Ehrenmedaille für den Burgherrn

Wüstenrot - Gemeinde zeichnet den Jubilar Udo Freiherr von Gemmingen aus

Von Joachim Kinzinger

Wüstenrot - Sein Blick schweift ins Brettachtal, über Wälder und Wiesen. Die Weite der Landschaft genießt Udo Freiherr von Gemmingen in vollen Zügen auf dem Söller. "Hier sitze ich gerne", sagt der Burgbesitzer in Maienfels. Vor wenigen Tagen hat der Baron seinen 70. Geburtstag gefeiert. Wüstenrots Bürgermeister Heinz Nägele hat ihn zudem noch überrascht: mit der Ehrenmedaille der Gemeinde für "Verdienste um die Bürgerschaft".

Im alten Forsthaus in Kreuzle hat Udo Freiherr von Gemmingen sehr lange gewohnt. Oft hat der Architekt seine "Tante Martha" auf der Maienfelser Burg besucht. "Sie war eine sehr starke Persönlichkeit", erzählt der Burgherr. Zwei Jahre nach ihrem Tod zog er 1982 ins aus der Stauferzeit stammende Anwesen ein.

Viel Zeit, Kraft, Herzblut und Geld hat der Architekt seit vielen Jahren in die Gemäuer investiert: "Die Kasse ist gründlich geleert." 1997 wurde die Stiftung Burg Maienfels für den Erhalt des Kulturdenkmals von besonderer Bedeutung ins Leben gerufen. Es gab viel zu tun: Staufische Burgmauer und Fachwerkburgturm restaurieren, Turm, Amtshaus und Verbindungsbau zum Palas neu eindecken, Vorburg und Marstall einer Schönheitskur unterziehen. Der Lohn: Die Landesdenkmalstiftung Baden-Württemberg kürte die Burg wegen der gelungenen Instandsetzung zum Denkmal des Monats November 2007. Rund 650 000 Euro kostete die Sanierung des einstigen ritterschaftlichen Territoriums, 107 000 Euro steuerte die Denkmalstiftung dazu bei.

Sommerkonzerte

Weitere Aufgaben stehen an. Der 70-Jährige sagt: "Wir brauchen draußen Tore, die Zwingermauer muss angegangen werden." Außerdem benötigen die Sprossenfenster einen neuen Anstrich. Die besondere Kulisse verleiht den Innenhofkonzerten seit Sommer 2006 einen besonderen Reiz. "Ich bin froh über die Zusammenarbeit mit der Gemeinde", meint der Baron, der bei der Jazzclub-Band in Öhringen Schlagzeug spielt. Allein könne er dies nicht schultern. Auch Gemeindechef Nägele schätzt das Ambiente bei klassischen Konzerten. "Das ist eine kulturelle Bereicherung." Zudem ist er zufrieden, dass Leute dieses touristische Ziel besichtigen dürfen. "Dies ist nicht selbstverständlich."

Bei geöffnetem Tor kann der Hof auf eigene Gefahr betreten werden. Die Besichtigung der Räumlichkeiten ist aber nur bei einer Führung möglich. Dem Burgherr ist nicht wohl, wenn Schulklassen auf Mauern steigen: "Wenn jemand runter fällt, bin ich dran." Einmal hat der Jubilar einen Vater mit einem Säugling auf dem Arm vom Bergvorsprung herunter geholt.

Trauungen

Brautpaare geben sich vermehrt im Marstall das Ja-Wort. Hier hatte Nägele im Mai 2007 "die Ehre", auch Udo Freiherr und Emmi Freifrau von Gemmingen zu trauen. Vor vier Jahren hat der Schultes die Ehrenmedaille der Gemeinde eingeführt. Als "Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung" verleiht er dem Baron die leicht grünlich schimmernde Auszeichnung, die an Wüstenrots Glastradition erinnert. Der Baron habe die Burg für die Bürgerschaft geöffnet.

Udo Freiherr von Gemmingen ist Jagdpächter und geht gerne auf die Pirsch. Er liest viele Bücher, ist begeisterter Jazz-Drummer und hat jetzt von seiner Marokkoreise eine Trommel mitgebracht. 7500 Kilometer hat er im Range-Rover zurückgelegt.

Ehrenmedaille für den Burgherrn
In der Stauferzeit im 13. Jahrhundert wurde Burg Maienfels errichtet. Sie ist seit dem 18. Jahrhundert vollständig im Familienbesitz der Herren von Gemmingen.