Praxis statt Hausbrauerei

Weinsberg - Gemeinderat stimmt mit knapper Mehrheit gegen Barfüßer

Von Joachim Kinzinger

Praxis statt Hausbrauerei
Das Bahnhofsgebäude bietet wahrlich keinen schönen Anblick. Die Bahn AG will das Haus in den nächsten Monaten verkaufen.Fotos: Joachim Kinzinger

Weinsberg - Wer beim Weinsberger Bahnhof aus der Stadtbahn steigt, sieht Müll auf den Gleisen, politische Schmierereien an Wänden, metallene Lochplatten und Spanplatten vor Türen und Fenstern - wahrlich kein schöner Anblick. Dies wird sich glücklicherweise ändern. Beim Verkauf des Bahnhofsgebäudes biegt die Deutsche Bahn AG in die Zielgerade ein.

„Die Stadt Weinsberg steigt nicht ein“, sagt Bürgermeister Stefan Thoma auf Nachfrage der Heilbronner Stimme. „Barfüßer ist draußen“, bedauert Inhaber Eberhard Riedmüller, der hier eine Hausbrauerei und Gastronomie geplant hatte. „Ich will meine Praxis erweitern“, erklärt Physiotherapeut Bojan Obrez, dessen Konzept der Gemeinderat hinter verschlossenen Türen mit einer Stimme Mehrheit den Vorzug gegeben hatte.

Prüfung

Fast drei Jahre zog sich die Entbehrlichkeitsprüfung der Bahn für das markante Gebäude und umliegende Flächen hin. Der Entscheidungsfindungsprozess kam erst 2009 richtig auf Touren. Private Interessenten sollten beim öffentlichen Bieterverfahren ihre Preisvorstellungen und das Nutzungskonzept abgeben. „Wir haben keine eigene Nutzung gesehen“, bemerkt der Stadtchef. Dennoch steckte Thoma die Fühler aus, schrieb Hausbrauereien an. Als Vorbild diente der Leingartener Bahnhof, der gastronomisch genutzt wird. Bierbrauerei und Biergarten würden hier am markanten Punkt „optimal passen“ , das Areal aufwerten, meint der Bürgermeister.

Praxis statt Hausbrauerei
Die Stadt erwirbt die Bushaltestelle und Fahrradplätze.

Die Ratsmehrheit gab jedoch dem Weinsberger Bieter den Vorzug. „Ich akzeptiere das, so ist die Demokratie“, sieht Thoma die Bahn am Zug, das Gebäude im Rahmen des Bieterverfahrens zu veräußern. „Wir haben einen Interessenten und führen derzeit Verkaufsverhandlungen“, bestätigt eine Bahnsprecherin in Stuttgart. Nähere Informationen gibt sie nicht. Ende September/Anfang Oktober rechnet die Pressesprecherin damit, dass die Dinge geklärt sind.

Aufwerten Seit zwei Jahren bemühe er sich um das Gebäude, berichtet Bojan Obrez. Er wolle seine Praxis erweitern, „weil mein Sohn dazugestoßen ist“. Nach einer Grundsanierung werde der Bahnhof als Tor zur Stadt aufgewertet. Obrez: „Wir wollen die Gesamtfläche für die Praxis nutzen.“ Die Planungen seien noch nicht abgeschlossen. Derzeit ist der Physiotherapeut in der Kernerstraße ansässig.

Praxis statt Hausbrauerei
Auch die geschotterte Rasenfläche beim P+R-Platz wird aufgekauft.

„Es nutzt nichts, wenn der Gemeinderat gegen eine Brauerei ist“, ist Barfüßer-Besitzer Eberhard Riedmüller enttäuscht, der seit den 90er Jahren auch in Heilbronn ansässig ist. Seine Pläne sahen in Weinsberg einen Glasanbau für eine Brauerei, 200 Plätze im Gebäude und 200 in der Außengastronomie vor. „Das Projekt wäre super geworden“, meint Riedmüller. Vielleicht steigt er ja im Traubenkeller ein, den die Stadt anbietet.

Aus „städtebaulichen Gründen“ kauft Weinsberg laut Stefan Thoma vier DB-Grundstücke in Bahnhofsnähe. Dazu gehören das Areal von Busbahnhof und Fahrradständer, ein schmaler Streifen zwischen Radweg und Bahnlinie bis zum Stellwerk, eine kleine Grünfläche am Vorplatz gegenüber dem Bahnhof und die Fläche gegenüber den Park- und Ride-Plätzen in der Eugen-Diez-Straße.