Ein Denkmal kehrt zurück

Grabsteine aus dem 17./18. Jahrhundert kommen wieder in den Wehrturm

Von Friedhelm Römer

Ein Denkmal kehrt zurück

"Es gibt keinen Grund, die Steine nicht auszuleihen. Wir haben dem Wunsch aus Lehrensteinsfeld sofort entsprochen."

Hans-Jörg Eiding

Lehrensteinsfeld - Nach mehr als 100 Jahren findet ein historisches Grabmal aus dem 17./18. Jahrhundert den Weg zurück nach Lehrensteinsfeld. Noch ist es in der Heilbronner Kilianskirche an die Chorwand zementiert. Steinmetz Thomas Rücker aus Talheim wird es heute abbauen. Als Dauerleihgabe kommt es in den Wehrturm. "Es gibt keinen Grund, die Steine nicht auszuleihen. Wir haben dem Wunsch aus Lehrensteinsfeld sofort entsprochen", sagt der Pfarrer der Kilianskirche Hans-Jörg Eiding.

Historische Grabsteine erzählen oftmals eine Geschichte. Diese beginnt im Jahr 1649. Der französische Feldmarschall Ludwig von Schmidberg kauft nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges das Dorf Lehrensteinsfeld samt Schloss. Nach seinem Tod spaltet sich der Besitz unter seinen Nachkommen und Verwandten auf.

Aufbewahrt Mit dem Aussterben der von Schmidbergs 1777 geht der Besitz in andere Familien über. Das eindrucksvolle Grabmal von Ludwig, Heinrich Reinhold und Johann Friedrich Carl von Schmidberg wird in der Laurentiuskirche von Lehrensteinsfeld aufbewahrt.Und zwar so lange, bis 1903 die neue Christuskirche zwischen Lehren und Steinsfeld fertiggestellt und die Laurentiuskirche entweiht wird. Sie wird nicht mehr als Kirche gebraucht und zur Kelter umfunktioniert.

"Die Laurentiuskirche musste ständig repariert werden. Aufgrund der Lage sind viele Schäden wegen der Feuchtigkeit entstanden", erzählt Roland Göller, Vorsitzender des Lehrensteinsfelder Fördervereins Dorfkultur. Daher habe man sie aufgegeben.

Im Jahr 1903 überlässt die Gemeinde Lehrensteinsfeld dem historischen Verein Heilbronn das Grabmal als Schenkung. Dieses wird im Fleischhaus der Neckarstadt aufbewahrt. Denn Ludwig von Schmidberg hat ebenfalls einen Bezug zu Heilbronn. In den Jahren 1632/33 ist er dort Stadtkommandant. Warum das Denkmal nicht in der neuen Christuskirche eine neue Heimat fand, darauf hat Roland Göller noch keine Antwort gefunden.Das Grabmal besteht aus drei Grabsteinen samt einer steinernen Umrandung. Als das Fleischhaus gegen Ende des Zweiten Weltkriegs im November 1944 zerstört wird, gilt das Denkmal zunächst als verschollen.

"Bei Aufräumarbeiten nach dem Krieg hat man die Grabsteine in die Heilbronner Kilianskirche gebracht", sagt Roland Göller. Die sechs Umrandungssteine sind inzwischen im Lapidarium des Heilbronner Stadtarchivs untergebracht. Auf ihnen sind diverse Wappen zu erkennen. Auch sie kommen nun wieder zurück nach Lehrensteinsfeld. Daher hat die Gemeinde auch einen Dauerleihvertrag mit dem Stadtarchiv geschlossen.

Puzzlearbeit Göller: "Wir wollen das Grabmal weitgehend so aufstellen, wie es damals war." Dies wird allerdings eine kleine Puzzlearbeit. Für die drei Grabplatten und die Umrandungssteine wird ein Torso gebaut, ein Metallgestell, in das die einzelnen Elemente gestellt werden. Dies ist jedoch erst der zweite Schritt für die beiden Hobbyhistoriker Göller und Hans-Georg Wiechert. "Wir wollen den Aufbau noch in diesem Jahr realisieren", sagt der Lehrensteinsfelder Hobbyhistoriker Göller. Bis das passiert, wird das Denkmal vorläufig im Wehrturm eingelagert.