Erstklässler gehen in die Kernstadt

Grundschule Gellmersbach hat wegen zurückgehender Zahlen keine Zukunft mehr

Von Joachim Kinzinger

Erstklässler gehen in die Kernstadt
Ein Blick auf Kindergarten und Grundschule in Gellmersbach. Im Sommer 2012 soll die Schule vorläufig geschlossen werden.Foto: Ulrike Kugler

Weinsberg - Die Prognose sieht düster aus. Bei jeweils nur vier bis sechs Erstklässlern in den kommenden Jahren ist die Grundschule Gellmersbach nicht mehr zu halten. Schon ab Herbst 2009 gehen die ABC-Schützen aus dem Teilort in die Rossäcker-Schule nach Weinsberg. Die jetzigen Mädchen und Buben bleiben jedoch bis zum Ende der vierten Klasse in Gellmersbach. Bei zwei Gegenstimmen hat der Weinsberger Gemeinderat die Schulbezirke geändert.

Bereits im Dezember 2008 hatte Wolfgang Seibold, Leiter des Staatlichen Schulamts Heilbronn, bei einem Informationsabend den Eltern der künftigen Schüler keine Hoffnung mehr gemacht. „Es gibt keine Rettung“, sagt Seibold angesichts der Fakten.

Im Weinsberger Gemeinderat spricht Hauptamtsleiter Thomas Siegle von einem „extremen Rückgang“ der Geburtenzahlen, der nun keinen „ordnungsgemäßen Schulbetrieb“ im Teilort mit 930 Einwohnern mehr zulässt.

Derzeit gehen 49 Kinder in die Gellmersbacher Einrichtung. Meist wird jahrgangsübergreifend unterrichtet, aber Deutsch und Mathe getrennt im Klassenverband. Laut den Prognosen wären es künftig nur noch 16 bis 20 Schüler. Für Siegle gibt es keine andere Lösung, als die ABC-Schützen nach Weinsberg zu schicken.

Rettungsversuch Der Gellmersbacher Gesamtelternbeirat hatte mit einem Schreiben ans Schulamt einen letzten Rettungsversuch unternommen, damit die kleine, lernfreudige Grundschule nicht im Sommer 2012 stillgelegt wird. „Wir wollten uns um eine andere Lösung bemühen“, erklärt die Vorsitzende Katrin Goal. Darunter waren die Vorschläge, Kinder aus Eberstadt oder dem Weissenhof aufzunehmen, eine Ganztagsschule für die Teilorte einzurichten oder ein Bildungshaus mit Kindergarten und Schule zu schaffen. „Ich finde es schade, dass so schnell entschieden wurde“, erklärt sie zur Ablehnung.

Für Wolfgang Seibold führen aber alle „kreativen Dinge nicht zum Ziel“, weil die Schüler fehlen. Zudem sei es nicht sinnvoll, sie aus anderen Bezirken anzuwerben. „Der Widerstand gegen die Schließung war zwar groß, aber die Zahlen waren so erdrückend“, bedauert der Gellmersbacher Schulleiter Helmut Hornung das Aus. Alle Überlegungen seien an den Schülerzahlen gescheitert.

Zumal auch in der Kernstadt im Rossäcker nach Worten von Siegle die Gefahr bestand, „dass die Schule in naher Zukunft einzügig wird“. Deshalb werden hier auch ab Herbst 2009 die Kinder, die auf dem Gelände des Klinikums am Weissenhof wohnen, unterrichtet.

Projekt Für Ortsvorsteher Siegfried Stegherr trägt Gellmersbach mit dem Verlust der Schule ein „Stück Selbstständigkeit zu Grabe“. Der Ortschaftsrat wollte, dass wenigstens die ABC-Schützen im September noch eingeschult werden. FWV-Rat Wolf-Peter Leiß kann sich mit dem Aus nicht abfinden. Es könnten doch die Weissenhof-Schüler integriert werden. Erika Jakob (FWV) hält die Räumlichkeiten geeignet für ein Bildungshaus: „Die Stadt sollte prüfen, ob man noch ins Projekt einsteigen kann.“ Beide Räte lehnen später bei der Abstimmung die Neuordnung der Schulbezirke ab.

Bürgermeister Stefan Thoma sichert zu, dass er wegen des Bildungshauses nochmals beim Kultusministerium anfragt. Der Stadtchef ermuntert, auf lange Sicht die Hoffnung für die Grundschule Gellmersbach nicht aufzugeben: „Wir können das Rad wieder zurückdrehen.“ Auch Schulamtsdirektor Seibold hat der Stadt geraten, nicht die Tür zuzumachen und das Gebäude zu entwidmen: „Die Schule ist schnell wieder eingerichtet.“

Erstklässler gehen in die Kernstadt

„Wir können das Rad wieder zurück- drehen.“

Stefan Thoma