Secondhand und Tafel unter einem Dach

Diakonieladen wird im Dezember eröffnet − Ehrenamtliche gesucht

Von unserer Mitarbeiterin Margit Stöhr-Michalsky

Secondhand und Tafel unter einem Dach

"Wir geben Lebensmittel in den Kreislauf zurück, die sonst vernichtet würden."

Matthias Weiler

Weinsberg - Lange Zeit standen die Räume des ehemaligen Blumengeschäftes an der Kreuzung Haupt- und Bahnhofstraße in Weinsberg leer. Jetzt eröffnet dort im Dezember das Diakonische Werk für Stadt und Landkreis Heilbronn einen Laden mit Secondhandwaren und Tafel. "Der Bedarf ist da", sagt die Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle Weinsberg, Ursula Richter. Das Geschäft soll Menschen mit geringem Einkommen, geringer Rente, Erwerbslose oder Alleinerziehende aus Weinsberg und Umgebung die Möglichkeit geben, preiswert einzukaufen.

Der S-Bahn-Anschluss war ein Argument für den Standort des Ladens. Die Diakonische Bezirksstelle verfügt selbst über eine kleine Kleiderkammer für Bedürftige. Die Leiterin möchte den Secondhandladen jedoch für alle öffnen, um sich mit Bekleidung, Haushaltswaren oder Büchern zu kleinen Preisen eindecken zu können. Dazu ist der Laden auf Spenden angewiesen. Wer also Teile seines Hausstandes, Kleiderschranks, seine Bücher- und CD-Regale räumen möchte, kann sich an die Einrichtung wenden.

Der integrierte Tafelladen ist für Menschen mit Berechtigungskarte. Diese wird nach individuellen Berechnungen des Einkommens in der Diakonischen Bezirksstelle ausgestellt. Der Träger des Ladens ist der Kreisdiakonieverband Heilbronn. Er verfügt über langjährige Erfahrungen auf dem Gebiet der Secondhand- und Tafelläden.

"Alleine können wir den diakonischen Auftrag nicht schaffen", sagt der evangelische Dekan von Weinsberg, Georg Ottmar. Er sieht den Diakonieladen als "zweitbeste Lösung" an. "Die beste Lösung wäre, man bräuchte ihn gar nicht", meint er. "Es gibt viel versteckte Armut. Mit dem Laden übernehmen wir einen Teil gesellschaftlicher Verantwortung."

Sortieren "Aus unserem Zentrallager in Heilbronn beliefern wir in Stadt und Landkreis Heilbronn über 100 Tafelläden", sagt Matthias Weiler von der Kreisdiakonie. Die Ware wird täglich angeliefert, nach strengen Kriterien sortiert und täglich an Tafelläden ausgefahren, auch nach Weinsberg.

"Wir denken dabei auch an die Schöpfung. Wir geben Lebensmittel in den Kreislauf zurück, die sonst vernichtet würden", meint Karl- Friedrich Bretz, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbandes. Er rechnet mit 1000 Menschen, die den Tafelladen nutzen werden.

Eine kleine Kaffeeecke soll das Angebot im neuen Weinsberger Laden abrunden. "Auch arme Menschen möchten am Leben teilhaben und unter die Leute kommen", sagt Ursula Richter.

Schnuppertag "Der Diakonieladen funktioniert nur, wenn Menschen sich für andere Menschen einbringen, hier eine angenehme Atmosphäre schaffen, so dass beide Seiten zufrieden sind", betont Bretz. Für diese Einrichtung werden noch Ehrenamtliche gesucht, die hier eine sinnvolle Tätigkeit finden können. Fahrtkosten erstattet der Träger. "Wir brauchen etwa zehn bis 20 zuverlässige ehrenamtliche Mitarbeiter im Team", sagt Ursula Richter. Am 24. November gibt es einen Schnuppertag für interessierte Ehrenamtliche im Erhard-Schnepf-Haus.