In den Ställen riecht es nach Geschichte

Breitenauer Hof öffnet erstmals die Scheunentore − Besonderheit: Angus-Zucht

Von Sabine Friedrich

In den Ställen riecht es nach Geschichte
Die Ställe auf dem landwirtschaftlichen Anwesen sind etwa 100 Jahre alt. Dieses Gebäude ist ganz aus Holz. Die Scheunen haben Fachwerk.

Löwenstein - Casablanca liegt faul im Schatten unter dem Vordach des Stalls, umgeben von einer Schar Rinder. Der 1000 Kilogramm schwere Bulle regt sich nicht, es ist einfach zu heiß. So können sich die Besucher die schwarzen, trägen Tiere aus der Nähe anschauen. Der Breitenauer Hof, der am vergangenen Wochenende erstmals Stall- und Scheunentore für Interessierte weit aufgemacht hat, hat neben Angus-Zucht auch Geschichte zu bieten.

"Ich bin ganz hin und weg", ist Monika Kammerer von der Lage und den Gebäuden des auf einer Anhöhe gelegenen Löwensteiner Anwesens begeistert. "Der Hof hat sein eigenes Gepräge, weil er nach Geschichte riecht", bestätigt Marit Unger-Fellmann, Schwester des Pächters, die zum Tag des offenen Bauernhofs mit ihren Kindern extra aus Rheinland-Pfalz angereist ist. Sie ist hier in der Großfamilie mit drei Generationen aufgewachsen. "Die Gemeinschaft war eine gute Erfahrung für mich als Kind", erzählt sie und erinnert sich, dass bis in die 80er Jahre noch Ackergäule die Geräte zogen.

Eigentlich wohnt Schwägerin Margit Fellmann in einem Herrenhaus, waren doch die Grafen von Löwenstein ab 1428 die Besitzer. 1979 erwarb der Landkreis Heilbronn den Hof mit seinen 30 Hektar. Das heutige Wohnhaus war ursprünglich ein Schafstall. Die riesigen Fachwerk-Scheunen stehen seit 250 Jahren, die Ställe wurden vor etwa 100 Jahren gebaut. Weil alles unter Denkmalschutz steht, sei die Bewirtschaftung manchmal schwierig, sagt die Diplom-Agraringenieurin. "So würde man heute keinen Stall mehr bauen", macht die Mutter von fünf Kindern klar.

Schwalben "Ich habe seit vielen Jahren keine Schwalben mehr in Ställen gesehen", ist ein Löwensteiner erstaunt von der zwitschernden Entdeckung. "Es wird immer weniger", beobachtet jedoch Fellmann.

Nicht nur die Gemäuer haben eine wechselvolle Geschichte, auch die Landwirtschaft. 1963 gab die Familie Fellmann, Pächter in der vierten Generation, die Milchwirtschaft auf. Kükenmast, Schweine- und Traberzucht wechselten sich ab, ehe Hannes Fellmann 1985 neben Acker- und Weinbau die Angus-Rinderzucht aufbaute. Heute grasen von Mai bis Oktober 90 Mutter- und Jungtiere auf den Weiden, drei Bullen sorgen für die Zucht.

Die Kinder können am Wochenende auch Schwäbisch-Hällische Landschweine, Hühner, Schafe und Gänse, die die Fellmanns für den Eigenbedarf halten, begutachten. Max und Samuel Lamprecht aus Lehrensteinsfeld interessieren zudem die Trecker und Ackergeräte.

Die jungen Besucher sind eine Zielgruppe für den Bauernverband Heilbronn-Ludwigsburg, der den Tag in regelmäßigen Abständen veranstaltet. "Sie sollen die Möglichkeit haben, Tiere in der Natur zu sehen", sagt Vizevorsitzender Helmut Eberle. Der Verband hat die Verbraucher im Visier, die erfahren, wie die Produkte angebaut und veredelt werden. Und wie sie schmecken. Als saftig und geschmackvoll bezeichnet Margit Fellmann das kurzfasrige und maromierte Fleisch der Angus-Rinder. Im Schatten von Walnuss- und Kastanienbäumen im Innenhof lassen sich die Besucher auch den Kuchen der Löwensteiner Landfrauen schmecken.

In den Ställen riecht es nach Geschichte
Henne Berta wacht über ihre Küken. Streicheln ist nicht möglich.Foto: Dirks
In den Ställen riecht es nach Geschichte
Samuel (links) und Max Lamprecht aus Lehrensteinsfeld locken mit einem Büschel Stroh das Rind an. Wegen der Hitze verkriecht sich der Großteil der Tiere.Fotos: Sabine Friedrich