Das Preußische an Harry Murso

Obersulm - Bürgermeister wird heute 65 − 100 Prozent Arbeitseinsatz sind Pflicht

Das Preußische an Harry Murso
Harry Murso schmöckert in der Gemeindebücherei. Sie ist eine beliebte Einrichtung der Kommune. Der Bürgermeister hofft, dass es langfristig gelingt, die gute Infrastruktur zu erhalten.Foto: Ulrike Kugler

Obersulm - Seit 42 Jahren arbeitet er für die Gemeinde Obersulm, seit 22 Jahren als ihr Bürgermeister. 2,3,4,5 − diese vier Zahlen begleiten Harry Murso schon sein ganzes Leben. Es ist sein Geburtsdatum: 2. März 1945. Am heutigen Dienstag wird er 65 Jahre alt. Sabine Friedrich sprach mit dem Schultes der größten Kommune im Weinsberger Tal.

Herr Murso. Andere gehen mit 65 in den Ruhestand. Sie sind noch voll im Saft. Woher nehmen Sie diesen Elan?

Harry Murso: Bürgermeister ist ein Amt mit hoher Verantwortung und hoher Arbeitsbelastung. Eine Gemeinde wie Obersulm mit knapp 14 000 Einwohnern, sechs Ortschaften und Ortschaftsverfassungen braucht hundertprozentigen Einsatz. Dazu benötigt es zwei Dinge: eine stabile Gesundheit und die notwendige physische und psychische Kraft. 80, 90 Prozent Einsatz würden nicht genügen, um die Gemeinde weiter nach vorne zu bringen.

Woraus schöpfen Sie diese Kraft?

Murso: Schon länger halte ich mich mit Joggen, Nordic-Walking und einer einigermaßen gesunden Lebensführung fit.

Könnten Sie nicht kürzer treten?

Murso: Das ist leichter gesagt als getan. Es würde etwas von der Arbeit auf der Strecke bleiben. Ich bin kurz vor 7 Uhr im Büro, und dann gibt es ja noch oft Abendtermine.

Sind Sie ein Arbeitstier?

Murso: So möchte ich es nicht sehen. Es gibt für mich den Begriff der Pflichterfüllung, etwas, was heute ein bisschen antiquiert klingen mag. Mancher Kollege sagt, das sei das Preußische an mir.

Sie sind in Weinsberg aufgewachsen, haben nach Löwenstein geheiratet und 1968 als Fachbeamter für Finanzwesen bei der Gemeinde Affaltrach begonnen. Das zeugt von Treue.

Murso: Ich bin im Weinsberger Tal verwurzelt, halte immer noch Kontakt zu meinen Schulkameraden in Weinsberg. Ich mag diese Landschaft. Obersulm ist eine unheimlich schöne Gemeinde. Und bei allen Problemen, die der Beruf so mit sich bringt, habe ich viel Schönes erlebt.

In zwei Jahren ist Ihre dritte Amtszeit zu Ende. Freuen sich sich auf den Ruhestand?

Murso: Es gibt ein gutes Buch von Notker Wolf: Gönn" dir Zeit, es ist dein Leben. Im Kapitel über den Übergang vom Beruf in den Ruhestand sind ganz heilsame Ratschläge: Dass ein Lebensabschnitt zu Ende ist, man aber trotzdem vorwärts schauen muss, und dass man loslassen sollte.

Was bleibt bis 2012 zu erledigen?

Murso: Eine Aufgabe ist sicherlich der Bereich Bildung und Erziehung, sprich der Ausbau der Krippen und des Ganztagsangebot in den Kindergärten sowie die Frage der Ganztags-Realschule. Schön wäre auch, wir könnten unsere Sportstättenentwicklungsplanung weiter voranbringen, wenn es die Finanzlage zulässt.

Macht die Arbeit in diesen schwierigen finanziellen Zeiten noch Spaß?

Murso: Was teilweise belastet, ist die schleichende Aushöhlung der Selbstverwaltung. Ein ganz plakatives Beispiel: Wir haben die internationale Finanzkrise, für die wir nichts können, auszubaden. Und dann manchmal diese Regulierungswut der EU. Weiter sind die großen Ankündigungen unserer hohen Politik vor Ort oft schwer umsetzbar und bauen eine große Erwartungshaltung auf. Der Bürger glaubt, die Gemeinden sind der Problemlöser für alles. Deshalb ist es für mich nachvollziehbar, wenn er politikverdrossen wird.

Was erfüllt Sie am Amt?

Murso: Gibt es einen vielseitigeren Beruf als Bürgermeister? Er gestaltet entscheidend das unmittelbare Lebensumfeld seiner Mitbürger und sieht dann auch, wie sich ein Gemeinwesen positiv entwickeln kann.

Wo steht Obersulm in 20 Jahren?

Murso: Ich denke, die große Zeit des Wachstums ist vorbei. Unsere Einwohnerzahl werden wir wohl langfristig halten und unsere gute Infrastruktur weiterhin anbieten können. Ich hoffe, dass Obersulm in 20 Jahren die gleiche lebens- und liebenswerte Gemeinde ist wie heute.

Wie feiern Sie ihren 65.?

Murso: Ich bin morgens im Rathaus, nachmittags zu Hause. Ich habe den 40., 50. und 60. groß gefeiert und will dies gerne mit 70 tun.