Lebensverhältnisse von Migranten werden sich angleichen

Weitere Investitionen in Integration sind nötig − Große Unterschiede nach wie vor bei Bildung, Erwerbsquote und Sozialleistungen

Von Bärbel Kistner

Lebensverhältnisse von Migranten werden sich angleichen
Migranten stellen bei unter den 18-Jährigen die Mehrheit.Foto: Colourbox

Region Je - erfolgreicher sie arbeitet, desto früher macht sie ihren eigenen Job überflüssig: die Heilbronner Integrationsbeauftragte Roswitha Keicher. Wie weit könnte die Gesellschaft in 20 Jahren vorangekommen sein? "Eigentlich sollte sich bis dahin so viel tun, dass der Bereich in dieser Form nicht mehr gebraucht wird", sagt Keicher. Vorausgesetzt, die Ressourcen würden zur Verfügung gestellt. Von ganz alleine, darüber herrscht vermutlich kein Zweifel, geschieht Integration nicht.

Die Ausgangslage in der Region ist sehr unterschiedlich. Während man im Oberzentrum von einem 45-Prozent-Anteil von Bewohnern mit Migrationshintergrund ausgeht, sind es in der Region nur gut 23 Prozent. Main-Tauber und Hohenlohe liegen deutlich unter dem Landesdurchschnitt von knapp 25 Prozent.

Mehr Kinder Differenzierte Zahlen gibt es jedoch nur für Heilbronn, und diese zeigen, dass die städtische Bevölkerung künftig noch stärker durchmischt sein dürfte. 63 Prozent der rund 21 000 Kinder und Jugendlichen in Heilbronn stammt aus einer Familie mit nichtdeutschen Wurzeln. 4100 Heilbronner unter 18 Jahren sind türkischstämmig. Auch wenn man bei der Stabsstelle Strategie im Heilbronner Rathaus in den nächsten Jahrzehnten von einer Angleichung ausgeht, steckt in diesem Trend weitere Dynamik: Nichtdeutsche Mütter bekommen derzeit 1,99 Kinder, bei deutschen Müttern liegt die Geburtenquote bei 1,39.

Im Blick auf das Thema Bildung hat der hohe Migrantenanteil Brisanz. Bei Schulabschlüssen klafft nach wie vor eine große Lücke, vor allem bei Schulabbrechern ist die Quote bei Zuwanderern deutlich höher. Erhebliche Unterschiede gibt es auch bei der Erwerbsquote von Frauen. Und während drei Prozent der Baden-Württemberger ohne Migrationsgeschichte Arbeitslosengeld oder Hartz IV erhalten, sind es bei Migranten sieben Prozent.

Roswitha Keicher sieht jedoch vielfache Anzeichen, dass sich die Lebensverhältnisse weiter angleichen. Es werde viele Migranten geben, die sich durch bessere Bildung einen guten Stand in der Gesellschaft erarbeiten. Man dürfe dennoch "nicht nachzulassen in den Bemühungen, die Zugewanderten auf allen Ebenen zu beteiligen". Ohne Investitionen erwartet Keicher tatsächlich einen starken Anstieg von Sozialfällen. Segregation wie in anderen Städten, wo in einigen Vierteln nur noch bestimmte Bevölkerungsgruppen wohnen, gibt es nach Ansicht Keichers nicht: "Die Menschen aus über 130 Nationen sind in Heilbronn gut verteilt."