Kyber in der Stille lauschen

Besondere Gedenkfeier zum 75. Todestag des Schriftstellers

Von Nelli Nickel

„Ich bin ganz beglückt. Das ist ein ganz außergewöhnlicher Abend.“

Dr. Karin Alt

Löwenstein - Einen ungewöhnlichen Abend kündigte Elvira Lohre an und versprach bei der Gedenkfeier zum 75. Todestag von Manfred Kyber, die die Stadt Löwenstein veranstaltete, nicht zu viel. Der Schrifsteller und Tierfreund verbrachte seine letzten zehn Jahre in dem Bergstädtchen und ist dort begraben. Vor allem seine Tiergeschichten sind in der Literaturwelt bekannt.

Ungewöhnlich war die Sitzordnung. Die 150 Besucher saßen nicht mit Blick auf die Bühne, sondern in einem großen Kreis in mehreren Reihen. Das Geschehen spielte sich aber nicht in der Mitte ab. Die drei Schauspieler Dorothee Lechner, Johannes Bahr und Bernhard Hackmann vom Theater Heilbronn sowie Cellist Sebastian Erlewein verteilten sich um den Kreis. Nur eine große, weiße Kerze in der Mitte spendete Licht.

In der Stille und Dunkelheit klangen die Stimmen der Schauspieler umso eindrucksvoller. Unter dem Leuchten einer kleinen Leselampe trugen sie Texte von Manfred Kyber vor, während sich die Zuhörer zurücklehnten und die Worte auf sich wirken ließen. Witzige, aber auch ernste Tiergeschichten brachten die Besucher zum Schmunzeln oder zum Nachdenken. Wie ein roter Faden und thematisch zur Feier passend zog sich durch den eineinhalbstündigen Vortrag die Geschichte „Das kleine Mädchen und der Tod.“ Zwischen den Beiträgen griff Sebastian Erlewein zum Bogen und spielte kurze Sätze der Cello-Suite Nr.1 des Komponisten Benjamin Britten.

Nach der Vorstellung hielt es Dr. Karin Alt nicht mehr auf dem Stuhl. „Es liegt mir auf der Seele, Danke zu sagen für diese ungewöhnliche Gedenkfeier“, sagte die Enkelin von Manfred Kyber. Die 79-Jährige war extra aus Berlin angereist. „Ich bin ganz beglückt. Das ist ein ganz außergewöhnlicher Abend“, freute sich die Professorin, die die Auswahl der Stücke in Verbindung mit der Musik schön fand. „Meine Mutter spielte auch Cello. Sie hätte sich heute wahnsinnig gefreut“, sagte Karin Alt. Auch die Organisatorin und Leiterin des Manfred-Kyber-Museums, Elvira Lohre, freute sich über das Ergebnis und die positive Resonanz der Besucher.

„Ich kannte Manfred Kyber gar nicht“, gab Hans-Jörg Grell zu, der die Vorstellung inszeniert hat. Bevor er zusagte, las er sich in das Werk von Kyber ein und überlegte sich ein besonderes Konzept. „Es sollte wie ein Dialog sein“, erklärte der Dramaturg.

Über Mikrofone wurden die Vorträge aufgenommen. Lohre möchte eine CD zusammenstellen, die sie im Museum anbieten will.