Limes gibt in Kochendorf weitere Spuren preis

Mit Magnometer suchen Archäologen aus Aalen Acker ab

Von Stefanie Kurtz

Limes gibt weitere Spuren preis
Ganz ohne Graben: Martin Posselt kann mit seinem Magnetometer genau ermitteln, was sich unter dem Ackerboden befindet.Foto: Guido Sawatzki

Bad friedrichshall - Endlich. Das Magnetometer ist aufgebaut. Martin Posselt hängt sich das breite Messgerät über die Schultern und läuft damit über den Acker südlich von Kochendorf. Mit seinem Team und dem Heimathistoriker Hans Riexinger ist er auf der Suche nach dem Neckar-Odenwald-Limes. Jenem Grenzwall, der die Römer um 100 nach Christus vor dem Einfall der Germanen geschützt hatte, und den es laut Geschichtsschreibung hier gar nicht geben dürfte.

Entdeckungen "Man hat angenommen, er verlaufe durch Duttenberg, berührt Jagstfeld und endet am Neckar", berichtet Hans Riexinger. Der 82-Jährige ist ehrenamtlicher Denkmalpfleger und schon von Kindesbeinen an Feuer und Flamme für Heimatgeschichte. Vor mehr als 20 Jahren ist der Bad Friedrichshaller Hobbyarchäologe in Kochendorf auf römische Funde gestoßen. Auf dem Äckern beim Riedweg hat er sogar einen Wachturm entdeckt. Und schließlich mit Hilfe einer Aufnahme von Luftbildarchäologe Rudolf Landauer eindeutig ein Kleinkastell zwischen der Lindenberghalle und dem Kochendorfer Friedhof nachgewiesen.

Riexinger und Landauer war klar, dass die alte Theorie, der Limes ende an der Kocher-Jagst-Mündung und nehme mit dem Neckar einen natürlichen Verlauf, überholt war. Wie aber der Limes in Richtung Plattenwald und Neckarsulm wirklich verläuft, vor diesem Rätsel steht nun das Limesinformationszentrum Baden-Württemberg.

Für zwei Tage sind dessen Leiter Dr. Stephan Bender, Carola Hubert und Martin Posselt von Aalen in die Salzstadt gekommen. Mit dem Magnetometer untersuchen sie den Acker. Sie hoffen neben dem alten Steinturm, den Riexinger entdeckt hat, noch mehr römische Spuren zu finden, die Hinweise auf den Verlauf der alten römischen Reichsgrenze geben könnten. Dafür stecken die Archäologen zunächst ein von Norden nach Süden ausgerichtetes, 50 Meter großes Quadrat ab, um darin anschließend mögliche Spuren genauer zu lokalisieren. Mittel von 4500 Euro sind dazu nötig.

Bender steht die Vorfreude bereits ins Gesicht geschrieben: "Das ist ein Gefühl wie Weihnachten, wenn dann etwas auf dem Schirm erscheint." Mit dem Magnetometer messen die Archäologen Strahlung. Die Werte kommen anschließend auf den Laptop. Auf dem Bildschirm entsteht eine Graphik, auf dem die gemessenen Werte in verschiedenen Graustufen erscheinen. Ein hoher Wert wird weiß. Das heißt, dort müsste ein Graben gewesen sein. "Auf diese Weise muss man nichts zerstören", erläutert Martin Posselt die Methode.

Holzturm Ein kleines Stück ist das vierköpfige Team vorangekommen. Weitere Spuren des Steinturms sind aufgetaucht. Außerdem stießen sie auf die Reste eines Holzturms, und im östlichen Vorfeld der beiden Türme entdeckten sie die Spur einer Limespalisade. Aber das ist erst ein kleines Puzzlestück bei der Suche nach dem Limes. In der zweiten Novemberhälfte kommt die Gruppe noch einmal nach Kochendorf, um weitere Messungen durchführen. Erst dann kann man sagen, wie der Limes wirklich verlaufen ist - das hoffen zumindest die Archäologen.