Kleine Werkstatt, große Freiheit

Jonas Güth aus Maad ist Bundessieger der Metallgestalter

Von Barbara Barth

Kleine Werkstatt, große Freiheit
Da fliegen die Funken: Als Metallgestalter hat der 24-jährige Jonas Güth seinen Traumberuf gefunden. Foto: Archiv/Veigel

Beilstein - Jetzt hört die Feierei aber auf." Jonas Güth lacht. Der Befehl seines Chefs ist nicht wirklich ernst gemeint. Welcher Ausbilder hat schon so einen Mitarbeiter: Kammersieger, Landessieger und Bundessieger der Metallgestalter.

Martial Herbst hat den besten Junghandwerker Deutschlands in seiner Werkstatt in Maad. Beim Leistungswettbewerb 2010 des Deutschen Handwerks war niemand besser als der 24-jährige Metallbauer (früher Schlosser), Fachrichtung Metallgestaltung. Bei der Abschlussfeier in Bayreuth übergab der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer dem Beilsteiner kürzlich die Ehrenurkunde.

Der in Stuttgart geborene und in Großbottwars Stadtteil Hof und Lembach aufgewachsene junge Mann entdeckte seine Liebe zum Handwerk auf der Waldorfschule in Ludwigsburg. "Ich habe mir nie einen Bürojob vorstellen können", sagt Jonas. Motorisch zu arbeiten, das war sein Ding.

Gefunkt Martial Herbst wollte eigentlich keinen Lehrling, er hatte schlechte Erfahrungen gemacht. Jonas Güth war auf der Suche nach einem Praktikum im Metallbereich. Andere Werkstoffe hatte er schon ausprobiert, aber keiner behagte ihm so, "dass ich mir das für mein Leben vorstellen konnte". An einem Samstag im Februar 2006 trafen sich die beiden, und der Funke sprang sofort über. Es passte menschlich. Der Ein-Mann-Betrieb von Herbst war genau das, was Güth suchte. Die Frage: "Will ich eine Nummer oder eine Person sein?" beantwortete er für sich ganz klar. "In einem kleinen Betrieb kriegt man mehr mit, kann viel mehr selbst machen."

Es sind normale Schlosserarbeiten wie Treppen- oder Balkongeländer, es sind aber auch gestalterische Lichtobjekte und Möbel für den Garten. Im Sommer haben Herbst und Güth eine drei Meter hohe und fünf Meter breite, mehrteilige Eisenskulptur für die Odenwaldschule gestaltet. Die integrierte Gesamtschule in Hessen war in diesem Jahr durch sexuelle Missbrauchsfälle in den siebziger Jahren in die Schlagzeilen geraten. Ehemalige Schüler gaben die Skulptur bei Herbst in Auftrag, die dieser an Ort und Stelle mit Güth und Schülern realisierte.

Dreieinhalb Jahre hat Jonas Güth in der Werkstatt von Herbst in Maad gelernt, die schulische Grundausbildung in der Wilhelm-Maybach-Schule in Heilbronn erhalten und die Fachausbildung im Blockunterricht in Göppingen. Im Februar 2010 war er fertig. Die Gesellenprüfung legte er mit Glanz und Gloria ab.

Vor einem Jahr zog er nach Maad um, in ein Haus neben der Werkstatt. Die Nähe war ihm wichtig. "Ich kann jederzeit rein, wenn ich etwas ausprobieren will." Das war für sein Gesellenstück nicht unwichtig. Für die Konstruktion eines Gartengrills hatte er viele Ideen: Ein in der Höhe verstellbarer, geschlossener Glutkasten sollte die Wärme besser halten als herkömmliche Grills. Die Glut entsteht schneller, das Grillgut ist im Handumdrehen fertig. Die Tüftelei hat sich gelohnt. Das 180 Kilo schwere Gesellenstück floss zu 30 Prozent in die Bewertung des Bundeswettbewerbs ein.

Spannend Sechs Stunden waren Meister und Geselle mit dem Grill im Anhänger unterwegs. Drei Tage Spannung: Anreise, Wettbewerb mit theoretischen und praktischen Prüfungen, Siegerehrung. Die Verkündung der Namen verlief rückwärts. Als nur noch seiner übrig war, wusste Güth: "Ich bin Bundessieger."

Erst vor kurzem wurde der Grill eingeweiht. Alle 21 Einwohner des winzigen Beilsteiner Teilorts Maad und noch einige mehr waren beim Dorffest, um zu sehen, ob das gute Stück auch funktioniert. Es bestand die Bewährungsprobe glänzend.

Kleine Werkstatt, große Freiheit
Meister und Meisterschüler: Martial Herbst (rechts), Jonas Güth,Foto: Barth