Mensch muss sich an Optik gewöhnen

Großes Interesse an Vortrag über Windräder und -energie

Von unserem Mitarbeiter Gustav Döttling

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Mensch muss sich an Optik gewöhnen
Lärm und Beeinträchtigung des Landschaftsbildes nennt Referent Heiner Dörner als häufigste Einwände gegenüber den in den Himmel ragenden Anlagen, die Strom produzieren.Foto: dpa

Löwenstein - Heiner Dörner hat eine klare Botschaft: An der Stromerzeugung aus Windkraft führt in Deutschland kein Weg vorbei. Auf Einladung des Löwensteiner Vereins Umwelt und Gesundheit referiert der Diplom-Ingenieur für Luftfahrttechnik und langjährige Dozent der Universität Stuttgart im Festsaal der Klinik Löwenstein über Wind, Windräder und Windenergie. Das Thema ist in Löwenstein hochaktuell. Die Stadt will auf dem Horkenberg Windräder installieren und führt bereits Gespräche mit potenziellen Investoren. Drei haben sich schon bei Bürgermeister Klaus Schifferer vorgestellt, drei weitere stehen auf seiner Terminliste.

Dementi Das große Interesse am Thema Strom aus Wind zeigt die große Zahl von mehr als 200 Besuchern aus den Landkreisen Heilbronn, Schwäbisch Hall und Hohenlohe. "Es stimmt nicht, dass wir planen, auf dem Klinikgelände einen Windpark zu bauen", stellt Klinik-Geschäftsführer und Vereinsvorsitzender Dieter Bopp in seiner Begrüßung klar. Das hatte die Bürgerinitiative "Gegenwind-Husarenhof" (BI) in einer E-Mail an die Heilbronner Stimme behauptet. Ein Löwensteiner Bürger, der nicht genannt werden wolle, habe die BI angerufen. Die Klinik habe sich zwar vor zwölf Jahren einmal mit dem Thema Windkraftanlage auf dem Klinikgelände beschäftigt, das Vorhaben aber nicht realisiert, so Bopp.

"Alles lebt von der Energie", eröffnet Dörner, FWV-Gemeinderat in Heilbronn, sein Referat mit einem Blick auf Robert Mayer, den Heilbronner Entdecker des Energieerhaltungs-Gesetzes. "Wind gehört zu den ältesten natürlichen Kräften, die der Mensch nutzt", nimmt der Windkraftexperte sein Publikum auf eine Zeitreise von den ersten Segelschiffen über Windmühlen bis zum Bau moderner Windkraftanlagen und Segelflugzeuge mit. "Offshore ist doppelt so teuer wie Onshore", erläutert Dörner die Unterschiede von Windparks auf See und auf Land.

"Heute stehen in Baden-Württemberg 368 Windanlagen mit einer installierte Leistung von 467 Megawatt", sagt der Referent. Er gibt Einblicke in Zusammenhänge von Rotordurchmesser, Rotorfläche, Windgeschwindigkeit und Leistung.

"Nach einem halben Jahr hat eine moderne Anlage die Energie erzeugt, die zu ihrem Bau nötig war und arbeitet dann CO2-neutral", antwortet er auf eine Frage. "Was sind die häufigsten Einwände gegen Windkraftanlagen?", will Brigitte Wolf aus Leingarten wissen. "Lärm und Beeinträchtigung des Landschaftsbildes", so Dörner. Einen Abstand von 700 Metern zu Wohngebieten hält der Ingenieur für ausreichend. Das Argument, dass das Landschaftsbild beeinträchtigt werde, lässt er nicht gelten: "Menschen müssen sich an die Veränderungen gewöhnen." Und er müsse sich entscheiden, was er wolle, hält er Horst Schulz, Nabu-Mitglied in Bad Friedrichshall, entgegen, der Argumente des Tierschutzes anführt.

Rendite Zurückhaltend und skeptisch ist Dörner allerdings beim Thema Rendite: "Getrickst wird überall." Man müsste die Rendite kennen. "Wenn es sich lohnt, würde ich mich beteiligen", hat sich der Löwensteiner Dieter Sammet mit Blick auf Bürgerbeteiligungsanlagen eine Auskunft erhofft.

Mensch muss sich an Optik gewöhnen
Heiner Dörner nahm seine Zuhörer auf eine Zeitreise mit. Foto: Gustav Döttling