„Resi“ sichert noch mit Schranke

Tragischer Unfall wie in Leingarten ist am Bahnhof nicht möglich

Von Joachim Kinzinger

„Für die nicht bundeseigenen Bahnen gibt es andere Vorschriften als für die Deutsche Bahn.“

DB-Sprecher Roland Kortz

Weinsberg - Der dunkle Warnton ist nicht zu überhören. Dann blinkt das hellrote Licht auf. Zusätzlich senkt sich die kleine Schranke am Weinsberger Bahnhof, die den Zutritt zum Stadtbahn-Bahnsteig sichert. Ein tragischer tödlicher Unfall wie vor einer Woche in Leingarten-Ost wäre hier nicht möglich. Ein junger Mann hatte in der Leintal-Kommune den Übergang bei Rot überquert und die Stadtbahn übersehen. Dort gibt es keine Schranke. Laut Polizei trug er Kopfhörer und hörte Musik.

Die Kraichgaustrecke wird nur von der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft benutzt. Im Weinsberger Tal fahren AVG-Stadtbahnen und DB-Züge parallel. „Für die nicht bundeseigenen Bahnen gibt es andere Vorgaben als für die Deutsche Bahn“, weiß DB-Pressesprecher Roland Kortz aus Stuttgart. Maßgebend sei für die Bahn die Eisenbahnbau- und Betriebsordnung (EBO).

Regelwerk Das EBO-Regelwerk sieht die Reisenden-Sicherungsanlage (kurz: „Resi“) am Weinsberger Bahnhof vor, so Kurtz. Dieses System hat eine Dreifachsicherung: Warnton, Blinksignal, Halbschranke. Denn im Zwei-Stunden-Takt rollt hier auch der DB-Regionalexpress durch, ebenso fahren Güterzüge. Die Resi sieht Kortz als geeignetes Instrument auf Strecken, die nicht so stark befahren sind. Damit war auch die viel teurere und ursprünglich geplante Unterführung am Weinsberger Bahnhof hinfällig. Bürgermeister Stefan Thoma ist froh, dass es in Weinsberg eine zusätzliche mechanische Sicherung gibt: „Die Schranke geht runter.“

Für die nicht bundeseigenen Bahnen (NE) ist in Baden-Württemberg der Landesbevollmächtigte für Bahnaufsicht ((LfB) zuständig. LfB-Mitarbeiter Thorsten Schmitt zitiert aus dem EBO-Regelwerk, wonach für den „Schutz der Reisenden, die Übergänge überschreiten müssen, zu sorgen ist“. Für jede Strecke werde dies im Einzelfall entschieden. Schmitt: „Wir führen das Landesrecht aus.“

Den Unterschied bringt Siegfried Lorenz, stellvertetender AVG-Betriebsleiter, auf den Punkt. Bei der Deutschen Bahn gelte die Vorschrift für Reisenden-Übergänge, bei den NE-Bahnen die Bahnübergangs-Vorschrift (BÜV). In Weinsberg werde die Resi auch wegen der Güterzüge signalabhängig ausgelöst. Bei der BÜV habe der Betriebsleiter für die Sicherheit der Reisenden zu sorgen. „Durch Akustik und Optik weisen wir auf einfahrende Züge hin, wir brauchen keine Halbschranke“, erklärt Lorenz. Und: „Wir sind vollständig regelkonform.“ Der Übergang in Leingarten-Ost ist gut überschaubar. Früh schaltet die Ampel mit Warnton auf Rot, bevor die Stadtbahn naht. Lorenz bleibt es unverständlich, warum sich „der junge Mann künstlich taub gestellt hat“.

Zaun-Schutz „Absolute Sicherheit gibt es nicht“, erklärt der Weinsberger Bürgermeister Thoma. Dennoch ging der Stadtchef beim Thema Zaun auf Nummer sicher. Die rund 1,50 Meter hohe und 135 Meter lange Barriere entlang des Fuß- und Radwegs an der Erholungsanlage Alte Ziegelei verhindert seit diesem Jahr lebensgefährliche Situationen im Bahnhofsbereich.

Vor allem Schüler aus dem Bildungszentrum Rossäcker hatten die verbotene Abkürzung über das Südgleis zum Mittelbahnsteig am Bahnhof gewählt. Provisorisch vom Bauhof aufgeschichtete Baumreste als Hindernis zwischen den Sträuchern hielten dem Ansturm der Schüler nicht stand. Mit den Schulen, Bahnpolizei und AVG suchte die Stadt nach einer Lösung. „Wir haben mit dem Zaun Vorsorge getroffen“, bemerkt Thoma. Den Zaun habe die AVG für 8100 Euro gezahlt.