiftung Lichtenstern bekommt nach den Erfahrungen des ersten Schuljahres in Klasse eins rundweg gute Noten. "Der gemeinsame Unterricht spricht für sich selbst", sagt Thorsten Demmer. Der Leiter der Lichtensterner Schule ist stolz, was sich in kürzester Zeit alles getan hat. Nach vier Jahren Erfahrung mit der Außenklasse folgte im Schuljahr 2010/11 der Schritt hin zur inklusiven Beschulung. "Die beiden Vollzeitkräfte ermöglichen den differenzierten Unterricht, wie die Kinder das brauchen", erklärt der Schulleiter. Lehrerin Christiane Michler unterrichtet nach dem Bildungsplan der Grundschule, Fachlehrerin Rosi Bender von Lichtenstern vermittelt den Stoff der Sonderschule. Gemeinsam erarbeiten sie den Wochenplan, gemeinsam kümmern sie sich um die Schüler, egal um welche.

Inklusion, gemeinsames Lernen, das war für Lehrerin Christiane Michler Neuland. Doch die ersten sechs Wochen nach den Sommerferien, die Praxis, haben ihr gezeigt: "Wir lernen alle voneinander. Die behinderten Schüler haben viel Empathie." Mutter und Elternvertreterin der Lichtensterner Schule, Susanne Hofmann, lächelt, wenn sie erzählt, dass ihre behinderte Tochter Laura sich sehr viel von den anderen an Verhaltensweisen abgeschaut hat. "Da hat sich viel bewegt. Der gemeinsame Unterricht ist sehr, sehr segensreich", sagt Hofmann, es würde viel besser laufen, als sie sich das je erträumt habe. Alexandra Appolt, Elternvertreterin der Grundschule und die Mutter von Nele, hatte ebenfalls Gelegenheit zu beobachten, wie das Miteinander der Schüler im Alltag gelebt wird. "Als wir einen Ausflug gemacht haben, musste keines der behinderten Kinder alleine laufen. Die anderen haben sich abgewechselt."

Information Alle Beteiligten betonen, wie wichtig die Informationen am Elternabend gewesen seien. "Dort konnten viele Fragen beantwortet und Bedenken zerstreut werden", sagt Appolt. Etwa die, ob die nichtbehinderten Schüler genug lernen würden. "Mit zwei Lehrkräften können wir auf die Vielfalt aller Kinder eingehen", betont die Eschenauer Grundschulrektorin Renate Weber-Maurer.