In der Vorreiterrolle

Gemeinde tritt bundesweitem Bündnis "Kommunen für Biologische Vielfalt" bei

Von Gustav Döttling

In der Vorreiterrolle
Der Sulmpark in Willsbach ist ein wichtiger Baustein im Gesamtkonzept der Obersulmer Biotopvernetzung. Ein neues geplantes Projekt ist der Erhalt einer Trockenmauer am Sülzbacher Rauberg.Foto: Gustav Döttling

Obersulm - Die Gemeinde Obersulm tritt als erste Gemeinde im Landkreis Heilbronn dem bundesweiten Bündnis "Kommunen für Biologische Vielfalt" bei und unterzeichnet die Deklaration "Biologische Vielfalt in Kommunen" . Bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung sprach sich der Gemeinderat dafür aus, dass die Sulmtalgemeinde bei einem Jahresbeitrag von 150 Euro dem Bündnis als Gründungsmitglied beitritt und die Deklaration ratifiziert. "Wenn wir beitreten, übernehmen wir eine Vorreiterrolle in der Region", sagte Bürgermeister Tilman Schmidt.

Vernetzung "Das ist ein Mehrwert für die Gemeinde, da stimmen wir zu", plädierte Thomas Lüdecke (CDU) für den Beitritt. "Wir finden es richtig, dass Obersulm einsteigt", sagte Armin Waldbüßer (Grüne). Zuvor hatte die Rathausmitarbeiterin Margit Birkicht die "erfolgreiche Biotopvernetzung in Obersulm" seit 20 Jahren vorgestellt. Zwischen 1991 und 2010 flossen in diese Projekte inklusive staatlicher Zuschüsse 170 000 Euro.

1991 hat der Obersulmer DiplomBiologe Dieter Veile in Zusammenarbeit mit dem Büro für Stadt- und Umweltplanung Hartmut Klingenburg in wochenlanger Arbeit die Bestandsaufnahme gemacht, den Umweltbericht erstellt und einen Biotopvernetzungsplan erarbeitet. Der Gemeinderat erließ 1992 Richtlinien zur Förderung von Streuobstwiesen, Ackerrandstreifen und Gewässerrandstreifen.

Zwischen 1992 und 2003 unterstützte die Gemeinde die Anpflanzung von 400 Hochstamm-Obstbäumen. Aufgrund ihrer schwierigen Haushaltslage setzte die Gemeinde diese Praxis zwischen 2003 und 2009 aus. Seither fördert Obersulm wieder die Anlage von Grünland- und Gewässerrandstreifen. Im Jahr 2010 legten Gemeinde und Landwirte Randstreifen mit einer Länge von insgesamt 11,8 Kilometern an. Ein immer noch blühendes Zeugnis ist der "Mössinger Blumensommer" in der Mühlrainstraße. In 20 Jahren pflanzte die Gemeinde 30 neue Streuobstwiesen mit insgesamt über sieben Hektar Fläche und 750 Bäumen an. Außerdem erwarb Obersulm 18 bestehende Streuobstwiesen seit 1991, um diese zu erhalten und weiterzuentwickeln.

"Wir haben auf einer Fläche von 2,1 Hektar 16 Hecken mit einer Gesamtlänge von 1,7 Kilometer Fläche angepflanzt", berichtete Margit Birkicht. "Die Pflanzung der Hecken war 1995 ein besonderes Highlight", sagte Biologe Dieter Veile auf Anfrage. Hecken seien wichtige Biotope, um Vögeln, Reptilien, Insekten und Säugetieren Lebensraum zu bieten.

"Inzwischen haben sich mit Goldammer, Neuntöter und Dorngrasmücke Vögel angesiedelt, die es vorher nicht gab", berichtete der Biologe. Ziel der Biotopvernetzung sei es, die Artenvielfalt zu fördern und den Austausch von Lebewesen zwischen den oft weit auseinanderliegenden Biotopinseln zu ermöglichen. "Was Obersulm macht, ist vorbildlich", lobte Veile. Die Sulmtalkommune hat Fließgewässer renaturiert und Wassergräben bepflanzt.

Schulpark "Die größte Maßnahme war zwischen 2007 und 2009 die Anlage des Sulmparks in Zusammenwirken mit der lokalen Agendagruppe", berichtete Margit Birkicht weiter. Die Kosten für den Sulmpark betrugen 67 000 Euro. Die Stiftung Naturschutzfonds gewährte dazu eine Finanzspritze von 30 000 Euro. Jüngstes mehrjähriges Großprojekt ist laut Margit Birkicht der Schulpark am Michelbach in Affaltrach in enger Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Paul-Distelbarth-Gymnasium und der Forstverwaltung (wir berichteten).

Als neues Projekt plant die Kommune am Sülzbacher Rauberg, für rund 36 000 Euro die Trockenmauern zu erhalten. "Das wird so nicht funktionieren", meinte Gemeinderat und Weingärtner Alexander Heinrich skeptisch. Er plädierte im Gremium stattdessen für die Anlage eines Eidechsengartens in diesem Rauberg-Gelände.