Lösung für altes Schulhaus in Sicht

Gutachten bescheinigen dem Gebäude Qualität und raten zum Erhalt

Von Friedhelm Römer

Lösung für altes Schulhaus in Sicht
Vermutlich gibt es eine Zukunft für den neoklassizistischen Bau aus dem Jahre 1880. Zwei dem Gemeinderat jetzt präsentierte Gutachten stellten dem Gebäude im Ortszentrum von Eberstadt ein gutes Zeugnis aus.Foto: Friedhelm Römer

Eberstadt - Sie hatten mit dem Schlimmsten gerechnet. Trotzdem hatten sich die Eberstädter Gemeinderatsmitglieder dazu durchgerungen, eine Gebäudeaufnahme und eine statische Beurteilung von dem alten Schulhaus im Ortszentrum erstellen zu lassen. Und nach den Vorträgen der Gutachter in der Sitzung am Dienstagabend bekamen sie glänzende Augen. „Es ist schön zu hören, dass nicht alles so kaputt ist, wie wir dachten“, sagte Inge Roth von der SPD.

Architekt Jürgen Galetzka vom gleichnamigen Architekturbüro und Statiker Ralf Schöneck vom Ingenieurbüro Glaser waren zuvor ins Schwärmen geraten: Über den außergewöhnlich guten Zustand der Außenwände dieses neoklassizistischen Gebäudes aus dem Jahr 1880, über den Zustand der meisten Fenster, die sich auch nach dieser langen Zeit noch problemlos öffnen und schließen ließen, über die schönen Stuckdecken und über das hervorragende Tragwerk. „All das, was den Klassizismus prägt, ist hier wiedergegeben worden, und zwar in einer Güte, als wäre das Haus erst gestern gebaut worden“, staunte Jürgen Galetzka auch im Gemeinderat.

Feuchtigkeit Probleme seien vor allem an jenen Stellen aufgetaucht, an denen Feuchtigkeit über Jahre eingedrungen ist, wie zum Beispiel im Dachstuhl. Zu sanieren gäbe es jede Menge: Es müssen Decken und Bodenbeläge sowie Treppengeländer erneuert werden. Auch die Fugen an den Außenwänden müssten neu ausgemörtelt, das Dach müsste neu gedeckt werden. Dagegen müssten die Steine an der Außenmauer, die während des Zweiten Weltkriegs von Granateinschlägen in Mitleidenschaft gezogen worden sind, laut Aussagen Landesdenkmalamt nicht saniert werden.

Aufkommende Bedenken aus dem Gemeinderat, man würde heute keine Handwerker mehr finden, die in der Lage seien, diese Qualität zu erhalten, wurden vom Statiker zerstreut: „Es gibt Lösungen, denn das Gebäude hat Potenzial“, war sich Schöneck sicher. Das Gremium nahm die Gutachten zur Kenntnis und beschloss einstimmig die Zurückverweisung in den Ausschuss „altes Schulhaus“ und eine Kostenermittlung für eine Sanierung.

Ohne Zeitdruck „Ich will mich bei diesem Thema nicht unter Zeitdruck setzen lassen“, sagte Bürgermeister Timo Frey und gab den Zeitplan vor: „In diesem Jahr haben wir die Planungsphase, in den folgenden Jahren 2010 und 2011 dann die Umsetzung im Haushalt.“

Die Gemeinderäte nahmen mit Bedauern zur Kenntnis, dass jahrzehntelang keinerlei Reparaturen an dem alten Schulhaus vorgenommen worden sind. „Ich kenne die Schule seit 1985. Seitdem hat man es geschafft, bis heute nichts zu tun, sonst hätte man vielleicht Schäden verhindern können“, sagte Wolfgang Lüftner (Grüne) mit Blick auf die Undichtigkeiten im Dachbereich. Andererseits „ist es gut, dass in den 70er Jahren keine Sanierung stattgefunden hat, sonst wären sicherlich die Fenster verändert worden, und man hätte damit den Stil verfremdet“, stellte Ralf Schöneck fest und ergänzte: „Heute geht man anders mit diesem Thema um und versucht, der Nachwelt ein solches Gebäude zu erhalten.“ Dies forderte anschließend auch Karin Hanff von den Grünen: „Wir sollten dem Gebäude die Wertschätzung zukommen lassen, die es verdient.“

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Vor allem im Dachbereich besteht großer Sanierungsbedarf.
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Qualität aus früheren Zeiten: Eisenträger mit Ornament.Fotos: Archiv/Sawatzki