Ende der Selbstständigkeit

Lehrensteinsfeld - WG kooperiert künftig mit Genossenschaftskellerei Heilbronn

Von Julie Dutkowski

Ende der Selbstständigkeit

"Wir wollten verhindern, dass uns die Mitglieder davonlaufen."

Karl Frank

Lehrensteinsfeld - Das war eine große Überraschung für die Mitglieder der Weingärtnergenossenschaft Lehrensteinsfeld: In der 106. Generalversammlung am Mittwochabend teilte der Vorstand ihnen mit, dass man künftig mit der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg kooperieren wolle. "Die Mitglieder waren leicht geschockt, aber wir konnten ihnen klipp und klar darlegen, warum wir damit so lange hinterm Berg gehalten haben", sagte Karl Frank, Vorstandsvorsitzender der WG, gestern auf Nachfrage. Die Überzeugungsarbeit ist offenbar gelungen: 95 Prozent der Mitglieder gaben noch am selben Abend der Kooperation ihre Zustimmung.

Fusion

"Der Herbst 2012 findet in Heilbronn statt", sagt Frank. Das Geschäft soll bereits Anfang 2012 in Heilbronn laufen. Seine jahrelange Selbstständigkeit gibt die 1904 gegegründete WG damit auf. Bei einer außerordentlichen Generalversammlung am 7. September erfahren die Mitglieder der Genossenschaftskellerei Einzelheiten über die geplante Zusammenarbeit. Der fertige Kooperationsvertrag soll dann unterschrieben werden. Frank bestätigt, dass das nicht das Ende sein wird. "Ja, es kommt zur Fusion."

Bereits im Herbst 2010 haben Gespräche mit Heilbronn stattgefunden, sagt Bastian Remkes, Geschäftsführer der WG Lehrensteinsfeld. Schon damals wurden nur 73 Prozent der Erntemenge von 2009 erreicht, erklärt er. Im Mai 2010 gaben die schweren Frostschäden der kleinen WG im Weinsberger Tal den Rest. Ernteeinbußen von bis zu 70 Prozent machen in diesem Jahr den Winzern schwer zu schaffen. Ein weiteres Problem: "Wir haben einen enormen Investitionsstau", sagt Remkes. Die Lehrensteinsfelder müssten rund 900 000 Euro in die Gebäudesubstanz und die Keller- und Keltertechnik investieren. Geld, das nicht da ist. "Der Druck auf den Markt und von unseren Mitgliedern wird immer größer", sagt Remkes. "Für eine kleine Genossenschaft wie Lehrensteinsfeld wird es immer schwieriger, sich auf dem Markt zu behaupten und vernünftige Preise für Weine zu erzielen."

Mit der Kooperation wird eine höhere Auslastung des Kellereibetriebs angestrebt, erklärt Remkes. "Sicher wird es personelle Veränderungen geben", meint Karl Frank. Dass Stellen wegfallen, bleibe nicht aus, so der Vorstandschef.

Als sich im Juli die Weingärtner aus Löwenstein, Eberstadt, Willsbach und Eschenau unter dem Dach der WG Löwenstein zusammenschlossen, wollte sich Lehrensteinsfeld nicht beteiligen (wir berichteten). Frank steht nach wie vor zu der Entscheidung: "Alle Wengerter müssen das gleiche Geld kriegen", kritisiert er das Modell des Zusammenschlusses. "Unsere Meinung ist, dass die Trauben an einem Standort erfasst, zu Wein gemacht und dort auch verkauft werden müssen." Damit sei der Rationalisierungseffekt am größten. "Wir wollten verhindern, dass uns die Mitglieder davonlaufen", ergänzt er.

Vorteile

Für Karl Seiter, Geschäftsführer der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg, liegen die Vorteile der Kooperation auf der Hand. Die Betriebsanlagen in Heilbronn können den Wein aus Lehrensteinsfeld locker schultern. "Wir brauchen keine zusätzliche Technik, auch unsere Lagerkapazität reicht aus."